Sport : Fünf Härte- und fünf Glücksfälle

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Von Hartmut Scherzer

Frankfurt (Main). Die Härtefälle sind: Frank Rost, Frank Baumann, Jörg Böhme, Lars Ricken und Martin Max. Das sind die fünf Spieler, deren Hoffnung auf eine Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft ein Anruf Rudi Völlers beendete. „Es ist nicht so einfach, zum Telefonhörer zu greifen und ihnen mitzuteilen, dass sie nicht dabei sind“, gab der Teamchef die Unannehmlichkeiten seines Amtes zu.

Aber so ist nun einmal der Job. „Das weiß man, wenn man ihn antritt.“ Er habe versucht, „vernünftig zu erklären warum und nicht irgendwelche Phrasen herauszudreschen. Ich war direkt, ehrlich und habe nicht um den heißen Brei herumgeredet.“ Keiner hat Völler denn auch die Freundschaft aufgegekündigt. Selbst Torwart Frank Rost nicht, von dem Völler wusste, „dass er eine kleine Verschwörungstaktik im Hinterkopf“ hatte. „Aber das ist natürlich absoluter Blödsinn.“

Außerdem gibt es noch eine Abrufliste, falls etwas passiert. Neben den Durchgefallenen stehen Stefan Beinlich (Hertha BSC), Thomas Brdaric und Ingo Hertzsch als Standby bereit. Die Wackelkandidaten, bei denen es nicht klingelte: Jörg Butt, Jörg Heinrich, Torsten Frings, Marco Bode und Gerald Asamoah.

Das Aufgebot der 23 nominierten WM-Spieler für Japan und Südkorea wurde zu Beginn der Pressekonferenz in der Frankfurter DFB-Zentrale auf Papier verteilt. Die n von Butt bis Neuville musste der Teamchef also nicht mehr herunterleiern. Eine Überraschung wäre nur der Name Mehmet Scholl nach seinem ordentlichen Spiel am Samstag auf der Liste gewesen. Doch die zwei Wochen alte Absage des Bayern-Wirblers, weil er sich für Fußball auf derart hohem Niveau körperlich nicht fit fühle, bleibt der eine Härtefall, der, andersherum, Völler trifft. Es gab kein neues Gespräch nach dem Comeback. „Es geht ihm körperlich nicht so gut, wie es den Anschein hat.“ Der zweite, härtere Ausfall ist Jens Nowotny (Kreuzbandriss). „Das tut weh“, seufzte der Teamchef. Der Abwehrchef ist unersetzlich. Die Alternative heißt Carsten Ramelow.

Warum der und nicht der? Das musste sich Völler vor allem bei Carsten Jancker und Martin Max fragen lassen. Der eine Stürmer hat kein Tor in der abgelaufenen Bundesliga-Saison geschossen, der andere 18. Völler druckste nicht herum: „Ich bin von Janckers Leistungen, Fähigkeiten, Qualitäten überzeugt. Er ist trotz seiner körperlichen Kraft und Wucht ein spielender Stürmer." Dabei sind erwartungsgemäß die Rekonvaleszenten Chrisitan Ziege, Marko Rehmer und Sebastian Deisler (beide Hertha BSC), dessen Kurzeinsatz in Leverkusen Völler besonders beobachtete. „Sebastian hat noch nicht die Spritzigkeit, Lebendigkeit." Während für die meisten Spieler das Trainingslager mehr der Regeneration diene, müsse Deisler viel tun, um den Trainingsrückstand aufzuholen. „Ich will nicht sagen, dass Sebastian leiden muss. Aber er muss wieder an die körperliche Schmerzgrenze gehen."

Der Völler-Kreis trifft sich am Dienstag zum Trainingslager im badischen Winden und zu den Vorbereitungsspielen gegen Kuweit (9. 5.) in Freiburg, gegen Wales (14. 5.) in Cardiff und gegen Österreich (18. 5.) in Leverkusen. Abflug nach Miyazaki, Japan, ist am 22. Mai.

Die großen Lücken im Vorbereitungskader durch die weitgehend fehlenden Spieler von Borussia Dortmund, Schalke 04 und Bayer Leverkusen werden von der U21 aufgefüllt. Nachdem die Spieler der drei Final-Klubs „alles durcheinander gebracht haben“, so Völler ironisch, „sollen sie nun auch die Pokale gewinnen.“ Dass Niederlagen sich negativ aufs Gemüt schlagen könnten, glaubt der Teamchef nicht: „Spieler stecken so etwas schnell weg. " Das WM-Ziel ist klar umrissen. „Wir müssen das Achtelfinale erreichen. Das sind wir uns selbst schuldig, und ich bin auch optimistisch, dass wir das schaffen“, sagte Rudi Völler und baut dabei auf den Gruppengeist, wie er ihn bei der Relegation gegen die Ukraine erlebte.

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