Sport : Für die Tradition

Beim DFB-Bundestag wird ein erster Kompromiss für die Reform der Regionalliga vorgestellt

Stefan Hermanns

Berlin - Die Fahrt zum Spiel nach Wolfsburg verspricht ein außerordentliches Ereignis zu werden. Eigentlich zählt die Reise zu den Amateuren des VfL nicht zu den Höhepunkten für die Anhänger des VfL Osnabrück, aber in einer Woche werden 400 Fans mit einem Partydampfer über den Mittellandkanal zum Spiel nach Wolfsburg schippern. „Man muss schon ein bisschen erfindungsreich sein“, sagt Daniel Dincher vom Fanklub Violet Crew Osnabrück. Vor allem, wenn es in der Fußball-Regionalliga gegen die zweiten Mannschaften von Profivereinen geht. Dincher hält solche Spiele für „ein deprimierendes Ereignis“. Beim Hinspiel, in Osnabrück, „war kein einziger Fan von denen mit“.

Allein in der Regionalliga Nord spielen sieben zweite Mannschaften von Bundesligaklubs. Traditionsvereine wie Düsseldorf, St. Pauli, Braunschweig oder Osnabrück beklagen, dass die Amateurteams im einen Spiel sechs Profis einsetzen, im nächsten aber nur einen. Auch die Attraktivität der Liga leidet: 185 Zuschauer waren am Wochenende beim Spiel Wolfsburg gegen Kiel. Im Oktober hat Dincher eine Demo zum Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Osnabrück gegen die Amateurvereine organisiert und eine entsprechende Petition überreicht. Passiert ist seither wenig.

Das Thema Regionalliga stand bereits damals auf der Tagesordnung. Die Amateurvertreter wollten die zweiten Mannschaften der Profiklubs von der Teilnahme am DFB-Pokal ausschließen, außerdem ihre Zahl in den Regionalligen beschränken. Zur Abstimmung kam es jedoch nicht, weil die Profivereine gedroht hatten, die Anträge mit ihrer Sperrminorität zu blockieren. Stattdessen wurde eine Kommission mit je fünf Vertretern der Profis und der Amateure eingerichtet, die inzwischen einen ersten Kompromiss vorgelegt hat. Ab der neuen Saison dürfen in den Regionalligateams nur noch drei Spieler spielen, die älter als 23 sind – egal ob Lizenz-, Vertragsspieler oder Amateure. Bisher lag die Altersbeschränkung bei 24 Jahren und galt nur für Profis. „Wir wollen die Liga zwingen, dass sie eine vernünftige Nachwuchsarbeit betreibt“, sagt Heinz-Leopold Schneider, Beauftragter der Regionalliga Nord im Regionalliga- Ausschuss des DFB.

Der DFB-Vorstand hat die Änderung bereits beschlossen, beim Bundestag am Donnerstag in Mainz, bei dem es vor allem um den Wettskandal geht, wird den Delegierten das Ergebnis nur noch vorgestellt. „Diese Änderung wird dazu beitragen, den Wettbewerbsfrieden in der Regionalliga wieder herzustellen“, sagt DFB-Präsident Theo Zwanziger. Auch Schneider, der als Vertreter der Amateure der Kommission angehört, glaubt, „ein sehr gutes Ergebnis“ für die Traditionsvereine ausgehandelt zu haben.

Die Atmosphäre in der Kommission hat Schneider als „ausgesprochen angenehm“ empfunden. „Wir haben alles rausgeholt, was rauszuholen war“, sagt er. Mindestens viermal wird die Kommission noch tagen, um auch bei der Verteilung der Fernsehgelder und der Teilnahme der Amateurklubs am Pokal einen Kompromiss zu finden. Daniel Dincher vom Fanklub Violet Crew Osnabrück glaubt nicht an eine Lösung, die die Anhänger der Traditionsvereine zufrieden stellen wird. „Mir fehlt jegliches Vertrauen in die Entscheidungen dieser Leute“, sagt er. Und dass sein Klub, der VfL Osnabrück, in die Zweite Liga aufsteigt, ist auch keine dauerhafte Lösung: „Wer den VfL kennt, weiß, dass er nach einem Jahr wieder zurück in der Regionalliga ist.“

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