Sport : Für ihn ist immer Platz

Jochen Hecht ist der einzige deutsche NHL-Star bei der Eishockey-WM

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Jochen Hecht steht in einer Baracke vor der Wiener Stadthalle und wartet. Ob EishockeyMillionär oder Parkplatzwächter, bei der Weltmeisterschaft in Österreich muss sich jeder akkreditieren. Hecht trägt Sandalen, Shorts und T-Shirts. „Es ist ja das beste Wetter, um Eishockey zu spielen, das Eis soll ja auch schön warm sein“, sagt Hecht. Er lacht, die Probleme mit der WM-Kühlanlage in Wien haben sie in der Mannschaft ausgiebig diskutiert. Die Löcher im Eis haben den Deutschen einen trainingsfreien Tag beschert, und der kommt Jochen Hecht gelegen. Er braucht Ruhe, sein rechtes Handgelenk ist wegen einer Bänderdehnung immer noch nicht voll belastbar. Erst am Donnerstag wagte er sich zu einem ersten Belastungstest aufs Eis. Die Hand machte wenig Probleme, und so ist Hecht heute dabei, im ersten WM-Spiel der Deutschen gegen Kasachstan (20.15 Uhr, live im DSF).

Nach den Absagen von Stürmer Marco Sturm und Torwart Olaf Kölzig ist Hecht bei dieser Weltmeisterschaft der einzige im deutschen Team, der im vergangenen Jahr eine tragende Rolle in der nordamerikanischen Profiliga NHL gespielt hat. 2,1 Millionen Dollar verdient der Stürmer bei den Buffalo Sabres, allerdings nicht in dieser Saison. Klubs und Spieler in der besten Liga der Welt befinden sich seit einem Jahr im Arbeitskampf, die Arenen in Nordamerika bleiben weiterhin leer.

Arbeitslos ist Hecht allerdings nicht. Für den gebürtigen Mannheimer ist bei seinem Heimatklub immer ein Platz frei. Sechs Jahre hat er in Nordamerika gespielt, und entsprechend groß waren die Erwartungen der Mannheimer Adler an den kräftigen Stürmer. Hecht hat sie übertroffen: als Mannschaftskapitän und Führungsspieler auf dem Eis, als Topscorer in der Hauptrunde und in den Play-offs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), in denen Hecht der herausragende Spieler war. Für Bundestrainer Greg Poss war er sogar „der beste Spieler der ganzen DEL-Saison“. In der Finalserie gegen die Berliner Eisbären war Hecht allerdings gehandikapt, erst durch die Handverletzung, dann auch noch durch eine leichte Grippe. Nach drei deutlichen Niederlagen war die Serie für die Adler vorbei. „Der Sieg im Halbfinale gegen Frankfurt war schon eine Meisterschaft für sich“, sagt Hecht. „Aber weil das Finale so schnell vorbei war, hatte ich immerhin elf freie Tage. Die haben mir gut getan.“

Hecht hat in dieser Zeit die Grippe auskuriert und sich für die lädierte Hand eine Schiene anfertigen lassen. „Ich fühle mich gut und bin froh, dass der Bundestrainer mich nominiert hat“, sagt er. Das klingt nach einem Allgemeinplatz und ist doch mehr, wie die Vergangenheit zeigt.

Bei Hans Zach, dem Vorgänger von Greg Poss als Bundestrainer, spielte der schnelle, offensive Stürmer nur eine Nebenrolle. Zach als Freund kantiger Eishockeyarbeiter konnte sich nicht so recht anfreunden mit Hecht, der eher das kultivierte Spiel pflegt. „Unter Poss hat sich die Rolle der ganzen Mannschaft verändert“, sagt Hecht. „Jeder Einzelne kann nun sein Spiel entfalten.“

Das hilft allerdings wenig, wenn in Wien die Erfolge ausbleiben. „Das große Ziel ist das Viertelfinale, und das wird schwer“, sagt Hecht. „Weil so viele Spieler bei uns fehlen.“ Er steht nun schon zwanzig Minuten in der Baracke. Neben ihm fuchtelt ein Mitarbeiter des Büros mit einem Lichtbildausweis herum und ruft: „Wo ist denn der Herr Sturm?“ Der Herr Sturm ist im Urlaub, nach einer für ihn wenig befriedigenden Saison beim ERC Ingolstadt. Jochen Hecht ist dabei, und jetzt bekommt er endlich seine Akkreditierung. Als letzter deutscher Spieler geht er zurück zum Mannschaftsbus.

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