Sport : Für Ruhm und kein Geld

Die israelische Handball-Nationalmannschaft trainiert und spielt in Berlin

Hartmut Moheit

Berlin - Auf diesen Tag hatte sich Idan Maymon besonders gefreut. Kaum war er im Berliner Hotel Excelsior angekommen, griff er auch schon zum Telefonhörer. „Ich habe meinen alten Freund Oliver Roggisch angerufen“, erzählt der 31-jährige Kapitän der israelischen Handball- Nationalmannschaft, „am Sonntag hat er mich dann besucht.“ Die Freundschaft zwischen Maymon und dem deutschen Nationalspieler vom SC Magdeburg rührt noch von der gemeinsamen Zeit in Göppingen her. „Idan, der dort im selben Haus wie ich wohnte, ist ein Supertyp, mit dem ich mich von Anfang an sehr gut verstanden habe“, sagt Roggisch. „Zuletzt haben wir uns Anfang Juni gesehen, als er sich bei unserem Besuch mit der Nationalmannschaft in seinem Land sehr um uns gekümmert hat.“ Nun hoffen beide Spieler, dass es spätestens zur WM 2007 in Deutschland ein Wiedersehen geben wird.

Die Weltmeisterschaft ist auch der eigentliche Grund für die Reise des Teams aus Israel nach Berlin, die der Besitzer des Excelsior bezahlt hat. „Wir werden in der Qualifikation gegen Österreich, Finnland und Bulgarien antreten, das wird sehr schwer“, sagt Nationaltrainer Shlomo Hofmann und fügt hinzu: „Nicht die Ergebnisse in den drei Freundschaftsspielen sind für uns wichtig, sondern das harte Training.“ Gegen die SG Tempelhof-Mariendorf/BW Berlin (heute 20 Uhr in der Kolonnenstraße), gegen Zweitligist Füchse Berlin (Mittwoch, 20 Uhr im Korber-Zentrum) und den TSV Rudow (Donnerstag, 19 Uhr in der Neuhofer Straße) kommt es ihm vor allem auf ein lockeres, freudbetontes Spielen an.

Viele Möglichkeiten zu einem solchen Trainingsaufenthalt haben die israelischen Handballer ansonsten nicht. „Unser gesamter Jahresetat als Verband beträgt 600000 Euro“, sagt Hofmann. Das ist etwa ein Zehntel von dem, was dem Deutschen Handball-Bund pro Jahr zur Verfügung steht. Wer in der israelischen Nationalmannschaft spielt, tut das für Ehre und Ruhm, Geld erhält keiner. Dementsprechend konzentriert läuft dann auch das Training im Horst-Korber-Zentrum ab.

„Al-Al Israel – alles für Israel“, rufen sich die Spieler kurz am Mittelkreis zu, dann geht es los. Das Sagen haben allein der Trainer und seine zwei Assistenten. „Wir sind körperlich den Topteams unterlegen, das müssen wir durch Intelligenz, Disziplin, und Schnelligkeit ausgleichen“, erläutert Hofmann, der „Israel im internationalen Handball zwischen der Weltspitze und dem Mittelmaß“ einordnet. Mit dem Blick auf die WM 2007 ist er dabei, Talente zu integrieren. „In Berlin fehlen vier gute Spieler, dafür sind fünf im Aufgebot, die bei der Junioren-WM 2005 in Ungarn für Israel spielten“, sagt er. Vor allem von Hen Pumeranz, der in Ungarn mit 84 Toren in acht Spielen der beste WM-Torschütze war, verspricht sich der 54-Jährige sehr viel.

Idan Maymon, der bei Hapoel Rishan Lexion nahe Tel Aviv spielt, ist mit 160 Länderspielen die Leitfigur im Team. Von der rechten Rückraumposition aus wirkt der 31 Jahre alte Vater zweier Kinder als Regisseur und Torewerfer zugleich. Seit zwölf Jahren ist er Kapitän, hat damit ein Amt inne, das es nach den Regeländerungen des Internationalen Handball-Verbandes nicht mehr gibt. „Wir bleiben dennoch dabei“, sagt Shlomo Hofmann. Maymon sei ein Vorbild für viele. Beim 25:27 im Juni gegen Deutschland warf er elf Tore, Oliver Roggisch keins.

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