Fußball bei Olympia : Hallo und tschüss

Werders Spielmacher Diego checkt in Bremen ein und wieder aus – nun fliegt er wie Rafinha zu Olympia.

Sebastian Stiekel[Bremen],Jörg Strohschein[Stegersbach]
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Letzter Aufruf. Diego machte gestern in Bremen den Abflug. -Foto: dpa

Für das Mannschaftsfoto posierte Diego noch bereitwillig. Er lachte in die Kameras. Dann wurde es ernst.

Als die Mannschaft Werder Bremens am Dienstagvormittag mit dem Training begann, zogen sich der brasilianische Spielmacher und Sportdirektor Klaus Allofs zu einem Gespräch zurück. Nach mehr als eineinhalb Stunden verließ Diego die Bremer Geschäftsstelle wieder, aus der langen Diskussion hatte er einen knappen Satz mitgebracht: „Ich fliege nach Paris.“ Von dort aus wollte Diego mit der brasilianischen Olympia-Auswahl am Dienstagabend ins Trainingslager nach Singapur weiterreisen. „Einerseits freue ich mich darauf. Andererseits bin ich traurig, weil ich Werder fehlen werde“, sagte Diego. „Es ist mein Traum und mein Ziel, in Peking zu spielen. Aber ob ich das kann und darf, entscheidet die Fifa.“

Die Bremer werden nun den Internationalen Sportgerichtshof Cas anrufen und auf eine schnelle Klärung der Sache drängen, erklärte Allofs mit der ihm eigenen Sachlichkeit. „Das Problem ist nicht gelöst worden, wir bleiben bei unseren unterschiedlichen Auffassungen.“ Diego und Werder hätten sich aber gegenseitig versichert, sich einem Schiedsspruch des Cas zu unterwerfen.

„Unserer Meinung nach gibt es keine Pflicht, Spieler für Olympia abzustellen“, sagte Allofs. „Diese Sicht wird auch von DFL und DFB gestützt.“ Diego sieht sich dagegen in der Pflicht, einer Einladung des brasilianischen Verbands Folge zu leisten. Der Spielmacher befürchtet im Falle eines Nichterscheinens am Treffpunkt der Olympia-Auswahl in Paris große Schwierigkeiten für seine weitere Nationalmannschaftskarriere. „Die Gespräche mit Diego liefen in vernünftiger Atmosphäre“, sagte Allofs. Das immerhin ist ein Unterschied zum Fall Rafinha. Der war einfach eigenmächtig nicht mit ins Trainingslager der Schalker ins österreichische Stegersbach gereist.

Alle Warnungen der Schalker an ihren Brasilianer waren vergeblich. Gestern Nachmittag startete der 22-Jährige vom Düsseldorfer Flughafen aus nach Paris zu seinen brasilianischen Kollegen. „Er hat einen Vertragsbruch begangen. Dafür ist eine Strafe fällig“, zürnte Andreas Müller. Bis zu 25 000 Euro täglich soll diese betragen. Sowohl der FC Schalke 04 als auch Werder Bremen streben nun eine rechtliche Klärung vor dem internationalen Sportgerichtshof Cas an. Mögliche Regressansprüche würden auf diesem Wege zudem überprüft. „Das ist für alle Seiten die beste Lösung, um Klarheit zu schaffen. So ein Eiertanz darf nicht wieder vorkommen“, sagte Allofs.

Der DFB unterstützt die Schalker in ihrem Protest und leitete gestern ein entsprechendes Schreiben an die Fifa weiter. Der Fußball-Weltverband hatte sich bisher gescheut, eine klare Aussage über eine mögliche Freigabeverpflichtung der Vereine zu treffen.

Schalkes Manager will allerdings nicht hinnehmen, dass die Spieler mit ihrem Verhalten Erfolg haben. „Sportler, die sich so Verhalten, stimmen nicht mit der Olympischen Charta überein und dürfen bei Spielen nicht teilnehmen“, sagt Andreas Müller. Darauf werde man mit einer Klage hinwirken. Das Verhältnis zwischen Schalke und Rafinha ist deutlich abgekühlt – eine Trennung wirkt nicht mehr ausgeschlossen.

Noch am Montagabend hatten die Schalker versucht, dem Brasilianer ein Schreiben zukommen zu lassen, in dem er auf die möglichen Konsequenzen seines Handelns hingewiesen wurde. „Wir konnten es Rafinha leider nicht persönlich zustellen. Wir wissen zwar, dass er zuhause war, aber er hat die Tür nicht aufgemacht“, berichtete Müller.

Trotzdem waren die Schalker Verantwortlichen zunächst davon überzeugt, dass ihr Vorhaben, Rafinha umstimmen zu können, von Erfolg gekrönt sein könnte. Zum einen hatten Spielerberater Roger Wittmann versucht, seinem Mandanten inständig in Gewissen zu reden. Zum anderen hatten derlei Drohungen von Klubs in Spanien bereits Erfolg. Der FC Barcelona hatte im Fall Lionel Messi und Real Madrid im Fall Robinho mit eindringlichen Schreiben reagiert. Das hatte die Verbände Argentiniens und Brasiliens ziemlich aufgeregt.

Rafinha und Diego waren davon allerdings weniger beeindruckt.

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