Fußball-Bundesliga : Jens Todt soll als Sportchef zum HSV zurückkehren

Der Hamburger SV hat offenbar einen neuen Sportdirektor. Jens Todt hat allerdings nicht die besten Erinnerungen an den HSV.

Jens Todt, hier noch als Sportdirektor des Karlsruher SC, steht vor einem Engagement beim Hamburger SV.
Jens Todt, hier noch als Sportdirektor des Karlsruher SC, steht vor einem Engagement beim Hamburger SV.Foto: Uli Deck/dpa

Für den designierten Sportdirektor Jens Todt schließt sich beim Hamburger SV ein Kreis. Vor siebeneinhalb Jahren ging der frühere Nationalspieler als Leiter der HSV-Nachwuchsabteilung im Ärger, nun steht der 46-Jährige in weit höherer Funktion vor der Rückkehr in die Hansestadt. Der Europameister von 1996 soll auf den Direktor Profifußball Peter Knäbel folgen, von dem sich der HSV am 9. Mai 2016 getrennt und dessen Aufgabe bis zum Jahresende der mittlerweile ebenfalls ausgeschiedene Ex-Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer mit übernommen hatte.

„Wir haben eine Einigung erzielt“, zitierte die „Bild“-Zeitung am Montag Beiersdorfer-Nachfolger Heribert Bruchhagen. Allein die Unterschrift des derzeit noch in Südostasien urlaubenden Wunschkandidaten Todt und die Zustimmung des Aufsichtsrats fehlen - beides gilt aber als Formsache. Dem Vernehmen nach erhält Zweitligist Karlsruher SC als Todts letzter Arbeitgeber 100.000 Euro als Garantiesumme aus einem Freundschaftsspiel im Sommer in Karlsruhe.

Todt wollte zunächst keine Funktionärskarriere einschlagen

Doch was spricht ausgerechnet für Todt, der 2009 nach nur einjähriger Tätigkeit als Nachwuchschef wegen Differenzen mit dem damaligen HSV-Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann hingeworfen hatte? Schon bei Beiersdorfers langer und erfolgloser Suche nach dem geeigneten Knäbel-Nachfolger war Todt ein heißer Kandidat. „Jens ist jemand, der sehr analytisch und strukturiert vorgeht. Er kann sehr gute Ideen entwickeln und seine Vorhaben auch durchsetzen“, sagte Todt-Freund Beiersdorfer kürzlich im „Matz ab“-Blog dem „Hamburger Abendblatt“.

Was sich unter dem zu zögerlichen Beiersdorfer über Monate hinzog, bewerkstelligt Bruchhagen nun in Tagen. Todt erfüllt offenbar auch dessen Vorgabe, kompatibel mit HSV-Cheftrainer Markus Gisdol zu sein. Dabei wollte der Ex-Profi nach seiner aktiven Karriere mit 209 Erst- und 70 Zweitliga-Partien für den SC Freiburg, Werder Bremen und VfB Stuttgart zunächst nicht die Funktionärskarriere einschlagen. Todt volontierte beim Magazin „Der Spiegel“ und bei „Spiegel online“, ehe es ihn nach vier Jahren zum Fußball zurückzog. Kurioserweise machte ihn der damalige Sportchef Beiersdorfer zum HSV-Nachwuchsleiter.

Wichtiger ist die Einkaufspolitik

Es folgten Engagements in Wolfsburg, Bochum und Karlsruhe. Vor allem dort ging es zunächst steil aufwärts. 2015 erreichte der KSC die Relegation, wo er unglücklich den Kürzeren zog - gegen den HSV. Todt wollte damals trotz des knapp verpassten Aufstiegs mit KSC-Coach Markus Kauczinski verlängern, hatte den Vertrag bereits ausgehandelt, ehe Clubchef Ingo Wellenreuther sein Veto einlegte. Es war der Anfang vom Ende der dann am 24. November 2016 beendeten Zusammenarbeit.

Einen Namen hat sich Todt als guter Verkäufer gemacht. Diese Aufgabe wartet auf den dreifachen Familienvater nun auch in Hamburg: Denn bei entsprechenden Angeboten können die Edelreservisten Alen Halilovic, Pierre-Michel Lasogga und Nabil Bahoui gehen. Wichtiger ist beim erneut auf dem Relegationsplatz stehenden HSV zunächst aber die Einkaufspolitik: Nach dem noch von Beiersdorfer geholten Mergim Mavraj sollen mindestens ein weiterer Innenverteidiger und ein defensiver Mittelfeldakteur kommen, um den erstmaligen Abstieg des Liga-Dinos erneut zu vermeiden. Hier kann Todt allen Zweiflern beweisen, dass er genau der richtige Mann für den HSV ist. (dpa)

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