Sport : Fußball-EM 2008: Ein Mutmacher will Berge versetzen

Für die Fußballeuropameisterschaft 2008 wollen die beiden Alpenländer Österreich und Schweiz sowie Franz Beckenbauer Berge versetzen. Das Motto: "Football s best, close to you - Die besten Fußballer Europas vor der Haustür" findet breite Zustimmung bei Franz Beckenbauer. Der Mann, der im vergangenen Jahr die Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland holte, macht den beiden Alpenländern Mut und hält eine erfolgreiche Bewerbung um die Ausrichtung der Euro 2008 für möglich. "Das ist eine Ideal-Paarung - dieser Kandidatur räume ich reelle Chancen ein" sagte Franz Beckenbauer, der in Kitzbühel wohnt und sich als "halber Tiroler" verpflichtet sieht, die Bewerbung seiner Wahlheimat zu unterstützen.

Der Präsident des deutschen Rekordmeisters Bayern München, der wesentlichen Anteil daran hat, dass Deutschland die WM 2006 an Land gezogen hat, weiß natürlich, worauf es ankommt. Wichtig seien nicht nur exzellente Bewerbungsunterlagen und eine ausgezeichnete Infrastruktur, sondern "vor allem auch das richtige Lobbying - fast schon bis zu einer gewissen Penetranz." Man sollte bei fast allen wichtigen Veranstaltungen dabei sein, für die Kandidatur werben.

Politiker und Wirtschaft müssten hinter dem Projekt Europameisterschaft 2008 stehen. "Man muss es zu einem nationalen Anliegen stilisieren. Dann wird ganz Europa auf Wien, Innsbruck, Salzburg und Kärnten blicken", erläuterte der Chef des Organisations-Komitees der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland, der sich zugleich selbst bereit erklärte, "Lobbyismus aus dem Hintergrund zu betreiben". Obendrein, so Beckenbauer, könnte es sich als kleines Plus erweisen, dass der Fußballweltverband Fifa und der europäische Dachverband Uefa in der Schweiz beheimatet sind.

"Das möchte ich mir anschauen, dass die Bewerbung jenes Landes durchrasselt, in dem die Uefa ihren Sitz hat", sagte Alfred "Gigi" Ludwig, Generalssekretär des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB), und pflichtete dem prominenten Fürsprecher bei.

ÖFB-Präsident Beppo Mauhart verspricht dagegen eine professionelle Bewerbung. Noch immer nicht hat er jenen 11. Oktober 1999 im Aachener Eurokongresszentrum vergessen, als Uefa-Präsident Lennart Johannson verkündete, dass der Ausrichter der Europameisterschaft 2004 Portugal und nicht die gemeinsame Bewerbung von Österreich und Ungarn sei. Aber man habe aus den Fehlern der nur knappen Niederlage gelernt. "Diesmal wird unsere Bewerbung nicht so leicht zu umgehen sein." Am 15. August ist das gemeinsame Projekt erstmals offiziell vor rund 800 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Sport und Politik inklusive Bewerbungsvideo im Wiener Rathaus präsentiert worden.

Dort hatten beide Regierungen erneut die volle Unterstützung der gemeinsamen Bewerbung bekräftigt. "Die Weichen sind gestellt. Wir haben einen wichtigen Schritt für eine neue österreichische Fußballkultur absolviert", erklärte Österreichs für Sport zuständige Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer. Und der Präsident des Schweizer Verbandes, Ralf Zloczower, kündigt für die Europameisterschaft ein Fest und Fußball für alle an. Die Kandidaten sind zwei Länder, die Fußball und Urlaub verbindend anbieten könnten. Mit absolut hoher Lebensqualität, mit wunderschönen Landschaften und der entsprechenden Infrastruktur.

Und wie Mauhart ergänzt: "Mitten im Herzen Europas und kurzen Wegen." Die maximale Entfernung von Wien nach Genf beträgt 1040 Kilometer. Die geplanten Austragungsorte sind Wien (Finale), Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt beziehungsweise Zürich, Basel, Bern und Genf. Das Bewerbungsbudget beträgt 6,6 Millionen Mark, für den Großteil kommt Hauptsponsor Credit Suisse auf, der dafür die Gesamt-Vermarktungsrechte zugesprochen bekam.

Die Unterlagen der Kandidaten müssen bis Juni des kommenden Jahres beim Uefa-Exekutiv-Komitee eingetroffen sein. Die Entscheidung über den Zuschlag fällt im März 2003. Bis dahin gilt es kräftig die Werbetrommel zu rühren - mit Kaisers Unterstützung. Denn die Konkurrenz - vor allem die skandinavische Bewerbung mit Norwegen, Finnland und Schweden - wird schon jetzt hoch gehandelt. Zudem wollen auch Schottland (mit oder ohne Wales), Ungarn sowie vermutlich auch noch Russland kandidieren.

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