Fußball, Fußball, Fußball : Acht Stunden Amateure, live in der ARD

Erstmals zeigt die ARD alle Pokalendspiele der Amateure, auch Lichtenberg 47 gegen BFC Preussen. Für den Berliner Fußball-Verband geht es dabei darum, in Zukunft mehr Menschen ins Stadion zu locken.

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Hand-einig. Die Kapitäne von BFC Preussen, Rommel Abou-Chaker (l.), und Lichtenberg 47, Sebastian Reiniger, mit Pokal.
Hand-einig. Die Kapitäne von BFC Preussen, Rommel Abou-Chaker (l.), und Lichtenberg 47, Sebastian Reiniger, mit Pokal.Foto: imago/Matthias Koch

Vom Aussehen her erinnert er an den Uefa-Pokal, lang und nach oben hin breiter werdend. Trichterförmig glänzt er in Gold und Silber, der neue Pokal des Berliner Fußball-Verbandes (BFV). An diesem Sonnabend wird ihn der Sieger des Berliner Pokal-Endspiels zum ersten Mal in den Händen halten. Es treten an Lichtenberg 47 und der BFC Preussen, ab 17 Uhr im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark.

Eine neue Trophäe sollte es schon sein, schließlich ist das diesjährige Finale ein Besonderes. Nicht nur wegen der ungewöhnlichen Ansetzung, Lichtenberg gegen Preussen gab’s noch nie in der fast hundertjährigen Endspielhistorie. Das Spiel wird auch live im Fernsehen übertragen, jedenfalls Teile davon, im Rahmen einer großen Konferenz. Unter dem Motto „Der Finaltag der Amateure“ zeigt die ARD die Pokalendspiele von 17 der 21 Landesverbände. Erstmals finden diese an einem Tag statt. Drei verschiedene Anstoßzeiten wird es geben, 12.30 Uhr, 14.30 Uhr und 17 Uhr. Berlin wurde letztere zugeteilt, gemeinsam mit den Verbänden Thüringen (Carl Zeiss Jena gegen Rot-Weiß Erfurt), Südwest (Schott Mainz gegen Hauenstein), Schleswig-Holstein (VfB Lübeck gegen Weiche Flensburg), Niederrhein (Rot-Weiß Essen gegen Wuppertaler SV) und Mittelrhein (Fortuna gegen Viktoria Köln). Insgesamt überträgt die ARD acht Stunden live, von 12 Uhr bis 20 Uhr. Eine derart große Bühne hatte der Amateurfußball noch nie. „Das wird einen positiven Effekt für den Amateurfußball allgemein haben“, sagt Michael Lameli, der Geschäftsführer des BFV. „Perspektivisch ist das eine Möglichkeit, ihn einer breiten Basis näher zu bringen.“

Für den BFV geht es darum, in Zukunft mehr Menschen ins Stadion zu locken

Nur stellt sich die Frage: Muss das überhaupt sein? Fußball ist die mit großem Abstand liebste Sportart der Deutschen und der Deutsche Fußball-Bund mit fast sieben Millionen Mitgliedern der größte nationale Sportverband der Welt. Die Mitgliederzahlen steigen kontinuierlich. Der BFV hat derzeit 146 443 Mitglieder, vor sechs Jahren waren es noch 109 166. Gerade im Jugendbereich gibt es Jahr für Jahr so viele Neuanmeldungen, dass der enorme Bedarf an Trainern kaum noch gedeckt werden kann. Einige Vereine können keine neuen Mannschaften mehr anmelden beziehungsweise Kinder aufnehmen, weil ihnen schlicht die Übungsleiter fehlen.

Sportarten wie Basketball, Volleyball oder Leichtathletik, die ohnehin keinen leichten Stand in Sachen Fernsehübertragungen haben, droht nun weitere Konkurrenz durch den Amateurfußball, auch wenn ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky das dementiert. Er sagt: „Der Anteil des Fußballs am Sport-Angebot im Ersten wird auch in diesem Jahr bei rund 25 Prozent liegen. Dieser Samstag ist ja eine einmalige Sache im Jahr, die in keiner Konkurrenz zu anderen Sportarten steht.“

Der BFV möchte die Gelegenheit nutzen und sich nicht nur einem breiten Fernsehpublikum präsentieren. Auf dem Gelände des Jahn-Sportparks werden ab 10 Uhr verschiedene Turniere und Spiele ausgetragen, darunter auch das Pokalfinale der zweiten Männer (14.15 Uhr), ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft der Blinden (14 Uhr) und ein Inklusionsturnier (ab 13 Uhr), ehe das Endspiel der Männer dann den Höhepunkt und Abschluss bildet. „Für uns ist der Landespokal der herausragende Wettbewerb, den wir innerhalb eines attraktiven Rahmens präsentieren und in den kommenden Jahren zu einer Marke ausbauen wollen“, sagt Lameli.

Zuschauermagneten wie Dynamo und TeBe waren früh raus

Für den BFV geht es darum, in Zukunft mehr Menschen ins Stadion zu locken. Man habe die Version, perspektivisch eine Zuschauerzahl im fünfstelligen Bereich verkünden zu können, so Lameli. In diesem Jahr wird das nichts, dafür ist die Ansetzung zwischen Lichtenberg und Preussen zu unspektakulär. Beide Vereine verfügen in Berlin nur über geringen Zuspruch, der Verband rechnet mit bis zu 4000 Besuchern. In einem Stadion, das bis zu 20 000 Zuschauern Platz bietet. Kurzzeitig gab es sogar die Überlegung, das Spiel im kleineren Amateurstadion auf dem Olympiagelände stattfinden zu lassen. Laut Lameli wurde der Gedanke aber schnell verworfen.

Die Zuschauermagneten BFC Dynamo und Tennis Borussia waren früh ausgeschieden, genau wie die sportlich attraktiven Klubs Berliner AK und FC Viktoria 1889. Übrig blieben Lichtenberg 47 und der BFC Preussen, ein Oberligist und Verbandsligist, fünfte gegen sechste Liga. Reine Amateure. Das passt zum Motto der ARD, ist im Kampf um Sendezeit aber ein Nachteil. In Thüringen tritt beim Spiel Jena gegen Erfurt ein Viert- gegen einen Drittligisten an, beides Traditionsklubs, die unter professionellen Bedingungen arbeiten. Gleiches gilt für das Kölner Stadtderby. Lichtenberg 47 und dem BFC Preussen bleibt da nur, ein attraktives Spiel zu zeigen, mit vielen Toren. Damit der Sender gezwungen ist, möglichst oft nach Berlin zu schalten.

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