Fußball : Hankes WM-Chancen rapide gesunken

Die Fifa hat Nationalstürmer Mike Hanke nach seinem Platzverweis im Confed-Cup für zwei Pflichtspiele gesperrt. Nach einer Intervention des DFB soll es aber nun doch noch eine Nachverhandlung geben.

Bonn/Frankfurt (21.07.2005, 16:20 Uhr) - Die WM-Chancen von Nationalstürmer Mike Hanke sind rapide gesunken. Der Fußball-Weltverband (Fifa) hat den Angreifer des VfL Wolfsburg nach seinem Platzverweis im Spiel um Platz drei der Nationalmannschaft beim Confederations Cup gegen Mexiko (4:3 n.V.) für zwei Pflichtspiele gesperrt. Da Deutschland als Gastgeber automatisch für die WM-Endrunde qualifiziert ist und bis zum Eröffnungsspiel am 9. Juni 2006 nur Freundschaftsspiele bestreitet, müsste Hanke bei einer Nominierung durch Bundestrainer Jürgen Klinsmann in den ersten zwei Vorrundenspielen aussetzen.

Hanke reagierte «ziemlich geplättet» auf das Urteil, welches die dreiköpfige Disziplinarkommission der Fifa um den Vorsitzenden Marcel Mathier aus der Schweiz bereits am vergangenen Freitag gefällt hatte. Er hatte «maximal mit einem Spiel» gerechnet, wie er dem Fachmagazin «kicker» sagte. Seine WM-Teilnahme wollte der für vier Millionen Euro vom FC Schalke 04 nach Wolfsburg gewechselte Stürmer allerdings nicht abschreiben: «Klar, dass es jetzt schwierig wird», räumte er nur ein. Mit einer Top-Saison in Wolfsburg will er beim Bundestrainer für seine Nominierung in den 23-köpfigen WM-Kader werben: «Wenn ich überraschenderweise 25 Tore schieße, fahre ich trotzdem zur WM. Dann wird Jürgen Klinsmann ganz sicher nicht auf mich verzichten.»

Klinsmann hatte nach der Partie in Leipzig, in der Hanke in der 53. Minute nach einem ungestümen Foul am mexikanischen Gegenspieler Salcido von Schiedsrichter Matthew Breeze (Australien) die Rote Karte gesehen hatte, spontan einen «heftigen Protest» des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gegen eine Bestrafung seines Spielers angekündigt. Sogar die damals schon feststehende Mindestsperre von einer Partie bezeichnete der Bundestrainer als «ein Unding».

Die Sperre erschien zunächst endgültig, da es gegen sie keine Einspruchsmöglichkeit seitens des DFB gibt. Selbst ein Gnadengesuch für eine Reduzierung der Sperre ist im Reglement des Weltverbandes nicht vorgesehen, weil es sich um eine Sperre von «weniger als drei Partien» handelt, wie ein Fifa-Sprecher erläuterte. Doch nach einer Intervention des DFB beim Weltverband setzte dieser am Donnerstag eine Nachverhandlung des Falles Hanke am 27. Juli in Zürich an. Als Begründung gab der DFB ein Versäumnis der Fifa an. Eine «rechtzeitig» an den Weltverband gesendete und dort auch eingegangene Stellungnahme sei nicht an die Disziplinarkommission weitergeleitet worden. Hanke kann nun neue Hoffnung schöpfen, dass seine Sperre zumindest auf ein Spiel verkürzt wird.

Hanke kann die Strafe nicht in der laufenden EM-Qualifikation der U 21-Auswahl abbüßen, für die er altersmäßig spielberechtigt ist. «Die Sperre muss in Pflichtspielen der A-Nationalmannschaft verbüßt werden. So steht es im Reglement», sagte der Fifa-Sprecher.

«Es ist verrückt, dass ein Spieler für ein normales Vergehen - es war keine Tätlichkeit - ein Jahr später büßen muss. Das halte ich für überzogen», kritisierte Klinsmanns Assistent Joachim Löw im «kicker». Solche Härtefälle könnte es aber auch bei ausländischen Spielern geben. Wenn etwa der Brasilianer Ronaldinho oder Englands Kapitän David Beckham im letzten WM-Qualifikationsspiel ihrer Länder im kommenden Oktober vom Platz fliegen, müssten auch sie über ein halbes Jahr später zu WM-Beginn gesperrt zuschauen.

Über Hankes WM-Chancen äußerte sich Löw spontan nur vage. «Wir müssen in Ruhe überlegen, welchen Weg wir gehen.» Klinsmann hatte den Stürmer überraschend für den Confed-Cup nominiert, bei dem der fünfmalige Nationalspieler beim 3:0-Vorrundensieg gegen Tunesien sein erstes Länderspiel-Tor erzielte und gegen Mexiko erstmals in der Anfangsformation stand. (Von Klaus Bergmann, dpa)

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