Fußball in England : Jeden Tag Weihnachten

Während sich die Bundesliga ausruht, rollte in England der Ball auch über die Festtage. Die Ergebnisse gelten als wegweisend für den Rest der Saison. Für Manchester United sind das gute Aussichten.

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Fast geschenkt. Javier Hernandez (l.) und Martin Carrick sind mit Manchester United auf einem guten Weg, den Titel in England zurückzuholen. Foto: dpa
Fast geschenkt. Javier Hernandez (l.) und Martin Carrick sind mit Manchester United auf einem guten Weg, den Titel in England...Foto: dpa

Fußball an Weihnachten. Die Londoner U-Bahn-Fahrer streiken, natürlich, der Spielplan beglückt mit vermeintlich wenig aufregenden Paarungen, das Land aber schreit: Endlich! Der einzige Tag im Jahr, an dem auf der Insel die Geschäfte geschlossen und die Uhren stehen bleiben, an dem die distanzierten Briten unglücklich im Kreis der Familie festhängen – er ist vorüber, der 25. Dezember überstanden. Die Spiele am „Boxing Day“ bieten für viele Briten einen prima Vorwand, um an die frische Luft zu kommen.

In der Zeit zwischen den Jahren werden Unmengen Punkte ausgespielt, viele Klubs müssen in acht Tagen vier Spiele bestreiten. Und das ist nur ein Bruchteil von dem, was die Tradition auf der Insel einst vorsah. 1907 mussten Notts County und Birmingham beispielsweise vom 24. bis 27. Dezember an vier Tagen in Folge kicken, davon zwei Mal gegeneinander. Das fanden aber selbst die eisernen Briten eine Spur ermüdend: mit jedem Spiel wurden die Tore und Zuschauer weniger.

Allerdings gilt bis heute die post-weihnachtliche Ballschieberei als wegweisend für den weiteren Saisonverlauf in der Premier League. Sollte dem so sein, dann werden in einer englischen Stadt in den kommenden Monaten zwei völlig verschiedene Gemütszustände vorherrschen. In Manchester sieht derzeit vieles danach aus, als könnte der Rekordmeister seinen 20. Titel holen (United) und damit den ungeliebten Stadtrivalen (City) wieder vom englischen Fußballthron stoßen. United tat viel dafür, dass die Fans im heimischen Old Trafford fortan wieder dem Fußball ihre Aufmerksamkeit widmen – und weniger den besinnlichen Familienfeiern. Beim turbulenten 4:3 (1:2) gegen Newcastle United glich Manchester zunächst dreimal einen Rückstand aus, ehe Javier Hernandez in letzter Minute und aus kurzer Distanz zum Endstand einschoss. Das i-Tüpfelchen auf den Sieg wurde dann andernorts gesetzt.

Denn in Sunderland verlor zeitgleich der amtierende Englische Meister und derzeitige Tabellenzweite Manchester City. Nach der 0:1 (0:0)-Niederlage des Starensebles von Trainer Roberto Mancini, sagte dieser: „Nächste Saison werden wir gar nicht erst herkommen.“ Der Hintergrund: Es war die dritte Niederlage in Serie für City beim AFC Sunderland. Sieben Punkte beträgt der Rückstand inzwischen auf die Tabellenspitze und von hinten drängt der wiedererstarkte FC Chelsea. Die Londoner siegten am Boxing Day dank 1:0 bei Norwich City. Chelsea hat ein Spiel weniger als Manchester City bestritten und liegt nur noch vier Punkte zurück.

Nach den teilweise blamablen Auftritten in der Champions League und dem Aus nach der Gruppenphase rückt für City nun auch eine mögliche Titelverteidigung in der Liga in immer weitere Ferne. Deutlich schlechter läuft es allerdings bei einem anderen, neureichen englischen Klub: Die Queens Park Rangers verbrachten die Feiertage auf dem vorletzten Tabellenplatz. Die Spieler scheint das allerdings nur bedingt zu stören. Seit der malaysische Millionär Tony Fernandes den Klub führt, ist für die Belegschaft quasi jeden Tag Weihnachten. Fernandes hat sich vom kürzlich gefeuerten Coach Mark Hughes und diversen Beratern eine Bande grotesk überteuerter Profis aufschwätzen lassen. So verdient Rechtsverteidiger José Bosingwa beispielsweise 8,3 Millionen Euro im Jahr. Wobei „verdient“ vielleicht das falsche Wort ist. Vorige Woche hatte der amtierende Champions-League-Sieger (mit dem FC Chelsea) keine Lust, sich auf die Bank zu setzen und fuhr lieber nach Hause. „Es gibt hier viele Spieler, die viel zu viel Geld für das bekommen, was sie sind“, schimpfte der neue Teamchef Harry Redknapp.

Das altehrwürdige Stadion der Rangers an der Loftus Road in einem ärmlichen Viertel im Westen Londons bietet nur 18 000 Besuchern Platz, es ist das kleinste der Liga. „Ein Verein mit so wenig Zuschauern sollte nicht solche Gehälter zahlen“, polterte Redknapp. Der 65-Jährige weiß, wovon er spricht. Dem FC Portsmouth (22 000-Zuschauer-Stadion) hinterließ er nach drei Spielzeiten in Amt einen völlig aufgeblähten, mit magathesken Methoden zusammen gestellten Kader, zwei Jahre später musste der Südküsten-Verein Insolvenz anmelden. Am Boxing Day verloren die Queens Park Rangers zu Hause gegen West Brom beim 1:2 schon wieder.

Das Heimspiel von Arsenal London gegen West Ham United wurde indes wegen des Streiks der Londoner U-Bahn-Fahrer verschoben und fand erst am gestrigen Donnerstag (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) statt. Lukas Podolski und Per Mertesacker konnten somit immerhin nach bester deutscher Tradition Weihnachten feiern.

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