Sport : Fußball mit Niveau

Warum der Deutsche Fußball-Bund zur neuen Saison die A-Junioren-Bundesliga einführt

André Görke

Berlin. Der Nachmittag beim 1. FC Magdeburg war wieder typisch, „da gab’s nur auf die Knochen“, erzählt Oliver Hampel. In Magdeburg wurde gepöbelt, gefoult und getreten, vielleicht ist Fußball so, aber „Spaß macht’s nicht“.

Oliver Hampel steht bei Hertha BSC unter Vertrag, er spielt dort in der A-Jugend, knallhart, im defensiven Mittelfeld. Hampel kann grätschen, foulen und pöbeln, genau wie die Spieler vom 1. FC Magdeburg, nur mit dem Unterschied, dass einer wie er auch sehr gut mit dem Ball umgehen kann. Hampel ist Jugendnationalspieler – und gegen Mannschaften wie den 1. FC Magdeburg unterfordert.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat nun reagiert und sein Nachwuchskonzept überarbeitet. Weil das Leistungsgefälle in den A-Jugend-Regionalligen so enorm war, führt der DFB zur neuen Saison die Junioren-Bundesliga ein. Dann muss Hertha nicht mehr in Magdeburg oder Greifswald spielen, sondern gegen den Bundesliga-Nachwuchs des Hamburger SV oder des SV Werder Bremen. „Höheres fußballerisches Niveau“, nennt das Hampel. „Wenn du gegen einen so großen Klub wie den HSV spielst, bist du voll konzentriert, voller Adrenalin, da pumpt das Herz.“

Der DFB musste seine Nachwuchsarbeit überdenken, wird den deutschen Jugendspielern doch seit Jahren nachgesagt, ihnen fehle es an der Grundausbildung, Ballbehandlung und Taktik. Zuletzt hattte Uli Stielike, Trainer der U-21-Nationalmannschaft, geschimpft, dass „unseren Talenten einfach die Sicherheit am Ball fehlt“.

Die neue Bundesliga der A-Junioren, der letzten Altersstufe vor dem Männerbereich, ist in drei Staffeln eingeteilt: Nord/Nordost, West und Süd/Südwest. Die Meister treten am Saisonende gegeneinander an, der Süden stellt zwei Klubs, „weil die Fläche so groß ist. Das Gebiet dieser Liga reicht ja von Kaiserslautern bis nach München“, sagt DFB-Sprecher Niels Barnhofer. Mittelfristig wird wohl die eingleisige oder mindestens zweigleisige Liga eingeführt. Diesen Schritt schon jetzt zu tun, das ging nicht, „für viele Klubs wäre das zu kostenintensiv gewesen“, sagt Barnhofer.

Zweieinhalb Millionen Euro jährlich investiert etwa Hertha in seinen Nachwuchs. Amateurvereine haben weitaus weniger Geld für Reisekosten zur Verfügung, „deshalb werden wir denen jetzt finanziell helfen“, sagt Barnhofer. Der DFB stellt 160 000 Euro zur Verfügung. Aus diesem Topf gibt es dann Zuschüsse, maximal 500 Euro pro Spiel, und die auch erst ab 250 Kilometer Entfernung.

Ums Geldverdienen geht es im Jugendbereich nicht, weder für die Vereine noch für die Spieler. Bei Hertha spielen die A-Jugendlichen für etwa 400 Euro monatlich, das große Geld winkt erst im Profibereich. Thorben Marx hat diesen Sprung geschafft, auch Alexander Madlung. Für die kommende Saison haben nun Sofian Chahed und Malik Fathi einen Profivertrag bei Hertha unterschrieben. „Es geht nicht um die Mannschaft, nur um den einzelnen Spieler“, sagt Herthas Nachwuchskoordinator Frank Vogel. So ein Meistertitel „wäre schön für den Verein, bringt im Endeffekt aber nichts“. Die Bayern etwa lassen ihre Spieler eine Altersklasse höher spielen, damit sie stärker gefordert werden.

„So, wie es bisher war, dass die Spieler nur zwei, drei Mal in der Liga getestet wurden und in den anderen Spielen mal eben sechs, sieben, acht Tore geschossen haben – so etwas ist nicht förderlich“, sagt Karsten Bäron, der Trainer des HSV. Wenn seine Spieler auf dem Platz voll aufdrehen, dann „nützt auch die größte körperliche Gegenwehr nichts mehr“.

Bislang war es so, dass die Meisterschaft im K.-o.-System ausgetragen wurde. „Nur da wurden wir so richtig gefordert, aber wenn du einen schlechten Tag hast, dann war’s das auch schon“, sagt Michael Wolf, Herthas A-Jugend-Trainer. „Jetzt können wir uns jede Woche mit den Besten messen.“

Hertha gehört zum Kreis der Meisterschaftsfavoriten. In der kommenden Saison rücken die Spieler der B-Jugend in die nächste Altersstufe auf. Wie gut diese Mannschaft ist, hat gerade erst der Nachwuchs von Borussia Dortmund zu spüren bekommen, als Hertha 6:1 gewann. Gestern nun mussten die Berliner im Halbfinal-Hinspiel bei Bayer Leverkusen antreten. Am Ende stand es 4:0. Für Hertha.

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