Sport : Fußball-Nationalmannschaft: Bis Weihnachten wieder Weltmeister

Nicht einmal 14 Monate sind vergangen seit der bunten Nacht der deutschen Fußballnationalmannschaft auf der Terrasse ihres EM-Quartiers in Vaals. 0:3 hatte Ribbecks Team gegen eine bessere portugiesische B-Auswahl verloren und sich desaströs aus dem Turnier verabschiedet. Von Rumpelfußball war damals die Rede. Da diese Bezeichnung der Wirklichkeit verdächtig nahe kam, war auch Erich Ribbeck nicht länger zu ertragen. Trotz seiner Jungseniorenmentalität erwies sich Ribbeck als Antiquitätenhändler des deutschen Fußballs. Sein Konzept hieß Lothar Matthäus.

Ein Jahr später ist die Sache plötzlich ganz anders. Deutschland ist wieder wer im Fußball. Nach dem Spiel in Budapest ist von brasilianischem Zauber die Rede.

Was ist wirklich passiert? Völler, einst als Übergangslösung geholt, erwies sich schnell als Zuschauererfolg. Rummenigge zog im Hintergrund in der hastig installierten Task Force die Fäden. Völler und Rummenigge fungierten quasi als Sittenwächter. Beide standen für Ordnung und Disziplin, Lust und Leidenschaft. Beide haben den Verfall des deutschen Fußball zum Stillstand gebracht.

Völlers Rezept ist denkbar einfach. Statt die verhöhnten EM-Versager rauszuschmeißen, vertraute er ihnen. Und er baute behutsam junge Spieler ein. Das deutsche Team ist reanimiert. Konturen sind erkennbar. So viel ist sicher, aber eine ungarische Mannschaft in Geburtstagslaune ist nicht zu vergleichen mit einer englischen, die am 1. September in Deutschland um ihr WM-Ticket kämpft. Noch ist das Gebilde Nationalmannschaft wackelig. Bis zur WM 2002 sind es zehn Monate. Wenn wir der Euphorie Glauben schenken, könnten wir gegen Weihnachten wieder Weltmeister sein.

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