Sport : Fußball-Nationalmannschaft: Fußballgott, zweisilbig

Stefan Hermanns

Igor Demo verfügt über die entscheidende Eigenschaft eines Fußballgotts: Sein Vor- und sein Nachname haben jeweils zwei Silben. Das ist wichtig für den Rhythmus. Wenn die Fans rufen: I-gor-De-mo-Fuß-ball-gott! Sonst hat der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach wenig, was ihn zum Fußballgott qualifiziert. Er gehört nicht zu jener Sorte Spieler, die normalerweise von den Fans diesen Ehrentitel bekommen, zu den Rennern und Grätschern, die nur dann mit dem Ball in Berührung kommen, wenn sie ihn ihrem Gegner abgenommen haben. Für Hans Meyer, Demos Trainer bei Borussia Mönchengladbach, ist der Slowake ein Spieler, "dem man in fast jeder Phase des Spiels ansieht, dass ihm Fußball Spaß macht".

Knapp anderthalb Jahre lang hat Demo seinen Spaß in der Zweiten Liga befriedigen müssen. Jetzt ist er mit den Gladbachern aufgestiegen, und heute Abend könnte Demo einen Einblick bekommen, wie das ist, gegen Kahn und Ballack zu spielen, gegen Jancker und Nowotny. In der slowakischen Nationalmannschaft, die in Bremen gegen die deutsche Elf antritt, hat sich Demo inzwischen einen Stammplatz erkämpft - als Spieler eines Zweitligisten.

Vielleicht sagt das einiges über die Qualität der Slowaken. "Die Mannschaft hat keine großen Stars", sagt Demo, "sie tritt mehr als Kollektiv auf." Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb haben die Slowaken gute Aussichten, sich für die WM zu qualifizieren. "Die Chance war für uns noch nie so groß", sagt Demo vor dem vielleicht entscheidenden Spiel am Sonnabend in Schweden. Die Slowakei ist derzeit Erster der Qualifikationsgruppe vier vor den punktgleichen Schweden. "Ein großer Traum" sei das, "wir werden alles dafür tun". Zum Team zählt auch Vlatislav Gresko, der in Deutschland bekannteste Spieler. Anfang der vorigen Saison spielte er noch bei Bayer Leverkusen, wechselte dann zu Inter Mailand. Gresko galt als großes Talent, konnte sich in der Bundesliga jedoch nicht durchsetzen.

Hans Meyer hält Igor Demo "vom Fußballerischen und vom Blick für das Spiel her für absolut bundesligareif". Demo war der erste Spieler, den Meyer nach Gladbach geholt hat. Er kam aus der zweiten Mannschaft des PSV Eindhoven. Der Slowake war Meyer bereits vor vier Jahren aufgefallen, als die zweite Mannschaft vom PSV gegen die Reserve von Feyenoord Rotterdam spielte. Elf Nationalspieler standen auf dem Feld, doch Meyer erlebte den jungen Demo "ähnlich selbstbewusst wie heute". Schwächen? "Ein Gott hat keine Schwächen", sagt Meyer.

Demo ist nicht unbedingt der Schnellste. Das hat Meyer oft gesagt: "Wenn er auch noch schnell wäre, hätten wir ihn niemals bekommen." Demo sagt, dass er "normal schnell" sei. "Jeder Spieler hat andere Qualitäten." In der abgelaufenen Saison schoss er zehn Tore - meist spielentscheidende. Wie im September gegen St. Pauli. In der Nacht zuvor war seine Tochter zur Welt gekommen, Demo hatte bis morgens um vier im Krankenhaus ausgeharrt. Am Nachmittag saß er zunächst auf der Ersatzbank; Gladbach spielte schlecht, lag zurück. Dann kam Demo und schoss den Ausgleich. Am Ende siegte seine Mannschaft 4:2. "Ich bin immer mit dem Herzen dabei", sagt Demo. Um bei den Fans zum Fußballgott zu werden, ist das nicht die schlechteste Eigenschaft.

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