Sport : Fußball: Platz für den neuen Markt

Klaus Rocca

Ottmar Hitzfeld war ausnahmsweise mal isoliert. "Eigentlich bedauere ich es, dass die Beschränkung gelockert wird. Wir haben eh zu wenig deutsche Spieler in der Bundesliga", meinte er. Mit dieser Meinung stand Bayern Münchens Trainer ziemlich allein. Der weitaus größte Teil der 36 deutschen Fußball-Lizenzvereine stimmte auf der Liga-Vollversammlung in Frankfurt (Main) dafür, dass statt bislang drei schon vom 1. Juli an fünf Ausländer aus Nicht-Uefa-Staaten in den Bundesligavereinen spielen dürfen. Zu den Befürwortern gehörte auch Hertha BSC, in Frankfurt durch Geschäftsführer Ingo Schiller vertreten.

Dieter Hoeneß, Herthas Manager, steht voll hinter dem Beschluss. Hoeneß: "Wir mussten für Wettbewerbsgleichheit sorgen. Und warum sollte man einen Unterschied zwischen einem Brasilianer und einem Tschechen machen?" In anderen Ländern hat man die Beschränkung für Nicht-Uefa-Ausländer längst aufgehoben oder modifiziert. So könnte demnächst in der italienischen Serie A jeder Klub mit elf Brasilianern oder elf Nigerianern antreten. In Frankreich sind deren fünf erlaubt.

Die Annahme, nun würden die Vereine ausschwärmen und in Südamerika oder Afrika Ausschau halten, hält Hoeneß für abwegig. Zum einen seien die Transferaktivitäten für die kommende Saison meist abgeschlossen. "Zum anderen sitzt das Geld auch in der Bundesliga nicht so locker, dass man nun auf Teufel komm raus investieren könnte." Hertha habe nicht vor, sich auf die Suche nach einem dritten Brasilianer, nach Alex Alves und Marcelinho, zu begeben.

Energisch wehrt sich Hoeneß gegen das Argument, mit dem Beschluss werde dem deutschen Nachwuchs endgültig die Tür zur Stammelf zugeschlagen. Hoeneß: "In den letzten Jahren war die Qualität des Nachwuchses ohnehin nicht so, dass man daraus schöpfen konnte. So lange der DFB verlangt, dass die Jugendarbeit gefördert wird, sehe ich keine Gefahren." Es dürfe allerdings nicht so sein, dass Transfers aus dem Ausland auf Kosten der Jugendarbeit vorgenommen würden. Hertha BSC investierte in der vergangenen Saison 5 Millionen Mark in den Jugend- und Amateurbereich. "Es wird noch mehr werden, wenn unser Jugendinternat voll in Aktion ist."

Auch bei Energie Cottbus findet der Frankfurter Beschluss Zustimmung. "Wir müssen doch mit der Zeit gehen. Sonst geraten wir ins Hintertreffen", kommentierte Manager Klaus Stabach. Energie, das in der letzten Saison einmal mit einer Elf auflief, in der ausschließlich Ausländer standen, hat im jetzigen Kader drei Lizenzspieler und zwei Vertragsamateure, die aus Nicht-Uefa-Ländern kommen. Stabach: "Ohne Ausländer geht es doch gar nicht. Wenn ich sehe, dass die DFB-Junioren jetzt bei der WM schon im Achtelfinale ausgeschieden sind, dann sagt das genug." Er verweist auch darauf, dass jetzt in Deutschland die geburtenschwachen Jahrgänge kommen, die meisten Familien ohnehin nur ein oder zwei Kinder hätten. Für Energie sei es allerdings aus finanziellen Gründen gar nicht möglich, aus Brasilien Spieler der Topklasse zu holen. "Wir müssen uns immer eine Preisklasse darunter orientieren."

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