Fußball-Wettskandal : Staatsanwalt dementiert Spieler-Vernehmung

Die Staatsanwaltschaft München I hat am Donnerstagabend einem Medienbericht widersprochen, wonach ein Nationalspieler des FC Bayern München in den Fußball-Wettskandal verstrickt sein soll.

München - «Die Staatsanwaltschaft hat keine Personen vernommen. Wir werten derzeit Informationen aus. Wir reden nicht über Namen», sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler der Nachrichtenagentur dpa. Die Münchner Zeitung «tz» hatte in einer Vorabmeldung berichtet, dass drei Münchner Fußball-Profis aus der 1. und 2. Bundesliga in den Skandal verwickelt sein sollen.

Der FC Bayern München wies die gegen Nationalspieler Bastian Schweinsteiger erhobenen Anschuldigungen entschieden zurück. In einem persönlichen Gespräch mit den Verantwortlichen des Clubs habe der 21- Jährige versichert, dass «die aufgestellten Behauptungen absolut frei erfunden sind», hieß es in einer Erklärung des Vereins. Bayern- Manager Uli Hoeneß drohte der «tz» mit einer Millionenklage. «Wir haben sofort einen Anwalt eingeschaltet. Wenn es wahr ist, was wir gehört haben, dann läuft das auf eine Millionenklage gegen die tz hinaus», sagte Hoeneß dem Tagesspiegel. Schweinsteiger habe dem FC Bayern erklärt, er «habe nie in seinem Leben auch nur einen Euro auf ein Spiel gesetzt».

In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz empörte sich Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. «Das ist Rufmord an einem 21- jährigen jungen Mann. Das lassen wir nicht mit uns machen», sagte er.

Laut «tz» sollten neben Schweinsteiger auch zwei Zweitliga-Profis vom TSV 1860 München von der Staatsanwaltschaft München als Beschuldigte geführt werden und bereits zum Verhör einbestellt worden sein. Dem widersprach Oberstaatsanwalt Winkler energisch: «Wir haben noch keine einzige Person im Rahmen dieses Wettskandals, wenn es einer ist, die wir konkret beschuldigen», sagte er «Antenne Bayern». «Wir haben noch keinen einzigen im Rahmen dieser Auswertungen der Informationen vernommen oder zu irgendeiner Vernehmung geladen.»

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff reagierte empört auf die Verdächtigungen gegen Schweinsteiger: «Ich finde es unverantwortlich, wenn auf Grund von Spekulationen Rufmord an unseren Nationalspielern betrieben wird.»

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will seine Nationalspieler künftig vor ungerechtfertigten Verdächtigungen schützen. Dies kündigte der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger an. «Die derzeit von einigen Medien praktizierten Verhaltensweisen sind unverantwortlich, unanständig und beschädigen den guten Ruf von Spielern, Bundesliga- Clubs und der Nationalmannschaft. Ich halte es für einen primitiven Vorgang, wenn durch effekthascherische Berichterstattung in der Öffentlichkeit stehende Sportler in Misskredit gebracht werden», sagte Zwanziger in einer Pressemitteilung des DFB.

Der DFB werde alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen, die gegen solche Vorgehensweisen eingeleitet werden können, betonte Zwanziger. «Wir bagatellisieren nichts, wenn Fakten da sind. So lange dies aber nicht der Fall ist, müssen wir unsere Spieler und damit auch unseren Sport mit allem Nachdruck schützen.»

Lanzaat wehrt sich

Auch der in dem Bericht der «tz» ebenfalls erwähnte 1860-Spieler Quido Lanzaat wehrte sich gegen die Vorwürfe: «Ich habe damit nichts zu tun. Das habe ich auch meinem Verein gesagt. Ich habe in der Vergangenheit nicht auf Spiele meines Vereins gesetzt und werde das auch in Zukunft nicht machen.» Von der Staatsanwaltschaft habe er nichts gehört, sagte er dem Tagesspiegel weiter. «Die Leute, die Beweise haben, sollen sich melden, dann weiß ich, wie mein Name dahin kommt.» Es gehe sie nichts an, ob ich jemals gewettet habe. «Soweit ich weiß, ist es nicht verboten, auf Spiele zu setzen. Mehr will ich dazu nicht sagen. Die Leute, die das untersuchen, können sich keine Fehler erlauben. Wir haben jetzt einen Stempel auf dem Kopf. Ich überlege, rechtlich dagegen vorzugehen.»

Der TSV 1860 München stellte sich in einer Stellungnahme hinter Lanzaat und dessen Teamkollegen Paul Agostino, der ebenfalls in dem «tz»-Bericht genannt worden war. «Wir wollen uns in dieser Phase weder zum juristischen oder moralischen Richter aufschwingen», wurde 1860-Geschäftsführer Detlef Romeiko in einer Pressemitteilung des Vereins zitiert. «Wir werden jedoch gegen die Veröffentlichungen auf Basis von Gerüchten mit gleicher Härte vorgehen, mit den auch unsere Spieler konfrontiert wurden. Bis zur Vorlage von Tatsachen gehen wir von der Unschuld unserer Spieler aus.» (Von Jörg Obergethmann und Claas Hennig, dpa)

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