Berliner Tüftler : Der "Tröööt"-Filter

Es gibt Hoffnung für alle Vuvuzela-Geschädigten: Ein Berliner Hobbymusiker will das Dauer-Getröte bei der Fußball-WM aus dem Fernsehsignal herausfiltern.

Selbst wenn die Plastiktröten beim Public Viewing schweigen, stört ihr Klang die TV-Übertragung. Foto: AFP
Selbst wenn die Plastiktröten beim Public Viewing schweigen, stört ihr Klang die TV-Übertragung.Foto: AFP

Per Computer will Tobias Herre in der Lage sein, den Ton der Plastikhörner - ein Ais - zu verbannen. „Ich war sehr genervt von dem Tuten. Und eigentlich ist es ganz einfach“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa am Montag. Mit einer speziellen Software sei es möglich, die entsprechenden Frequenzen des Vuvuzela-Tons herauszunehmen. Die Anleitung zum ungestörten WM-Genuss hatte Herre auf der Internetseite einer Berliner Autorengruppe veröffentlicht.

Die Verzweiflung der Fans scheint so stark, dass der Webauftritt wegen Überlastung zeitweise lahm gelegt war. Zumal die WM-Organisatoren am Montag noch einmal klarstellten, dass es kein Verbot der Lärminstrumente bei der Endrunde in Südafrika geben wird. Auch Fifa-Präsident Joseph Blatter schlug sich auf die Seite der WM- Gastgeber. „Ich habe immer gesagt, dass Afrika einen anderen Rhythmus und Sound hat. Ich kann mir nicht vorstellen, eine Musik-Tradition von Fans in ihrer Heimat zu verbieten. Würden Sie ein Verbot von Fan-Traditionen in ihrem Land wollen?“, schrieb Blatter am Montag via Twitter.

„Ich bin überrascht, dass es eine so große Nachfrage gibt“, sagte der passionierte Sänger und Gitarrist Herre. Dabei ist er „eigentlich gar nicht so der Fußballfan“. Doch da sein siebenjähriger Sohn kein WM-Spiel verpasst, wollte er Tröt-Abhilfe schaffen.

„Zunächst habe ich mit dem Stimmgerät den Ton der Vuvuzelas ermittelt“, erklärte er. Die Frequenzen dieses Tons gilt es zu eliminieren. Dazu leitet Herre das Audiosignal vom Fernseher an den Computer. Dort werden die störenden Frequenzen herausgefiltert, über die Stereoanlage erklingt dann der vuvuzelafreie Stadionsound mit Kommentar. „Ich bin mir ganz sicher, dass die Fernsehsender auch schon darauf gekommen sind. Vielleicht dürfen sie den Ton aus den Stadien nicht verändern“, vermutete Herre.

Bereits seit dem ersten Sendetag seien Tipps von Zuschauern eingegangen, sagte ARD/ZDF-Teamchef Dieter Gruschwitz auf dpa- Anfrage. „Bisher ist uns kein Filtergerät bekannt, bei dem beim Herausfiltern der Vuvuzela-Frequenz der Ton des Reports nicht erheblich beschädigt wird und dadurch unsendbar wird.“ Man tue im technischen Bereich alles, um durch eine maximale Filterung und den Einsatz besonderer Mikrofone den Kommentar klar und verständlich anzubieten. „Das ist uns auch gelungen“, sagte Gruschwitz. Tüftler und Produzenten hätten auch schon ihre Geräte angepriesen.

Ein Karlsruher Unternehmen bietet einen solchen Filter an. Dieser ist ein Nebenprodukt einer neuen Software, mit der Gesang oder Instrumente aus einem fertigen Musikmix herausgetrennt (freigestellt) oder gelöscht (unterdrückt) werden können. Die Stadionatmosphäre und der Sprachkommentar blieben nach Firmen-Angaben unverändert erhalten. Die Software arbeite in Echtzeit und sei speziell für den Einsatz bei Rundfunk- und Fernsehübertragungen entwickelt worden. Auch Privatleute können in den „Vuvuzela-freien Genuss der WM“ am Computer kommen - allerdings nur Besitzer von Apple-Computern. Eine Version des Filters für Mac gibt es zum kostenfreien Download auf der Homepage des Unternehmens.

Dann soll es die - zumindest für westeuropäische Ohren - gewöhnliche Stadionatmosphäre geben. Wobei es ohne die Vuvuzelas ziemlich ruhig in den Stadien ist, wie Tobias Herre festgestellt hat: „Es wird nicht besonders viel gesungen bei dieser WM.“ (dpa)

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