Confed-Cup : Drei Spiele bis zum Weltrekord

Wichtiger Test für die WM oder lockeres Schaulaufen? Die Teams gehen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in den Confed-Cup im WM-Gastgeberland Südafrika. Ein Überblick.

Mathias Klappenbach
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Berlin - Es war ein tolles Turnier. Beim Confed-Cup 2005 in Deutschland gab es begeisternden Fußball zu sehen, und man konnte schon eine Ahnung davon bekommen, was für ein Fest die Weltmeisterschaft im Jahr darauf werden würde. Das Turnier, das zwischen 1997 und 2005 noch alle zwei Jahre ausgetragen wurde, soll seit 2005 nur noch ein Testlauf für den Gastgeber der Weltmeisterschaft ein Jahr später sein. Außer der Stimmung gab es für Deutschland beim letzten Mal gar nicht so viel zu testen, zumindest im Vergleich zu Südafrika. Dort sind Infrastruktur – insbesondere das Transportsystem – und Sicherheit die bestimmenden Themen. 2010 wollen 32 Länder Weltmeister werden, von diesem Sonntag bis zum 28.6. spielen acht Mannschaften um den Confed-Cup, 14 der 16 Spiele werden live im DSF übertragen. Teilnehmer sind die sechs Meister der Kontinentalverbände, Weltmeister Italien sowie der Gastgeber.

IRAK

Wären es 30 Jahre mehr, würde man sich auch nicht wundern – aber Bora Milutinovic ist tatsächlich erst 64 Jahre alt. Der Serbe hat als einziger Trainer schon mit fünf verschiedenen Nationen (Mexiko, Costa Rica, USA, Nigeria, China) an Weltmeisterschaften teilgenommen. Das wird mit dem Irak nicht möglich sein, den er beim Confed-Cup betreut. Die Iraker haben die Qualifikation für die WM in Südafrika schon verpasst. Der Gewinn der Asienmeisterschaft 2007 war für das vom Krieg zerstörte Land ohnehin eine große Überraschung. Das irakische Team spielt zwar seit Jahren zusammen, ist aber in seinen Leistungen sehr schwankend. Um das Team zu festigen, hat Milutinovic es im Scheichtum Katar, wo einige der Profis spielen, vorbereitet.

SPANIEN

Es fehlen nur noch drei Gruppenspiele, dann hat Spanien den Weltrekord. Verliert der Europameister gegen Neuseeland, den Irak und Südafrika nicht, ist er seit 35 Spielen ungeschlagen. Das hat bislang nur Brasilien in den Jahren 1993 bis 1996 geschafft. Das derzeit beste Team des Globus ist auch ohne den verletzten Andres Iniesta vom FC Barcelona der Favorit für den Confed-Cup. „Das Turnier mag zwar im Spielkalender weniger wichtig erscheinen“, sagt Fernando Torres vom FC Liverpool. „Aber der Sieger wird viel Lob und ein enormes Selbstbewusstsein ernten.“ Tatsächlich scheint das einzige Problem der Spanier zu sein, ihr gesundes Selbstbewusstsein zu behalten und nicht überheblich zu werden. Das hat Trainer Vicente del Bosque, der die Mannschaft nach dem EM-Triumph von Luis Aragones übernommen hat, vor allem dadurch erreicht, dass er einfach nichts verändert hat. „Der Kern des Teams sind die Spieler der EM 2008“, sagt del Bosque. Und spricht für die Gegner auch schon eine Drohung für die fernere Zukunft aus: „Wir haben sechs junge Spieler dabei, die noch für die U 21 auflaufen könnten.“

NEUSEELAND

Dem Ozeanienmeister ist vor einer Woche gelungen, mit einer knappen Niederlage Aufsehen zu erregen. 3:4 gegen den Weltmeister Italien, da verkündete Trainer Ricki Herbert doch gleich: „Wir können die große Überraschung des Turniers werden.“ Der ehemalige Verteidiger coacht nicht nur die Nationalmannschaft, sondern mit Wellington Phoenix auch das einzige Team aus Neuseeland, das in der australischen A-League starten darf. Bei Wellington steht mehr als die Hälfte der neuseeländischen Nationalspieler unter Vertrag. Herbert hofft, durch das stetige gemeinsame Training das Manko der internationalen Erfahrung auf einem höheren Niveau wettmachen zu können. Neuseeland hat noch Chancen auf die WM-Qualifikation, bester Mannschaftsteil ist der Sturm mit Chris Killen von Celtic Glasgow, der dort aber nicht eingesetzt wird, und Shane Smeltz aus Wellington, der in der A-League zum Spieler des Jahres gewählt wurde. Gegen Italien erzielten die beiden alle drei Tore.

BRASILIEN

Brasilien feierte eine Woche vor dem Start des Confed-Cups. Nach Monaten der Kritik und unbefriedigender Ergebnisse hat die Mannschaft von Trainer Carlos Dunga mit dem 2:1 gegen Paraguay die Führung in der WM-Qualifikationsgruppe Südamerikas übernommen. Die Freude wurde noch erheblich dadurch gesteigert, dass der große Rivale Argentinien mit seinem Trainer Diego Maradona 0:2 in Ekuador verlor und nun ernsthaft um die WM-Teilnahme bangen muss. „Confed-Cup ist schön, aber Qualifikation ist wichtiger“, sagt Trainer Carlos Dunga, und darum geht es. Die Brasilianer, die auch viel Wert auf die Defensive legen, seit Dunga im Amt ist, wollen in Südafrika ein paar schöne Spiel zeigen. „Wir waren von der Freundlichkeit und Freude der Menschen begeistert“, sagte Stürmer Robinho von Manchester City nach der Ankunft in Südafrika. „Und wir werden uns bemühen, das mit attraktivem Fußball zurückzugeben.“

ÄGYPTEN

Die Ägypter stehen im nach europäischem Maßstab unsteten afrikanischen Fußball für Kontinuität. Sie sind bereits sechs Mal Afrikameister geworden, zuletzt 2006 und 2008. Es wird konsequent in die Nachwuchsarbeit investiert, die Juniorenteams sind bei internationalen Turnieren regelmäßig erfolgreich. Die aktuelle Mannschaft ist langsam gewachsen, Trainer Hassan Shehata steht für Disziplin – und er wird auch dafür anerkannt. Als der ägyptische Superstar Mido (Wigan Athletic) seine Auswechslung im Halbfinale des Afrika-Cups mit wüsten Beschimpfungen auf dem Platz kommentierte, strich ihn Shehata aus dem Kader. Auch Mohamed Zidan von Borussia Dortmund, einer von sechs Spielern aus der Bundesliga beim Confed-Cup, weiß um die konsequente Linie des Trainers. Aus disziplinarischen Gründen berücksichtigte ihn Shehata nicht für die WM 2006, obwohl der Stürmer damals in glänzender Form war.

USA

Ein weiterer Spieler aus der Bundesliga ist Michael Bradley von Borussia Mönchengladbach, der Sohn von Nationaltrainer Bob Bradley. Der Coach, der eigentlich nur als Interimslösung vorgesehen war, hat sich inzwischen fest etabliert. Herausragender Spieler beim Nord- und Mittelamerikameister, der noch gute Chancen hat, sich für 2010 zu qualifizieren, ist Landon Donovan. Der Angreifer von Los Angeles Galaxy war fünf Mal Spieler des Jahres in den USA, in Deutschland ist er aber dadurch bekannt geworden, dass Trainer Jürgen Klinsmann vor ein paar Monaten bei Bayern München mit dem Vorhaben scheiterte, Donovan zu verpflichten. Die Amerikaner erscheinen vor Turnieren häufig stärker, als sie sind.

ITALIEN

Neuseeland freute sich über das 3:4 im Testspiel gegen Italien, der Weltmeister hatte aber nicht das Gefühl, nur knapp einer Blamage entgangen zu sein. Trainer Marcello Lippi hatte viele Stammspieler auf der Bank gelassen und bezeichnete das Spiel danach als „gutes Training“. Dass die Italiener beim Confed-Cup weit kommen wollen, lässt sich schon daran erkennen, dass Lippi den Gruppengegner Brasilien stark redet: er sei „derzeit die stärkste Mannschaft der Welt“. Stürmer Alberto Gilardino sieht in dem Confed-Cup einen wichtigen Test für die WM, aber auch für die Italiener ist vor allem wichtig, sich in den nächsten Monaten dafür zu qualifizieren.

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