Fußball : Löw watscht die Liga ab und erntet Protest

DFB-Chefcoach Joachim Löw sieht enormen Nachholbedarf im Vergleich zur internationalen Konkurrenz. "Um in der Weltspitze mitzuspielen, müssen wir uns dauerhaft verbessern", sagt er - und gerät damit in einen heftigen Konflikt mit der gescholtenen Liga.

Jens Mende[dpa]
Löw
Bundestrainer Joachim Löw sucht den Konflikt mit der Liga. -Foto: dpa

Berlin Joachim Löw ist bereit einen intensiven Konflikt mit der Bundesliga auszutragen - im Interesse des deutschen Fußballs. Trotz des teilweise heftigen Gegenwindes aus den Top-Clubs bleibt der Bundestrainer bei seiner kritischen Beschreibung des nationalen Spitzen-Niveaus. "Natürlich. Dazu stehe ich. Es ist doch unsere Aufgabe, darüber zu reden", erklärte Löw einen Tag vor der Benennung seines Kaders für die WM-Qualifikationsspiele am 28. März gegen Liechtenstein und am 1. April in Wales. Wenn wir in Deutschland dauerhaft in der Weltspitze mitspielen wollen, dann müssen wir uns verbessern. Darüber muss man reden, sonst bleiben wir stehen." Derzeit hinke die Bundesliga im internationalen Vergleich hinterher, machte Löw deutlich und stieß damit auf Protest in der Liga.

Dass allein mehr Geld in der spanischen oder englischen Liga höhere Qualität als in der Bundesliga garantiere, bezeichnete Löw als "Totschlag-Argument". Das sei ihm zu einfach. "Ich bin da anderer Meinung. Es kommt darauf an, aus dem Vorhandenen das Optimale zu machen. Mehr Geld bedeutet nicht immer automatisch mehr Klasse", sagte der Bundestrainer, der nach den jüngsten schwachen Länderspielen der DFB-Auswahl gegen England (1:2) und Norwegen (0:1) selbst viel Kritik einstecken musste. "Es gibt in Deutschland auch Vereine, die viel Geld ausgeben und wenig Erfolg haben", bemerkte Löw, ohne Vereinsnamen zu nennen.

"Müssen! Nicht sollen!"

Es gehe nicht um persönliche Auseinandersetzungen, sondern um die Sache. Und der DFB-Trainerstab wolle auch niemanden angreifen, betonte Löw in der "Süddeutschen Zeitung". Es werde immer ein Konflikt hergestellt Hoeneß gegen Löw oder Völler gegen Löw, "anstatt zu hinterfragen: Warum oder weshalb hat er das eigentlich gesagt?" Der 49 Jahre alte DFB-Chefcoach konkretisierte den Nachholbedarf im Vergleich zur internationalen Konkurrenz. "In der Bundesliga ist vieles gut, aber wir können uns bei der Vorbereitung der Spieler und Mannschaften verbessern. Dazu gehören elementare Dinge wie Schnelligkeit oder Präzision", sagte Löw.

Umfangreiche Untersuchungen, die der Bundestrainer mit seinen Helfern seit der WM 2006 speziell zu den läuferischen Elementen gemacht hat, sind für Löw ein Warnsignal. "Die Anzahl der Sprints lässt zu wünschen übrig, da müssen wir an Intensität zulegen. Müssen! Nicht sollen! Es ist keine optische Täuschung, dass in England schneller gespielt wird", bemerkte Löw zu seinen "eindeutigen Erkenntnissen". In Deutschland herrsche zudem teilweise noch das alte Denken von Spiel-Kontrolle und Warten auf gegnerische Fehler. "Doch die Inhalte des Spiels haben sich geändert", betonte Löw. Die meisten Tore würden heutzutage "nach Ballgewinn in den fünf, sechs Sekunden fallen, wenn der Gegner nicht organisiert ist".

Löw klagt über Widerstände

"In Deutschland wird häufig über Innovation gesprochen, aber wenn mal ein neuer Pfad beschritten werden soll, dann gibt's sofort Widerstände", kritisierte Löw auch mit Hinweis auf die Erfahrungen seines einstigen Chefs Jürgen Klinsmann beim FC Bayern. "Jürgens Ansatz, für die Spieler ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich weiterbilden und eben mal sieben, acht Stunden mit ihrem Beruf beschäftigen können, ist in anderen Ländern ganz normal", so Löw.

Trainingseinheiten, Videositzungen, Massage, Regeneration, Weiterbildung, Ruhe, Konzentration: "All diese Dinge sind in Deutschland verbesserungsfähig - stattdessen wird der Versuch auf irgendwelche Buddhas reduziert", ergänzte der Freiburger. Die Buddha- Figuren, die Klinsmann auf dem Münchner Trainingsgelände aufstellen ließ, seien von "etlichen Kritikern zum Mittelpunkt gemacht" worden, "und damit wurde das Ganze ins Lächerliche gezogen", rügte Löw. (küs/dpa)

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