Kleines Finale : Wofür soll denn Platz drei bitte gut sein?

Das Spiel um Platz drei gilt vielen als nutzlos. Das stimmt auch – zumindest sportlich gesehen. Aber manchmal hat das "Kleine Finale" durchaus einen emotionalen Wert - und ein bisschen Geld gibt es auch noch zu verdienen.

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22 Freunde. Die Mannschaften aus Südkorea und der Türkei machten das Spiel um Platz drei 2002 zu einem Fest.
22 Freunde. Die Mannschaften aus Südkorea und der Türkei machten das Spiel um Platz drei 2002 zu einem Fest.Foto: AFP

Wer weiß hierzulande etwa schon, dass Deutschland mit drei Siegen im Spiel um Platz drei der Rekorddritte der WM-Geschichte ist? So etwas will niemand wissen. Ebenso wenig wird das Spiel gegen Uruguay einen bleibenden Eindruck in der Weltrangliste hinterlassen. Dieses Ranking der Nationalmannschaften zieht die Fifa immer dann heran, wenn der Weltverband WM-Qualifikations- und Vorrundengruppen auslost. Eine gute Listenposition hilft, starken Gegnern aus dem Weg zu gehen. Aber schlägt Deutschland Uruguay, so bringt das nicht mehr Punkte als ein Vorrundensieg gegen eine vergleichbar starke Nation aus Südamerika. Bei Elfmeterschießen sogar weniger. Dazu fließen die Ergebnisse nicht einzeln, sondern nur im Durchschnitt der letzten zwölf Monate ein. Und bis zur nächsten Auslosung im Sommer 2011 zählen die Ergebnisse des Sommers 2010 sowieso nur noch die Hälfte.

Auch finanziell bringt der dritte Platz nicht mehr – zumindest den Spielern nicht. Die bekamen für den Halbfinaleinzug je 100 000 Euro. Vom Verband gibt es nun nichts mehr, von der Fifa immerhin noch drei Tage länger das Tagegeld in Höhe von 1300 Euro, das jeder Akteur bis zum Ausscheiden seiner Elf erhält. Peanuts für Gehaltsmillionäre.

Den Deutschen Fußball-Bund (DFB) dürfte ein Sieg gegen Uruguay hingegen sehr freuen: Der Dritte bekommt mit 18,9 Millionen Euro immerhin rund 3,2 Millionen mehr Preisgeld als der Vierte – genug Geld, um damit die Spieler- und Trainerprämien zu zahlen. Doch einen Wert hat das Spiel um Platz drei, der nicht zu unterschätzen ist: den emotionalen. Wäre im Spätsommer 2006 Märchenstimmung denkbar gewesen, wenn die WM direkt nach der Enttäuschung gegen Italien geendet hätte?

Die Türken 2002, die Kroaten 1998 oder die Schweden 1994 wurden durch ihre dritten Plätze erst recht zu Volkshelden. Italien 1990 oder Frankreich 1986 brachten wie Deutschland 2006 nach einem bitteren Halbfinal-Aus ihre WM noch zu einem versöhnlichen Ende. Und ohne das Spiel um Platz drei gäbe es weder den 13-Tore-Rekord von Just Fontaine (vier Treffer 1958 gegen Deutschland) noch die alleinigen WM-Torschützenkönige Salvatore Schillaci und David Suker, die im letzten Spiel je noch ein Tor schossen. Eine Aussicht, die zumindest Thomas Müller und Miroslav Klose (je vier Tore, eins weniger als Sneijder und Villa) für das kleine Finale motivieren sollte.

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