Nationalmannschaft : Andreas Beck: Philosoph an der Playstation

Andreas Beck wird als dritter Hoffenheimer am Mittwoch gegen Norwegen im deutschen Fußball-Nationalteam debütieren.

Stefan Hermanns[Düsseldorf]
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Der Neue. Andreas Beck.Foto: ddp

Es ist an der Zeit, mal mit ein paar Legenden über Andreas Beck aufzuräumen. Beck, 21 Jahre alt, wird immer mehr in die Rolle des Intellektuellen gedrängt, die im deutschen Fußball zuletzt von Marko Bode besetzt wurde. Es reicht schon, dass der Fußballer der TSG Hoffenheim sich als Bücherfreund zu erkennen gegeben hat und einen Saab fährt, der älter ist als sein Nationalmannschaftskollege Marko Marin. Der Saab ist gerade eingemottet, und neben seiner Vorliebe für die schöne Literatur kann sich Beck auch für ganz profane Dinge begeistern. Am Dienstag hat er gestanden, dass er gerade gegen Marin an der Playstation verloren habe. Egal, Andreas Beck gilt längst als eine Art Fußballphilosoph. Dabei ist er vor allem eins: ein ziemlich guter Fußballer, der es in kurzer Zeit weit nach oben gebracht hat.

Auf seiner Homepage hat Beck eine Rubrik mit Aphorismen eingerichtet. Der letzte Eintrag stammt von Johann Wolfgang von Goethe: „Mit einem kannst du immer rechnen. Mit dem Unvorhersehbaren.“ Wenn man mit einem rechnen konnte, dann war es Becks baldige Aufnahme in die Nationalmannschaft. „Es hat sich ein bisschen angedeutet“, sagt der Hoffenheimer über seine Nominierung für das Länderspiel gegen Norwegen. Wie er auf die Nachricht reagiert habe, wurde Beck dieser Tage gefragt: „Ich bin trainieren gegangen.“

In Düsseldorf soll Beck heute eine Halbzeit rechts in der Viererkette zum Einsatz kommen. „Er hat im letzten halben Jahr auf einem sehr guten Niveau gespielt“, sagt Bundestrainer Joachim Löw über seinen neusten Debütanten. „Wir profitieren sicher von der Entwicklung in Hoffenheim.“ Nach Marvin Compper und Tobias Weis ist Beck bereits der dritte Nationalspieler, den der Aufsteiger stellt.

Der 21-Jährige zählt im Grunde selbst zu den Profiteuren des Hoffenheimer Aufschwungs. Im Sommer ist er vom VfB Stuttgart, dem Verein seiner Jugend, zur TSG gewechselt. Mehr als drei Millionen Euro hat der Aufsteiger für den Außenverteidiger bezahlt, der in Stuttgart nicht mehr als ein Ergänzungsspieler war. In Hoffenheim hat Beck erst ein Spiel verpasst – als er wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt war. In allen anderen Partien stand er von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz. „Weil er spielt, besitzt er Selbstvertrauen“, sagt Hans-Dieter Flick, der Assistent von Löw.

Mit Zahlen allein aber lässt sich die Entwicklung nur unzureichend dokumentieren. Beck ist vor allem als Persönlichkeit gewachsen. Es scheint, als sei alles Verhuschte von ihm abgefallen. Natürlich prägt Beck mit der offensiven Interpretation seiner Rolle das Hoffenheimer Spiel; offensichtlich aber hat das Hoffenheimer Spiel auch seinen Charakter geformt. Dass die Mannschaft ihre Gegner sehr früh attackieren will, war für Beck anfangs höchst ungewohnt, „inzwischen habe ich gemerkt, dass es meinem Spiel entgegenkommt“. Andreas Beck hat den Mut zur eigenen Courage entdeckt.

Je weiter vorne er attackiert, desto kürzer ist der Weg zum gegnerischen Tor, desto besser kann Beck seine Angriffslust ausspielen. „Seine Offensivqualitäten sind enorm hoch“, sagt Flick. Das heißt nicht, dass Beck mit seinem Offensivdrang lediglich seine Schwächen in der Defensive überspielt. Den Punktgewinn am Wochenende beim Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach hatten die Hoffenheimer vor allem Beck zu verdanken. Kurz vor dem Ausgleich verhinderte er bei einem Konter der Gladbacher gleich zweimal das 0:2. Ralf Rangnick, Hoffenheims Trainer, sagte später: „Andi hat schon besser gespielt.“

Porträt Mesut Özil: Meinungsseite

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