Per Mertesacker : "Das ist kein Traum mehr"

Per Mertesacker spricht im Interview mit Tagesspiegel-WM-Reporter Michael Rosentritt über den Besuch der Kanzlerin und seinen Glauben an den Weltmeistertitel.

Für Per Mertesacker ist der Erfolg der Nationalelf kein Zufall.
Für Per Mertesacker ist der Erfolg der Nationalelf kein Zufall.Foto: dpa

TAGESSPIEGEL: Herr Mertesacker, wie war die Rede der Kanzlerin?

PER MERTESACKER: Wir waren alle begeistert, dass sie nach dem Spiel gekommen ist. Die Stimmung in der Kabine war schon ziemlich ausgelassen: Wir sind im Halbfinale. Und dann stand sie plötzlich da.

TAGESSPIEGEL: Angela Merkel soll eine halbe Stunde bei der Mannschaft in der Kabine geblieben sein?

PER MERTESACKER: Auf die Uhr habe ich nicht geschaut, aber richtig, die Kanzlerin wollte uns ein paar Punkte sagen. Dass sie schwer begeistert gewesen ist von unserem Spiel. Sie hat uns erzählt von ihrem Besuch vor dem Spiel in einem Township. Dort hatte sie viele Kinder getroffen, die ihr alle gesagt haben, dass Argentinien das Spiel gewinnen wird, wegen Messi! Sie hat den Kindern darauf geantwortet, dass sie für Deutschland ist. Und das zu Recht und mit Stolz, wie sie uns sagte, weil wir als eine tolle Mannschaft aufgetreten sind.

TAGESSPIEGEL: Sie soll auch gesagt haben, dass es ein Traum ist …

PER MERTESACKER: Soll ich ehrlich sein?

TAGESSPIEGEL: Aber bitte!

PER MERTESACKER: Für uns ist das schon kein Traum mehr. Ich habe schon zu viel erlebt. Wenn man nur für ein Spiel hier hinkommt, dann sieht das vielleicht aus wie ein Traum. Wer aber die ganze Zeit dabei ist, wer gespürt hat, wie diese Mannschaft vom ersten Moment an gewachsen ist, für den ist das hier Realität.

TAGESSPIEGEL: Sie sind also nicht erstaunt von Ihrem Erfolg?

PER MERTESACKER: Was heißt erstaunt? Denken Sie doch mal zurück. Die Voraussetzungen waren nicht die besten. Es gab einige Hiobsbotschaften, wir hatten Ausfälle zu verkraften, und wir wussten nicht, wie wir das meistern würden. Deswegen kann man diesen Erfolg als Überraschung werten. Trotzdem haben wir immer wieder betont, dass was drin ist.

TAGESSPIEGEL: Sie selbst auch.

PER MERTESACKER: Ja, aber diesen Glauben muss man sich auch hart erarbeiten, damit er wirkt. In den letzten Tagen ist der Glaube gereift, dass wir eine Mannschaft sind, eine, die auch stark spielen kann. Sie hat sich zur richtigen Zeit gefunden. Wir schlagen den großen Turnierfavoriten Argentinien 4:0. Aber das geht nicht mal eben so, und sagt deswegen alles. Jeder glaubt, dass der Erfolg machbar ist. Wir wollen mehr!

Die Fragen stellte Michael Rosentritt.

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