Unsere WM-Experten : Marcel Reif: "Unbefriedigend, aber nicht durchgefallen"

Jetzt hat die WM für die deutsche Mannschaft richtig begonnen: Unser WM-Experte Marcel Reif über die Niederlage gegen Serbien, die vielleicht auch ihr Gutes haben könnte.

von
Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Zum Glück gab es Australien und die Zeit danach. Nicht weil die deutsche Mannschaft da so berauschend gespielt hat und so in den Himmel gelobt wurde. Es gab zum Glück Australien, weil sie da richtig mit einem Ergebnis umgegangen sind. Sie haben sich nicht blenden lassen. Ein bisschen hoch geflogen sind sie, ja klar, aber es war kein blinder Höhenflug. Und so müssen sie auch jetzt mit diesem Ergebnis umgehen: seriös. Sie wissen, dass eine WM nach einem 4:0 gegen Australien nicht gewonnen ist, aber auch, dass sie nach einem 0:1 im zweiten Spiel gegen Serbien noch nicht verloren ist. Eines ist aber passiert: Sie sind gelandet auf dem afrikanischen Boden.

Während gegen Australien alles wie von selbst lief, ging gegen Serbien nicht mehr viel zusammen. Da versprangen die Bälle, da kamen die Pässe nicht an. Da wackelte die Abwehr. Und dann noch dieser Elfmeter. Schwach war der geschossen, natürlich. Aber nicht von einem Schwachen. Podolski hat sich viele Chancen erarbeitet und er war derjenige, der sich am besten gefühlt hat, deshalb war es auch richtig, dass er geschossen hat. Es gibt in diesem Team keinen geborenen Schützen. Und eine peinliche Niederlage ist das 0:1 gegen Serbien auch nicht. Deutschland hat selbst mit zehn Mann über weite Strecken noch ein ordentliches Spiel abgeliefert und sich Chancen erarbeitet.

Und es nützt natürlich nichts, aber erwähnt werden muss es an dieser Stelle schon auch: Wie ein Schiedsrichter in einem an sich wenig giftigen Spiel acht gelbe Karten und eine Gelb-Rote zücken kann, ist ein absolutes Rätsel. Für viele Spieler war es der erwartet harte Test. Einfach zu sagen "nicht bestanden", wäre aber zu einfach. "Redlich bemüht" wäre gemein. Das Ergebnis lautet eher: "unbefriedigend, aber nicht durchgefallen." Nur muss sich jeder bewusst sein, dass noch härtere Spiele kommen werden. Eines mindestens. Das ist das Wesen einer WM.

Jetzt schon Schlüsse zu ziehen, über eine andere Aufstellung für das Spiel gegen Ghana nachzudenken, wäre zu früh. Natürlich wird der Sturm ein anderer sein, weil Klose wegen des Platzverweises fehlen wird. Aber auch über einen Holger Badstuber jetzt zu urteilen, wäre verfrüht. Die Spieler, Trainer, Betreuer und ja, irgendwie auch das ganze Land, müssen jetzt erstmal durchatmen. Jeder muss mit seiner Bauchlandung, die er gegen, das muss man auch sagen, geschickt agierende Serben, hingelegt hat, umgehen. Aber so viel steht fest: die WM hat für die Deutschen richtig begonnen. Sie sind gefordert. Lobeshymnen wird es nach diesem Spiel nicht geben – und das ist vielleicht auch gut so. Aber bitte auch keine unsachliche Kritik.

Marcel Reif kommentiert hier im Wechsel mit Arnd Zeigler, Philipp Köster, Michael Oenning und Fredi Bobic die WM.

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