USA - Ghana 1:2 : Afrika bleibt im Turnier

Als letztes Team des Gastgeber-Kontinents bezwingt Ghana die USA nach Verlängerung 2:1. Mit Kevin-Prince Boateng hat auch ein ehemaliger Deutscher mit einem Treffer Anteil am Einzug ins Viertelfinale.

Ghana bleibt im Rennen. Kevin-Prince Boateng und seine "Black Stars" schlagen die USA im Achtelfinale mit 2:1 nach Verlängerung.
Ghana bleibt im Rennen. Kevin-Prince Boateng und seine "Black Stars" schlagen die USA im Achtelfinale mit 2:1 nach Verlängerung.Foto: dpa

Es war die wohl größte Massenadoption in der afrikanischen Fußball-Geschichte. „Sie sind jetzt auch das Team unseres Landes“, sagte Jermaine Craig, der Sprecher des südafrikanischen WM-Organisationskomitees. Vor dem Achtelfinale gegen die USA wurde Ghana als einzige verbliebene von sechs afrikanischen Mannschaften von einer National- zu einer Kontinentalmannschaft. Und so war der 2:1 (1:0, 1:1)-Sieg gegen die Amerikaner ein Triumph für einen ganzen Kontinent. So wie es ein Spieler, der den Umriss Afrikas auf dem rechten Oberarm tätowiert trägt, vor dem Spiel versprochen hatte: „Ab sofort spielen wir für ganz Afrika.“ Sein Name: Kevin-Prince Boateng, seit Mai ghanaischer Staatsbürger.

Der kontinentale Vertretungsauftrag schien den 23-Jährigen geradezu zu beflügeln: Fünf flotte Minuten waren vor etwa 25.000 Zuschauern in Rustenburg gespielt, der Amerikaner Clint Dempsey hatte gerade einen harmlosen Schuss in die Arme von Richard Kingson abgegeben. Sein Abschlag landete beim Amerikaner Ricardo Clark, der den Ball an der Mittellinie vertändelte. Boateng nahm sich des Spielgeräts an und verlor keine Zeit. Er sprintete mit dem Ball durch die verblüffend apathische US-Abwehr und schob ihn in die linke untere Ecke ein.

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26.06.2010 20:41Ghana bleibt im Rennen. Kevin-Prince Boateng und seine "Black Stars" schlagen die USA im Achtelfinale mit 2:1 nach Verlängerung.

Nach seinem ersten Länderspieltor, Ghanas erstem Treffer aus dem Spiel heraus, war der Berliner kaum zu halten. Er warf Handküsse in die TV-Kameras, umarmte jeden greifbaren Mitspieler und schüttelte mit heraushängender Zunge ungläubig den Kopf. Sein Gegenspieler bildete ein Kontrastprogramm, wie es härter nicht sein kann: Kurz nach dem von ihm verschuldeten Gegentor holte sich Clark eine Gelbe Karte ab, nach einer halben Stunde nahm US-Trainer Bob Bradley den Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt aus der Partie.

Nach seinem eher unauffälligen Spiel gegen sein Geburtsland Deutschland wirkte Boateng hingegen diesmal wie aufgedreht. Nach zwölf Minuten segelte sein Schuss knapp übers Tor, dann nahmen ihn zwei US-Verteidiger auf dem Weg zum Tor grätschenderweise in die Zange. Der Ball landete bei Kwadwo Asamoah, doch seine Flanke fand den Weg zurück zu Boateng nicht. Boateng legte mit einem Flachschuss nach, kurz vor der Pause spielte er mit der Hacke auf Asamoah ab, dessen Distanzschuss das Tor verfehlte.

Die USA brachte eigentlich genug Erfahrung mit frühen Tiefschlägen in die Partie: Auch gegen England und Slowenien hatten sie Rückstände aufgeholt. Doch gegen die gut gestaffelte ghanaische Defensive kamen sie nur nach individuellen Fehlern zu Chancen, als Jonathan Mensahs Fehlpass es Robbie Findley gestattete, allein auf Kingson zuzustürmen. Doch der Torwart rettete.

Nach der Halbzeit versuchte es Trainer Bradley mit noch einem Wechsel, brachte Benny Feilhaber für Findley. Der Neue fügte sich auch gleich gut ein, als er von Jozy Altidore vor dem ghanaischen Tor freigespielt wurde, aber nicht um Kingson herumkam. Es war der Startschuss für eine erneute Aufholjagd der USA. Die Chancen häuften sich, als wieder Jonathan Mensah den Amerikanern zur Hilfe kam: Erst holte der 19-Jährige Clint Dempsey im Strafraum von den Beinen, dann Feilhaber. Beim zweiten Mal pfiff Schiedsrichter Viktor Kassai aus Ungarn. Beim Elfmeter hatte Landon Donovan Glück, dass sein Ball vom Innenpfosten ins Tor sprang. Es war bereits das dritte Turniertor des ehemaligen Bayern-Stürmers. Auf der Gegenseite fiel Boateng nur noch durch sinnlose Torschüsse aus allen Lagen auf. Nach siebzig Minuten musste er humpelnd vom Feld.

Die USA machten weiter Druck, Ghana wankte, aber fiel nicht. So kam es nach 90 Minuten zur ersten Verlängerung dieser WM. Und obwohl Ghana gegen Ende der regulären Spielzeit die Kräfte zu schwinden schienen, fand Asamoah Gyan die Energie, sich in den Strafraum durchzutanken, den Ball mit der Brust zu stoppen, sich von einem Rempler nicht aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen und überlegt einzuschießen. Ein herrliches Tor, sein drittes, und eines, das einem ganzen Kontinent das erste Viertelfinale seit 2002 bescherte. (Tsp)

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