Wiglaf Droste : "Boateng hat den Deutschen geholfen"

Wiglaf Droste spricht im Interview über seinen Fußballpreis und die deutsche Spielpoesie. Von Leitwölfen hält der Satiriker nichts, dafür aber umsomehr von Kevin-Prince Boateng.

"Dickschenklige Kraftmeier gibt es nicht mehr." Der Satiriker Wiglaf Droste hält nichts von Leitwölfen.
"Dickschenklige Kraftmeier gibt es nicht mehr." Der Satiriker Wiglaf Droste hält nichts von Leitwölfen.Foto: ddp

11Freunde: Herr Droste, wie sind Sie darauf gekommen, ausgerechnet den „Kevin-Prince-Boateng-Preis für werbefreien Fußball“ zu stiften?

WIGLAF DROSTE: Herr Boateng hat einen besonders aufdringlichen Werbeständer aus dem Fokus genommen. Außerdem hat er der deutschen Mannschaft wahrscheinlich sogar geholfen.

11Freunde: Der tolle WM-Auftakt der deutschen Elf scheint Sie zu bestätigen.

WIGLAF DROSTE: Es ist antiquiert, ein Spiel ganz auf einen Leitwolf abzustimmen, so wie man das früher mit Matthäus, Effenberg und diesen furchtbaren Gestalten gemacht hat. Gegen Australien hat man ein Mannschaftsspiel gesehen. Da geht Kraftsport in Poesie über.

11Freunde: Poetischer Fußball – das mutet sehr undeutsch an.

WIGLAF DROSTE: Den klischeehaften dickschenkligen Kraftmeier, der mit purer Körperkraft Deutschland ins Finale drückt, gibt es nicht mehr. Aber abwarten, wie es gegen Mannschaften läuft, die selber Druck ausüben. Dieses Wir-Gefühl entwickelt sich jedoch bei mir nicht.

11Freunde: Sie genießen lieber alleine?

WIGLAF DROSTE: Nein, alleine fernsehen ist ja autistisch. Das Australien-Spiel habe ich in einem griechischen Restaurant geschaut. Da gab es keinen Jubelterror. Nur Leute, die gerne guten Fußball sehen.

11Freunde: Ihr Preis ist mit einem Trikot von Alessandro del Piero dotiert. Warum?

WIGLAF DROSTE: Del Piero war ein sehr standorttreuer Spieler und verließ als Kavalier seine "alte Dame" Juventus nie. Bei ihm kam alles zusammen: Eleganz, Charakter, Intelligenz und Können.

11Freunde: Haben Sie keine Angst, dass manche Ihre Aktion in den falschen Hals bekommen? Del Piero versetzte der DFB-Elf 2006 den Gnadenstoß.

WIGLAF DROSTE: Darüber darf man gar nicht nachdenken. Die Grundlage unserer Überlegungen war ja auch erst einmal ein Jux. Vor vier Jahren erlebten wir unglaublich entspannte, feierwütige und friedfertige Deutsche. So lange, bis wir verloren.

11Freunde: Sie sagten einmal, der kommerzialisierte Fußball sei nur noch „Kot und Spiele“. Was nervt Sie besonders?

WIGLAF DROSTE: Die Medialisierung ist sehr lästig. Wenn es irgendwann jemandem gelingen sollte, den Fußball zu zerstören, dann denen, die ihn in die endlose Wiederholungsschleife schicken. Wie schon Paracelsus sagte: Die Dosis macht das Gift.

Das Gespräch führte Johannes Ehrmann.

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben