WM in Südafrika : Warten auf Frodo - die DFB-Pressekonferenz im Liveticker

Pressebrunch mit Fragestunde: Die Journalisten warteten eine Halbzeit und wurden von Lukas Podolski und Marko Marin mit einem Sketch-Up-Medley abgespeist. Eine Auftritt so humorvoll wie Guido Westerwelle. Dem Tagesspiegel-Ticker blieb das Lachen im Halse stecken.

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"Die nächste Frage." Lukas Podolski steht heute bei der Pressekonferenz des DFB Rede und Antwort.
"Die nächste Frage." Lukas Podolski steht heute bei der Pressekonferenz des DFB Rede und Antwort.Foto: ddp

14.00 Uhr

Die Stühle sind wieder leer, die Blicke der Journalisten ebenso. Sie wurden Zeugen der größten Frechheit im deutschen fernsehen seit bei "Wetten, dass...?" Buntstifte gelutscht wurden. Erst passiert eine Halbzeit lang nichts und dann verkommt die Pressekonferenz zur Open-Mic-Veranstaltung auf dem Niveau der BZ-Witzeseite. Was das sollte, wird Harald Stenger wahrscheinlich morgen erklären. Dann aber ohne uns. Das war's. Die WM ist gelaufen. Gute Nacht!

13.55 Uhr

Aus. Harald lässt den Vorhang fallen, verabschiedet sich bei den anwesenden Journalisten, weil er gleich noch zum Pilates muss. Podolski beendet die Pressekonferenz wie sie begonnen hat: Humorvoll auf Sketchup-Level: "Jürgen C. Lustig will noch was sagen, C. Lustig", kichert sich dabei von der Bühne. Lustig. Aber eigentlich überhaupt nicht. Nicht mal C. Lustig.

13.52 Uhr

Die Journalisten versuchen nun aus den kurzen Morsesätzen Marins seine Startelf-Chancen heraus zu lesen. "Haben Sie wieder in der B-Elf gespielt?". Schweigen. Marin lächelt. Podolski lächelt. "Da soll der Harald was zu sagen." Aber der Harald sagt auch nichts. Es entsteht ein Sprachvakuum, das niemand zu füllen vermag, nicht der Reporter von der SZ und auch nicht eine junge Hostess, die das Mikrofon versehentlich an den falschen Journalisten weiter gibt. In der Zusammenfassung bleibt die Erkenntnis: Podolski spielt heute nicht wegen eines starken Heimwehgefühls beim 1. FC Köln statt in Manchester, sondern wegen einer unerschütterlichen Sprachbarriere, Marin spielt in der A-Elf oder in der B-Elf, aber sich in der A-Elf, wenn die A-Elf die B-Elf wäre oder umgedreht und die australischen Journalisten werden nicht noch einmal eine Stunde auf die deutsche Lach- und Schießgesellschaft warten.

13.50 Uhr

Nun soll Marko Marin erklären, was er besser kann als Lukas Podolski. "Eine ganze Menge", sagt er und lacht, dann darf wieder Podolski. Zumindest verbal geht dieses Duell unentschieden aus.

13.45 Uhr

Lukas Podolski kopiert Augenthalers Wolfsburg-Pressekonferenz, stellt sich die Fragen selbst, antwortet knapp, zitiert dabei wahlweise aus Interviews von 2006 und 2008.

13.40 Uhr

Nun will ein australischer Journalist noch ein paar Fragen an Podolski stellen, wird vom Außenminister (links) mit der Großmannssucht des Unbedarften zurecht gewiesen: "Wie war die Frage noch mal." Stenger zuckt mit den Schultern, holt dann aber sein "Green Line" Lehrbuch aus der Mittelstufe hervor und klärt die Situation weltmännisch: "Pardon me, where is Picadilly Circus?" I think I spider.

13.35 Uhr

Sofort wird's richtig lustisch. Frage aus dem Journalisten-Pulk: "Herr Podolski, der Bundestrainer hat gesagt, Sie werden bei der WM explodieren. Das wäre schade, denn dann wären Sie ja weg." Die Tagesspiegel-Redaktion kollabiert in einem kollektiven Lachanfall. Dieter Hallervorden und Fips Asmussen kommen spontan in die Redaktion, um die PK noch einmal als Sketch nachzuspielen. Bevor alle Anwesenden jedoch eine Humorvergiftung erleiden, rettet Podolski die Situation mit dem Sarkasmus des Unbedarften: "Wieso weg?" Kurze Pause: "Achso (lacht). Ich dachte, weil ich dann den verein wechsel." In Erasmia herrscht jetzt eine Stimmung, dass man eine Nadel im Heuhaufen verstecken könnte. Oder so. Palimm, palimm.

13.30 Uhr

dann doch: Harald Stenger wankt auf die Bühne wie ein Tanzbär auf Apfelmost, entschuldigt sich für die Verspätung. "Es tut uns leid, dass wir eine Halbzeit hinten dran sind", will sich dann zum Pausentee verabschieden, wird aber von seiner eigenen Professionalität in der Gegenwart gehalten und eröffnet die Pressekonferenz mit ein paar lockeren Auftaktfragen an Podolski und Marin, die beide vorher ganz offensichtlich noch einmal ein Rhetorik-Training bei Olaf Thon absolviert haben.

13.20 Uhr

Stenger und seine Laienspielgruppe inszenieren weiterhin Samuel Beckett. In der Hauptrolle Marko Marin: Warten auf Frodo!

13.10 Uhr

Der DFB baut weiter Spannung auf. Mittlerweile erscheint Harald Stenger als überlebensgroßer Popstar, der es sich leisten kann, seine Fans auch ohne Vorband stundenlang warten zu lassen. Gleich wird er mit einer weiß behandschuhten hand an der Sponsoren-Bande vorbei winken, oder Marko Marin aus dem Fenster halten, während er sich selbst hinter einem Mundschutz versteckt. Manchmal ist Fußballberichterstattung eben auch wie tanzen mit Zombies.

13.05 Uhr

In Erasmia wird weiterhin "Mein rechter Platz ist leer" für Waldorff-Schüler gespielt. Als die Musik (Bushid, "Flaggen im Wind") ausgeht, sind immer noch fünf Stühle frei. Zeit für einen eurythmischen Seitenblick: Wie würde es eigentlich aussehen, wenn Bastian Schweinsteiger seinen Nachnamen tanzt? Wir rufen den N24-Tiernamen-Experten Hans-Hermann-Gockel an, der aber zu keinem Statement zur Verfügung steht, da er sich momentan in mühseliger Kleinstarbeit in alle Ausgaben des Lustigen Taschenbuchs hineinzeichnet.

13.00 Uhr

Statt Schwarzrotgold nur Schwarz-Gelb. Haben Westerwelle, Merkel und die anderen Anzüge mit Helium-Füllung abgewirtschaftet - ja, nein, vielleicht? Rufen Sie an, liebe Zuschauer. Die Leitungen 23, 4 und 19 sind geschaltet. Wir suchen einen Außenminister mit "W". Anrufer aus Großbritannien dürfen leider nicht teilnehmen. Hier wird Deutsch gesprochen.

12.55 Uhr

Außerkörpererfahrungen jenseits von Afrika: das Bild zeigt die Weltkugel von oben, wie ein Spiegelblick des Hubble-Teleskops. Dazu singt im Off eine Stimme irgendwo zwischen dem Schwiegersohn-Swing Roger Ciceros und dem Stimmband-Krampf Udo Lindenbergs. Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Petoria? Wahrscheinlich nicht. Eher die Draisine des Privatfernsehens. Endstation: Pro7-Newstime.

12.50 Uhr

Deutschland Vorzeigepfadfinder Arne Friedrich (2. Liga) philosophiert über den "Lagerkoller." Ergebnis: Es gibt keinen. Wäre Friedrich ein Fernsehprogramm. Wäre er ein Testbild. Bei Arte.

12.45 Uhr

Erneuter Blick nach Erasmia, wo auf den Stühlen noch in etwa so viel los ist wie unter der Woche im Bundestag. Im Hintergrund strickt sich Claudia Roth einen Exzentriker-Poncho und Jürgen Trittin versucht den Korrespondenten der FAZ in ein Gähn-Duell zu verwickeln und Harald Stenger verhandelt hinter den Kulissen über eine Diäten-Erhöhung. Getanzte Langeweile. Wann heißt es endlich: "Harald, Du darfst!"?

12.38 Uhr

Auf den Sommermärchen-Onkel folgt die Lichtgestalt Beckenbauer, der Firlefranz, der einzige Mensch, der einen Friedman-Talk nur mit sich selbst und ohne Michel Friedman bestreiten könnte. Frei nach dem Motto: Ein Stuhl zwei Meinungen. Diesmal aber vertritt er nur Kachelmann als Wettermann: "Die Spieler müssen sich warmlaufen, es ist kalt hier." Erst jetzt versteht man, wie dieser Mann 1990 als Teamchef Weltmeister werden konnte. Mit grenzenloser Weisheit. Hätte es diesen Kaiser schon vor 2010 Jahren gegeben, er wäre wahrscheinlich ganz alleine mit Myrrhe, Weihrauch und Gold in Bethlehem aufgetaucht, nachdem er seinem eigenen Licht gefolgt ist.

12.35 Uhr

Auf das Fernsehen ist Verlass. Wir vertreiben uns die Zeit mit guten Freunden, alten Bekannten und den ewig Omnipräsenten, die expertig in jedes Mikro experten, das ihnen unter das Kinn gehalten wird. Klinsmann, immerhin vom bayrischen Buddha-Guru zum RTL-Experten aufgestiegen interviewt sich selbst und glaubt fest an einen Sieg der deutschen Mannschaft gegen die Australier, will dann aus dem Nichts Odonkor für Stenger einwechseln, wird aber augenblicklich ausgeblendet und durch ein Safari-Standbild ersetzt.

12.30 Uhr

In Deutschland hingegen haben die ersten Fans schon wieder Fieber. Uns erreichen Bilder von vergilbten Fahnenwürsten und "Wirsindwiederwer"-Wimpeln, die man eigentlich längst vergessen hatte, die aber spätestens seit dem Grand Prix in Oslo doch wieder an jedem zweiten Opel Safira kleben. Nationalstolz im Zweijahrestakt. Und im Hintergrund rappt Bushido "Fackeln im Wind". Es ist endlich wieder WM. Toll, bzw.: Geht so.

12.25 Uhr

Um heute einmal unabhängig von den wirren, postmodernen Kamerafahrten der ntv-Redaktion berichten zu können, hatte der Tagesspiegel extra zwei Praktikanten entsandt, um eine Standleitung zu errichten. Die beiden sind jedoch am Wettergefälle gescheitert und kurz vor Pretoria in Flip-Flops, "Schland"-Shirt und Schwarzrotgold-Iro erfroren. Ein Sommermärchen. Ohne Sommer. Und irgendwie auch ohne Märchen.

12.22 Uhr

Auf ntv läuft zur Einstimmung auf die kommende Frage-Antwort-Runde im Baukastenprinzip ein wohl vertrauter Tetris-Soundtrack. Dann wird hart geschnitten und im Studio des Nachrichtensenders poppen die Mittagsmoderatoren auf, die scheinbar aus dem Restmaterial amerikanischer Telenovelas zusammen geschnitten wurden. Sie besteht dabei zu einer Hälfte aus Heather Locklear und zur anderen aus der Zweitbesetzung von Reich und Schön, er war mal Teil der Magnum-Besetzung. Als Schnurrbart-Double. Bevor die beiden nun endlich nach Erasmia schalten, retten sie noch eben eine Katze und verrennen sich dann in eine verhängnisvolle Affäre. Wieder Musik. Menschen-Tetris auf ntv.

12.20 Uhr

Willkommen zur ersten WM Pressekonferenz der deutschen Nationalmannschaft live aus Südafrika. In zehn Minuten wird DFB-Domian Harald Stenger in Erasmia zur Gesprächsrunde mit Schmunzelgarantie bitten. Mit dabei auf dem ntv-Talk-Sessel sind heute Lukas Podolski als Michel Friedman und Marko Marin als Jörn Hergen Schimpf. Voraussichtliche Themen: Fußball, WM und die deutsche Mannschaft. Für kurzfristige Änderungen im Drehbuch ist allein Harald Stenger verantwortlich, der als Ghostwriter sonst auch für den Tatort aus Hannover verantwortet. Spannung ist also garantiert. Gleich geht's los.

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