WM-Nebenschauplatz : Anhörung zum WM-Skandal der französischen Nationalmannschaft

Die französische Nationalversammlung hat am Mittwoch die wichtigsten Akteure zum Skandal um die Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Südafrika befragt. Fifa-Präsident Joseph Blatter protestierte gegen die "politische Einmischung".

Vorgeladen. Frankreichs Ex-Nationaltrainer Raymond Domenech und Ex-Verbandspräsident
Vorgeladen. Frankreichs Ex-Nationaltrainer Raymond Domenech und Ex-VerbandspräsidentFoto: dpa

„Der Alptraum ist endlich vorbei“ und „Die Tragikomödie hat endlich ein Ende“ titelten französische Zeitungen, nachdem sich die Equipe Tricolore vergangene Woche mit einer tristen 1:2-Schlappe gegen Südafrika aus dem WM-Turnier verabschiedet hatte. Ganz so schnell können die Franzosen den verfahrenen Auftritt ihres Teams dann aber doch nicht abhaken.

Mit der Anhörung der wichtigsten Akteure will die französische Nationalversammlung Klarheit in den Skandal um die Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Südafrika bringen. Der gescheiterte Nationaltrainer Raymond Domenech und Jean-Pierre Escalettes, der scheidende Vorsitzende der Fédération Française de Football (FFF), wurden am Mittwoch gleichzeitig befragt – das ist in etwa so, als würde der Bundestag Joachim Löw und DFB-Präsident Theo Zwanziger zum Rapport bitten.

Nach Protesten des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter wurden die Medien jedoch von der Anhörung ausgeschlossen. Der FFF habe darum gebeten, erklärte der zuständige Kulturausschuss.

Abgeordnete der Regierungsfraktion UMP verlangten die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. Blatter hatte dagegen am Dienstag gewarnt: „Politische Einmischung wird von der Fifa geahndet werden.“ Er bedauerte auch Escalettes’ angekündigten Rücktritt. Sportministerin Roselyne Bachelot hatte den Rücktritt des 75-Jährigen für unvermeidlich erklärt. Die Fifa hat bereits Fußballverbände wegen politischer Einmischung suspendiert.

Am Dienstagabend sagte die Sportministerin vor dem Kulturausschuss, es sei „niemals darum gegangen, den FFF unter Aufsicht zu stellen“. Sie habe niemals Druck auf Escalettes ausgeübt und nie den Rücktritt des demokratisch gewählten Funktionärs gefordert. Bachelot warf Domenech vor, „keine Autorität“ bei den Spielern mehr gehabt zu haben. Mannschaftskapitän Patrice Evra habe die Charta der Spielerpflichten nicht gekannt, die 2008 nach dem Debakel bei der Europameisterschaft formuliert worden sei. Hauptverantwortlich für das Drama seien die Spieler, die „verrückte Summen“ verdienten. Nicht Frankreichs Fußball sei in der Krise, sondern die Nationalelf.

Das kurze WM-Gastspiel der französischen Elf war von Skandalen geprägt. Star-Stürmer Nicolas Anelka musste vorzeitig nach Hause fahren, weil er Trainer Domenech beleidigt hatte. Das Team um Franck Ribéry verweigerte daraufhin aus Solidarität das Training. Ein Streit zwischen Patrice Evra und Konditionstrainer Robert Duverne sowie der Rücktritt von Delegationschef Jean-Louis Valentin machten das Chaos komplett.

Im FFF tobt derweil ein Machtkampf. Schatzmeister Bernard Desumer forderte den Rücktritt der gesamten Führung und erklärte sich bereit, als Interimspräsident einzuspringen. Vorstandsmitglied Bernard Saules erklärte: „Meine Solidarität hat Grenzen.“ Die Spieler müssten bestraft werden. Er sei nicht Domenechs Chef gewesen und sehe nicht ein, warum alle abtreten sollten, damit einige dann die Geschäfte übernähmen. (Tsp/dpa)

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