WM-Viertelfinale : Carlos Tevez: Da war doch was

Carlos Tevez hat wie sein Mentor Maradona mit den Deutschen noch eine Rechnung offen. Vor vier Jahren bei der WM in Deutschland sah er gegen einen gewissen Arne Friedrich keinen Stich.

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Du schon wieder.
Du schon wieder.Foto: picture-alliance/ dpa

Das Spiel war gerade aus, das schweißnasse Trikot mit einem Mexikaner getauscht, da kramte Carlos Tevez aus dem Winkel seines Hinterkopfes eine alte Rechnung hervor. Die von Berlin, 2006 im Olympiastadion, als Tevez und seine argentinischen Kollegen sich schon im WM-Viertelfinale verabschiedet hatten. Für Argentinien war es eine Demütigung im Allgemeinen und für Tevez im Besonderen. Kaum einen Zweikampf hatte der angehende Weltstar gewonnen, und das gegen einen Verteidiger, von dem er mutmaßlich noch nie gehört hatte.

Der Mann hieß Arne Friedrich.

Vier Jahre später hat Tevez die Karriere gemacht, die ihm sein Mentor Diego Maradona immer vorausgesagt hat. Zunächst bei West Ham United, später bei Manchester United und jetzt beim Lokalrivalen City. Der kleine Mann mit dem von einem früheren Unfall vernarbten Gesicht zählt zu den prägenden Figuren der Premier League. Mit seinen Dribblings und Gewaltschüssen ist er in jedem Spiel für ein Tor gut. Tevez ist einer, für den die Leute ins Stadion gehen, in England wie in Argentinien.

„Die Menschen lieben Carlitos, er ist ein wahrer Held des Volkes“, sagt Maradona. Beim 3:1 im Achtelfinale gegen Mexiko war Tevez der überragende Mann auf dem Platz, er schoss zwei Tore, darunter eines aus klarer Abseitsstellung, und er gewann so ziemlich jeden Zweikampf. Wenn es nicht weiter ins Gewicht fiel, dass Lionel Messi einen seiner raren schwächeren Tage erwischt hatte, dann lag das an der Leistung von Tevez. Als er nach 69 Minuten Platz machte für Juan Sebastian Veron, verabschiedeten ihn die argentinischen Fans mit Ovationen. Doch Mexiko war schnell vergessen, denn am Samstag will er Satisfaktion für die vor vier Jahren erlittene Demütigung. „Wir wollen unbedingt die Revanche“, sagte Tevez.

Es fügt sich in Tevez’ ganz persönliche Wiedergutmachungspläne, dass ihn dieser Weg wieder mit Arne Friedrich zusammenführt. Auch der Berliner Verteidiger hat eine Karriere gemacht, die ihm so niemand zugetraut hätte, allerdings in weit kürzerer Zeitspanne. Vor ein paar Wochen noch war er der überforderte Kapitän eines Absteigers, jetzt ist er einer der überragenden Innenverteidiger des Turniers.

Auch Maradona hat mit den Deutschen noch eine Rechnung offen, sie ist allerdings ein paar Jahre älter als die von Tevez. Dass Argentinien unter dem Kapitän Maradona 1990 das WM-Finale von Rom gegen Deutschland verlor, hat Maradona in seiner Autobiografie als Ergebnis einer internationalen Verschwörung gegeißelt. Folgt nun am Samstag eine späte Revanche?

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