Sport : Fußball zur Kaffeetafel

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Stefan Hermanns über den guten alten UefaCup und seine traurige Gegenwart

Der 24. Mai 2003 war ein guter Tag für den Berliner Fußball. An jenem Samstag hat Hertha BSC den 1. FC Kaiserslautern im Olympiastadion mit 2:0 besiegt. 50 580 Zuschauer wollten das Spiel sehen, nur einmal in der vorigen Bundesliga-Saison waren es mehr gewesen. Und als es vorbei war, feierten die Fans der Hertha ausgelassen den Einzug ihrer Mannschaft in den Uefa-Cup. In solchen Momenten fragt man sich, warum Deutschlands schlauester Fußball-Philosoph Franz Beckenbauer den Wettbewerb einmal als Cup der Verlierer bezeichnet hat, wenn er doch derartige Gefühlswallungen auszulösen vermag.

Vielleicht, weil die Fans in diesen Momenten nur an den FC Liverpool und den AS Rom denken, der Uefa-Pokal aber nun mal auch Groclin Grodzisk ist, Sartid Smederovo und Esbjerg FB. Der Kult wie im Fall des FC Schalke 04, der seine Arena selbst bei UI- Cup-Spielen voll bekommt, funktioniert eben nur bei Schalke. In Berlin hat Hertha den Dauerkartenbesitzern für das Spiel gestern gegen Grodzisk sogar freien Eintritt gewährt; gekommen sind sie trotzdem nicht, und sie werden ihr Fernbleiben nach dem 0:0 auch ganz bestimmt nicht bereut haben.

In solchen Momenten denkt man an alte Zeiten, als die Bezeichnung „Europapokal-Nächte“ noch durch die Realität gedeckt war. Inzwischen aber beginnen die Spiele kurz nach der Kaffeetafel, damit das Fernsehen viele direkt übertragen kann. Das ist das Problem. So wie früher wird es nie wieder werden. Die Vereine klagen zwar über dürre Zuschauerresonanz, aber solange das Fernsehen zahlt, nehmen sie das gern in Kauf.

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