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Wegen Rechtsstreits : DFB-Chef Zwanziger denkt an Rücktritt

09.12.2008 00:00 UhrVon Stefan Hermanns
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Klarer Treffer? DFB-Präsident Theo Zwanziger scheint im Streit mit einem Journalisten die Linie zu verlieren. Foto: dpa

Der DFB-Präsident Theo Zwanziger will im Rechtsstreit mit einem Journalisten das Äußerste nicht mehr ausschließen.

Theo Zwanziger achtet genau darauf, dass er seine privaten Angelegenheiten deutlich von denen seines Amtes trennt. Als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte er gestern zur Jahresbilanz des Verbandes nach Frankfurt am Main geladen, und erst nachdem alle Fragen zu diesem Thema beantwortet waren, nutzte er die Gelegenheit noch zu einer persönlichen Anmerkung. Es ging um den Streit mit dem freien Journalisten Jens Weinreich, der nach dem Willen Zwanzigers demnächst gerichtlich geklärt werden soll. Zwanziger fühlt sich von Weinreich, der lange Sportchef der „Berliner Zeitung“ war, in seiner Ehre verletzt. Er machte klar, dass es sich um eine persönliche Angelegenheit handle – für den DFB aber könnte sie weitreichende Folgen haben: Sollte Zwanziger den Prozess verlieren, wird er wohl als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zurücktreten.

„Ich werde meine persön liche Ehre nie auf dem Altar eines Amtes opfern“, sagte er.

Damit erhält die Affäre, die sich seit dem Sommer von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt abgespielt hat, eine neue Dimension. Angefangen hat sie mit einem Kommentar Weinreichs in einem Internetblog, in dem er Zwanziger vorwarf, „ein unglaublicher Demagoge“ zu sein. Der DFB-Präsident drehe nach der Durchsuchung des Bundeskartellamts beim DFB völlig durch, schrieb Weinreich anlässlich einer Tagung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), auf der Zwanziger referiert hatte. Er suche die Schuld an allen Problemen des Fußballs allein im Bosman-Urteil. Nach diesem Urteil dürfen Profi-Fußballer in Europa nach Vertragsende ablösefrei zu einem anderen Verein wechseln.

„Das ist eine Diffamierung meiner Person und meiner Arbeit“, sagte Zwanziger, der nun gerichtlich klären lassen will, ob diese Aussagen die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreiten. Weinreich sagte gestern auf Nachfrage: „Ich weiß nicht, was Herr Zwanziger damit bezwecken möchte und wen er damit beeindrucken will.“

Wo Zwanziger die Klage einreichen werde, in Koblenz, wo er selbst als Richter tätig war, oder in Berlin, steht noch nicht fest, ist für den DFB-Präsidenten allerdings auch unerheblich. „Wir werden den Prozess hier wie dort gewinnen“, sagte er. Weinreich wiederum hat eine Unterlassungserklärung gegen den DFB durchgesetzt, nachdem dieser in einer Pressemitteilung relevante Informationen zu dem Streit unterschlagen hatte. Etwa, dass zwei Gerichte Weinreich seine Äußerung nicht untersagen mochten.

Die Auseinandersetzung passt in das Bild, das der DFB trotz guter Zahlen in diesem Jahr abgegeben hat. Zwanziger sprach von einer „Dichte an glänzenden sportlichen Erfolgen“, sowohl bei Männern und Frauen als auch im Nachwuchs. Zum ersten Mal hat der Verband mehr als 6,5 Millionen Mitglieder, davon eine Million Mädchen und Frauen. Der DFB sei nach wie vor ein stabiler Verband, sagte Zwanziger, und auch wenn die Finanzkrise vor dem DFB nicht halt machen werde, „sind wir im Moment nicht unmittelbar berührt: Wir müssen nicht unter den Schutz des Staates treten“.

Getrübt werden die guten Nachrichten allerdings von internen Auseinandersetzungen, die in der Öffentlichkeit weitgehend auf Unverständnis gestoßen sind: zum einen der Streit zwischen Oliver Bierhoff mit Michael Ballack unmittelbar nach dem EM-Finale, noch viel mehr aber die Fehde zwischen Ballack und Bundestrainer Joachim Löw. „Nicht alles war gut“, sagte Zwanziger. „Konflikte in der Spitze sind immer unangenehm, dauern an und werden genüsslich beleuchtet in der Öffentlichkeit.“

Das gilt auch für seinen eigenen Konflikt mit Jens Weinreich, der erst durch die Ankündigung einer Klage überhaupt von einer breiteren Masse wahrgenommen wurde. Trotzdem verteidigte Zwanziger sein Vorgehen: „Ich will das wissen.“ Es gebe ein Wortprotokoll der DOSB-Tagung. Mit dessen Hilfe will Zwanziger nachweisen, dass Weinreichs Kritik auf falschen Tatsachenbehauptungen beruhe, keinen sachlichen Bezug habe und deshalb die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreite. „Das ist eine klassische Schmähkritik.“

Für den DFB-Präsidenten geht es um eine Grundsatzentscheidung, das bestreitet er nicht. Selbst im Verband hat man ihm Zurückhaltung empfohlen, anstatt den Fall mit einer Klage aufzuwerten. „Denken Sie taktisch“, habe man ihm geraten. „Mach ich nicht!“, sagte Zwanziger. „Man kann auch mal Mut haben.“

Das Erstaunliche ist: Zwanziger ist selbst zum Äußersten bereit. „Es kann sein, dass ich empfindlicher bin“, sagte er. Aber wenn das Gericht feststelle, dass Weinreichs Äußerungen durch die Meinungsfreiheit gedeckt seien, verliere das Amt des DFB-Präsidenten für ihn jegliche Faszination. „Das ist so. Da belüge ich Sie nicht.“ Er werde in diesem Fall sehr ernsthaft erwägen, „ob ich dieses an sich sehr schöne Amt weiterführen kann“, sagte Zwanziger. „Wenn Sie spekulieren, diese Entscheidung ist schon gefallen, dann liegen Sie nicht falsch.“

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