Sport : Galatasaray - Real: Atatürk weist den Weg

Thomas Seibert

Es war mehr als nur ein Fußballspiel, das lag für den türkischen Fernsehsender NTV am Tag danach auf der Hand. Der 3:2-Sieg von Galatasaray Istanbul über Real Madrid habe den von der schweren Wirtschaftskrise gebeutelten Türken endlich wieder etwas Mut eingeflößt, kommentierte NTV. Die Preise steigen, die Währung fällt ins Bodenlose, der Staat steht vor dem Bankrott. Egal, denn es gibt ja Galatasaray. Die erste türkische Mannschaft, die es je ins Viertelfinale der Champions League schaffte und jetzt sogar ins Halbfinale vorrücken könnte, wird zum Hoffnungsträger einer Nation, die sonst nicht viel zu lachen hat. Zumindest im Fußball sind die Türken wer in Europa.

"Wie Phönix aus der Asche hat Galatasaray die Spanier besiegt", freute sich die Zeitung "Hürriyet" und wusste auch, wie Trainer Mircea Lucescu dieses kleine Wunder vollbracht hatte: Nachdem der Türkische Meister in der ersten Hälfte schon 0:2 zurück lag, habe sich der Trainer in der Pause seine Spieler vorgeknöpft und ihnen in ruhigem Tonfall Mut gemacht: "Geht raus, greift an und siegt. Es geht um die Ehre des Vereins." Das reichte. "In der zweiten Halbzeit haben wir prächtig gespielt", befand Mittelfeld-Regisseur Gheorghe Hagi. Star des Abends war der Brasilianer Mario Jardel, dessen Kopfballtor zum 3:2 kurz vor Schluss die Entscheidung brachte. "König Jardel hat den Königlichen von Real Madrid gezeigt, wer der Größte ist", hieß es am Mittwoch in der Zeitung "Milliyet".

Beim Sieg über Real konnte sich Galatasaray wie immer auf seine treue und lautstarke Gefolgschaft auf den Rängen des Ali-Sami-Yen-Stadions verlassen. Schon Tage vor der Begegnung war das Stadion ausverkauft, was den Schwarzmarkt derart beflügelte, dass die Polizei eingriff und zehn Verdächtige festnahm. Tausende verbrachten den Abend vor dem Stadion im Istanbuler Stadtteil Mecidiyeköy, weil sie keine Karten mehr bekommen hatten. Beim Spiel selbst feuerten die Fans ihre Mannschaft 90 Minuten lang an und griffen beim 0:2 in ihrer Not sogar auf den Lieblingsmarsch des türkischen Staatsgründers Atatürk zurück, der normalerweise von einrückenden Rekruten gesungen wird: "Der Nebel liegt auf den Bergen."

Den Lärm von den Rängen werde er sein ganzes Leben nicht vergessen, sagte Galatasarays Stürmer Fatih später. Fans und Spieler des Klubs hoffen, dass es davon bald noch viel mehr geben wird. Die richtige Party werde es erst nach dem Rückspiel in zwei Wochen geben, kündigte Fatihs Kollege Okan an: "Am 18. April ist Feiertag."

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