Sport : Galopp im Schatten des Krieges

Im Wüstenstaat Dubai findet trotz der Kämpfe im nahen Irak das mit 15 Millionen Euro Preisgeld höchstdotierte Pferderennen der Welt statt

Ingo Wolff

Berlin. Scheich Maktoum bin Rashid Al Maktoum hat ein großes Problem. Der Herrscher des Wüstenstaates Dubai will in den nächsten Tagen auf seiner Pferderennbahn tausende hochrangige Gäste für den Dubai World Cup, dem höchstdotierten Renntag der Welt, begrüßen. Mehr als 15 Millionen Euro Preisgeld warten am Samstag auf die Besitzer der Rennpferde. Das Rennen ist ein Höhepunkt im Pferdesport. Eigentlich. Denn diesmal wird das Treffen der Reichen überschattet durch den Krieg im nahen Irak.

Nun fürchtet der Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate um seine Gäste. Zum einen, weil zwischen dem kleinen Emirat am Persischen Golf und der irakischen Hauptstadt Bagdad nur 800 Kilometer Luftlinie liegen und das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt ein mögliches Ziel für irakische Raketen sein könnte. Immerhin verdankt die Herrscherfamilie ihren unermesslichen Reichtum den Erdöl- und Erdgasvorkommen und gab sich in den vergangenen Jahren prowestlich. Zum anderen gibt es da noch ein logistisches Problem. Denn die meisten Gäste und Pferde werden mit dem Flugzeug in die Wüste kommen, vorrangig aus Europa und Amerika. Ein Problem für die landeseigene Fluggesellschaft. Die Emirates ist nicht die einzige Airline, die um das Krisengebiet Irak einen großen Bogen macht. Für die wertvolle Fracht wurde eigens ein ausgeklügelter Flugplan entwickelt. Wegen der Sperrung des Flugraums konnten die Maschinen nicht den gewohnten Weg nehmen und mussten auf andere, wesentlich längere Routen ausweichen.

Die beiden deutschen Starter Boreal und Paolini, letzterer immerhin einer der Favoriten auf den Sieg beim Dubai World Cup, mussten zum Beispiel den Umweg über Amsterdam nehmen. Selbst für Tiere, die weite Flugreisen gewohnt sind, eine belastende Situation. Aber trotz der angespannten politischen Situation im Mittleren Osten und den zusätzlichen Reisestrapazen gibt es bislang nur sehr wenige Absagen von Gästen und Aktiven. Ein Grund könnte das Geld sein. Denn selbst aus den USA reisen 13 Pferde an, eine neue Rekordzahl für amerikanische Teilnehmer. Nur einem der besten Jockeys der Welt, dem Amerikaner Jerry Bailey, ist die Situation zu gefährlich. Der vierfache Sieger des Dubai World Cups entschied sich deshalb gegen eine Reise in das wichtigste Handelszentrum der Emirate.

Gelassener geben sich die Organisatoren des Wüstenrenntages. Obwohl das Rennen vor drei Wochen kurzfristig aus der inoffiziellen Weltmeisterschaftsserie geflogen ist, entschieden sich die Veranstalter um den deutschen Manager Hauke Wilkens gegen eine Absage. Die Entscheidung des Komitees der World Series überrascht deshalb, weil die Al-Maktoum-Familie mit ihrem Stall Godolphin sowohl sportlich als auch politisch die internationale Rennszene beherrscht. Immerhin war Scheich Mohammed Al Maktoum einer der Initiatoren der inoffiziellen Weltmeisterschaft. Zudem war die Fluglinie Dubais in den ersten drei Jahren der große Geldgeber der Serie. Dubai gab seit 1999 immer den Startschuss für die so genannte Formel 1 der Pferde. Eine Veranstaltungsserie, die aus den 14 wichtigsten Rennen der Welt besteht.

Allerdings hat Scheich Mohammed Al Maktoum als Verteidigungsminister derzeit weitere wichtige Aufgaben. Vermutlich wird die internationale Diskussion um die Wiederaufnahme in die Rennserie schon nach Ende des Krieges wieder eine andere Richtung bekommen. „Ich hoffe, dass Dubai im kommenden Jahr wieder dabei ist“, sagt Wilkens. Für den kommenden Renntag sind dies allerdings nur Nebengeräusche. Die Scheich-Familie wird ihre Gäste wieder luxuriös verwöhnen. Es ist bereits das achte Mal, dass die Herrscherfamilie die Galoppwelt in ihr Emirat einlädt. Selbstverständlich auf Kosten des Ölscheichs. Sobald es um Galopp-Pferde oder Rennkamele geht, spielt das Geld für die Scheichs keine Rolle mehr. Es ist neben den Luxuslimousinen das große Hobby.

Und der Scheich geht liebevoll mit seinem Spielzeug um. Die Anlagen rund um die Rennbahn strotzen voller Luxus für die Pferde. Von klimatisierten Ställen bis riesigen Wasserbecken ist alles vorhanden. So geht es den Tieren besser als den meisten Menschen in der Region. Die Pferde danken es ihrem Besitzer mit zahlreichen Siegen. Doch auch bei den Mitarbeitern auf der Rennbahn Nad Al Sheba ist man angesichts des nahen Irak-Krieges wenig besorgt. „Hier läuft das ganz normale Tagesgeschäft“, sagt Jim Cornes, einer der Verantwortlichen auf Dubais Rennbahn. Also keine Angst vor Anschlägen bei dem Rennen der Reichen? Cornes zuckt die Schultern. „Wenn man nicht den Fernseher einschalten würde“, sagt er, „würde man nicht wissen, dass der Krieg begonnen hat“.

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