Sport : Ganz unten

Hertha BSC verliert 1:3 gegen Schalke 04 und steckt nach der zweiten Niederlage in Folge tief im Abstiegskampf

Klaus Rocca,Michael Rosentritt

Von Klaus Rocca

und Michael Rosentritt

Berlin. Er ging zügigen Schrittes von der Trainerbank in Richtung Kabine, hinter ihm wütende Rufe „Stevens raus!“ und vor ihm wütende Rufe „Stevens raus!“. Es war für Huub Stevens eine Situation, wie er sie in dieser Saison schon mehrmals erlebt hat, doch gestern war sie für ihn besonders bitter. Da wollte er mit Herthas Profifußballern mit einem Heimsieg über seinen alten Verein Schalke 04 Anschluss ins Mittelfeld finden – und dann diese Blamage! „Wir hab’n die Schnauze voll“, riefen die Fans erbost nach dem 1:3 (1:0). Spätestens seit gestern Abend ist klar: Hertha BSC steckt mitten im Abstiegskampf.

Dabei wollte Stevens am Abend seinen 50. Geburtstag trotz noch nicht überstandener Grippe fröhlich nachfeiern. Die Voraussetzungen waren denkbar schlecht. Herthas Trainer wird als Haupt-Sündenbock für die tiefe Krise gebrandmarkt. „Stevens und Hoeneß sind Herthas Totengräber“, stand im Olympiastadion auf einem Plakat. Der Manager, der sein eigenes Schicksal mit dem des Trainers verbunden hat, kommt noch relativ ungeschoren davon, Stevens nicht.

Der Vermutung, er werde nun von sich aus den Trainerstuhl räumen, trat Stevens gleich nach dem Spiel energisch entgegen. Er werde weiter kämpfen, „wie ich das auch zuvor stets getan habe“. Und Hoeneß ließ keinen Zweifel daran, dass er keineswegs daran denke, Stevens zu entlassen. Die Mannschaft sei schuld, nicht der Trainer.

Stevens nahm das gern auf. „Ich wollte Kerle sehen, als es ernst wurde. Ich habe sie nicht gesehen“, kritisierte er seine Spieler. Es sei wie schon so oft in dieser Saison eine Sache des Kopfes gewesen. Anstatt aufzustehen und sich gegenseitig zu helfen, sei die Mannschaft nach dem Ausgleichstor zusammengebrochen.

Dabei schien es nach dem Führungstor der erhoffte Befreiungsschlag zu werden. Da hatte Denis Lapaczinski, erstmals seit eineinhalb Jahren von Anfang an dabei, nach guter Vorarbeit von Arne Friedrich und Luizao sein erstes Saisontor erzielt. Doch anstatt nun darauf aufzubauen, wurden die Herthaner spätestens nach dem Ausgleichstor durch Niels Oude Kamphuis wieder von dieser unerklärlichen Verunsicherung erfasst. Die Folge waren die Treffer von Tomasz Waldoch und Gerald Asamoah, nachdem Ebbe Sand gegen die Latte geköpft hatte.

Am Ende boten die Herthaner wieder jenen Fußball, den kürzlich ein Fan auf der Mitgliederversammlung als „am Rande der Körperverletzung“ bezeichnet hatte. Ohne jedes Selbstvertrauen machten die Spieler selbst die einfachsten Dinge falsch. Die wütenden Sprechchöre der Fans unter den 37 000 Zuschauern trugen noch ihren Teil zum unansehnlichen Gekicke bei. Zufrieden waren nur die vielen Schalke-Anhänger, die sich mächtig bemerkbar machten.

Es wäre ein Trugschluss anzunehmen, die Schalker hätten Hertha mit großem Fußball die Grenzen aufgezeigt. Auch die Gäste spielten dürftig, profitierten letztlich von den Geschenken der Herthaner. Verdient war ihr Erfolg aber allemal. Schon deswegen, weil sie ihre Chancen cleverer nutzten. Dabei mussten sie auf Agali, Hanke und Matellan verzichten. Ausfälle, die nicht weniger ins Gewicht fielen als die von Marcelinho, Simunic, Kovac und Marx.

Unter die Kategorie Ausfall könnte man auch Fredi Bobic einorden. Ehe er Nando Rafael Platz machen musste, fiel er nur durch Reklamationen beim guten Schiedsrichter Michael Weiner auf. Als Bobic nach seiner Auswechslung vom Platz ging, wäre er gern von Stevens abgeklatscht worden. Doch der machte da nicht mit. „Seine Leistung war nicht gut“, gab Stevens als Begründung an. Die Atmosphäre zwischen Trainer und Spielern scheint nicht besser zu werden.

Und es ist zu befürchten, dass sie noch schlechter wird. Es fällt schwer, nach dem gestrigen Spiel an Erfolgserlebnisse beim Pokalspiel am Mittwoch in Bremen und darauf in Dortmund zu glauben.

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