Sport : Gastgeber aus Tradition

Die Frankreich-Rundfahrt führt zum elften Mal auch durch Deutschland

Claus Vetter

Mit sportlichen Großereignissen war der Berliner Bezirk Wedding in den Achtzigerjahren nicht reichlich gesegnet. Insofern war das, was sich an einem Donnerstagmorgen am Leopoldplatz abspielte, außergewöhnlich. Hunderte Menschen warteten am 2. Juli 1987 am Straßenrand auf ein paar Sekunden große Radsportwelt. Nachdem die Werbekarawane endlich vorbeigezogen war, huschte der Tross der Profis vorbei, bog von der Luxemburgerstraße in die Müllerstraße ein. „Da ist der Didi“, brüllte ein Zuschauer noch. Und dann war der Didi Thurau auch schon vorbeigerauscht. Im Ziel am Schöneberger Rathaus gewann der Niederländer Nico Verhoeven die erste Etappe der Tour de France, weit vor Thurau, der nach zehn Etappen aufgab.

Der Prolog, die erste Etappe – mit Bergwertung im Grunewald – und ein Mannschaftszeitfahren: Drei Millionen Mark kostete Berlin der im Rahmen der 750-Jahr-Feier stattfindende Besuch der Frankreich-Rundfahrt. Die Tour zu Gast in Deutschland, das hat Tradition. Auch dieses Jahr führt sie wieder durch Deutschland, für 178 Kilometer. Die siebte Etappe endet in Karlsruhe, die achte wird am 9. Juli in Pforzheim gestartet. Bereits zum elften Mal kommt die Tour nach Deutschland. Die Geschichte des Radsportereignisses in Deutschland begann 1964 in Freiburg. Schon damals war das Gastspiel teuer. 1965 ließ sich ein Kölner Veranstalter den Start vor dem Dom 100000 Mark kosten. Dafür war die Segnung der Profis durch Kardinal Joseph Frings umsonst.

Doch obwohl die Tour teuer ist, verspricht sie ein Vielfaches der Investition. „Unser Haushalt sieht einen Etat von rund 500000 Euro vor“, sagt Karlsruhes Oberbürgermeister Heinz Fenrich. Sponsoren sollen zum Teil für die Kosten aufkommen. Laut Fenrich hat der Tour-Besuch Saarbrücken im Jahr 2002 zwölf Millionen Euro eingebracht. Karlsruhe hoffe in diesem Jahr auf einen ähnlichen Erlös. Die Stadt plant als Rahmenprogramm ein großes Stadtfest. Christel Augenstein, Oberbürgermeisterin von Pforzheim, sieht einen weiteren Nutzen der Tour: „Wir haben die Chance, uns als Stadt einem Millionenpublikum weltweit zu präsentieren.“

Auch die Tour hat mit ihrem Ausflug die Chance, sich einem größeren Publikum zu präsentieren. Zudem, so glaubt Rudy Pevenage, Berater von Jan Ullrich, bringt der temporäre Heimvorteil auch den deutschen Profis etwas. „Das lange Zeitfahren zu Beginn und der Deutschland-Abstecher sprechen für Jan“, sagt Pevenage vor dem Start der Tour, die auch nächstes Jahr wieder eine internationale Rundfahrt sein wird. Dies hat ihr designierter Direktor Christian Prudhomme schon angekündigt. Sieben deutsche Städte haben sich schon als Veranstalter angeboten, unter anderem auch Freiburg, das schon vor fünf Jahren Etappenort war.

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