Sport : Gefühlte Stärke

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Stefan Hermanns erklärt, warum die Bayern in argen Problemen stecken

Möge bitte niemand behaupten, es habe den Bayern in Aachen an Leidenschaft gemangelt. Hasan Salihamidzic ist sogar ziemlich leidenschaftlich geworden – nach dem Spiel. Da hatte ein Reporter nach den Gründen für das gesammelte Schweigen der Münchner Fußballer geforscht und Salihamidzic gefragt, ob sie feige seien oder ob sie nichts sagen dürften. Immerhin brachte die Provokation Salihamidzic dazu, als einer von drei Bayern überhaupt etwas zu sagen. Die anderen, Kapitän Oliver Kahn und Manager Uli Hoeneß inklusive, flüchteten lautlos, und die Sprachlosigkeit verstärkte den Eindruck von einer Truppe, der irgendwie die Leidenschaft abhanden gekommen ist.

Trainer Ottmar Hitzfeld enthüllte anschließend mit einem Versprecher mehr über den Zustand des Vereins, als er vermutlich jemals freiwillig zugeben würde. In der zweiten Halbzeit habe seine Mannschaft die Aachener im Griff gehabt, „und somit das Spiel verdientermaßen gewonnen“, sagte Hitzfeld. Nach der Niederlage. Die Möglichkeit, dass die Bayern einem Zweitligisten unterliegen, lag wahrscheinlich ganz einfach außerhalb seiner Vorstellungskraft. Dabei werden sich die Bayern in dieser Saison vielleicht noch ganz andere Dinge vorstellen müssen: dass sie ohne Titel bleiben, zum Beispiel.

Das Problem der Bayern ist, dass sie sich für stärker halten, als sie zurzeit sind. Deshalb wird ihnen alles, was man früher für Selbstvertrauen gehalten hätte, heute als unangemessene Arroganz ausgelegt. Das noch größere Problem ist: Genau diese Haltung hat die Bayern bisher immer so stark gemacht.

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