Sport : Gegen die Erwartung

Hertha kann nach dem halbwegs souveränen Sieg in Trier gelöster in die Bundesliga starten als vor einem Jahr

Stefan Hermanns

Berlin - Ein bisschen muss man es Patrick Ebert nachsehen, dass er sich einer übergroßen Geste bediente. Ebert hat in der vergangenen Saison genau ein Tor für Hertha BSC geschossen, für ihn ist jedes Tor per se so groß, dass es gar keine übergroße Geste geben kann. Der 21-Jährige hatte gerade in der Schlussphase mit einem Kopfball das 3:1 für Hertha BSC erzielt, keinen besonders wertvollen Treffer also, weil das Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen Eintracht Trier ohnehin so gut wie entschieden war; doch noch im Abschwung legte Ebert seine Hand hinters Ohr, wie es Stürmer tun, wenn sie ihren speziellen Trotz zum Ausdruck bringen wollen. Ein ganz persönlicher Gruß? Oder wählte Ebert die Geste stellvertretend fürs gesamte Kollegium, um gegen die latente Geringschätzung seiner Mannschaft zu protestieren? Wann immer nämlich im Sommer der nationale Pokalwettbewerb beginnt, sieht sich der Berliner Fußball-Bundesligist mit der Erwartung konfrontiert, dass es für ihn schon schnell wieder zu Ende sein wird.

Sogar die eigenen Fans begleiteten den Auftritt in Trier mit selbstironischen Gesängen, als die Berliner die Vorurteile mal wieder zu bestätigen schienen. Nach der frühen Führung durch Marko Pantelic „dachten wir, das Ganze wäre gelaufen“, sagte Trainer Lucien Favre. Seine Mannschaft, so drückte er es aus, habe sich „ein wenig dekonzentriert“, sie kassierte gegen den Viertligisten das 1:1, fand nach der Pause aber wieder auf den rechten Weg zurück und spielte am Ende noch einen passablen Sieg heraus. Den präsidialen Auftrag von Werner Gegenbauer, nicht nur phasenweise, sondern durchgehend ansehnlich zu spielen, erfüllte die Mannschaft zwar nicht, aber gegen einen Gegner wie Trier muss das nicht zwingend dramatische Konsequenzen haben.

Die eigentliche Saison beginnt ja erst in einer Woche mit dem Auswärtsspiel in Frankfurt. Bei aller Vorsicht lassen sich aus den bisherigen Auftritten im Uefa-Cup gegen Otaci und im DFB-Pokal gegen Trier aber zumindest leicht positive Hinweise für die Bundesliga destillieren. Die Mannschaft hat die lästigen Aufgaben ohne Glanz, aber immerhin erfolgreich hinter sich gebracht. „Wichtig war, dass wir als Mannschaft zurückgekommen sind“, sagte Fabian Lustenberger, der in Trier das vorentscheidende 2:1 erzielte.

Anders als vor einem Jahr, als sich Hertha gegen Unterhaching in die nächste Runde mogelte, empfand Favre den Sieg in Trier als weitgehend gerecht. Der Schweizer startet ohnehin deutlich gelöster in seine zweite Bundesligasaison, weil er jetzt eine Mannschaft beisammen hat, die seinen hohen Qualitätsmaßstäben sehr viel besser gerecht wird. In Trier wechselte Favre kurz vor Schluss Neuzugang Amine Chermiti ein, einen erklärten Wunschspieler des Trainers. Der Tunesier erhöht den Konkurrenzkampf in der Offensive, in der sich Marko Pantelic bisher als weitgehend konkurrenzlos fühlen durfte. Chermiti kam in Trier für: Pantelic. Stefan Hermanns

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