Gegen Minden : Füchse siegen dank der Geduld ihres Trainers

Im Spiel gegen Minden kamen die Füchse in der zweiten Halbzeit nicht sonderlich gut zurecht. Der neue Trainer war gefordert und zeigte, dass er in solchen Situationen auf eine Komponente besonderen Wert legt: auf Ruhe.

Rafael Buschmann[Minden]

Zum wiederholten Male setzte sich GWD Mindens Kreisläufer Anders Henriksson gegen die neu formierte Füchse- Deckung durch. Die Absprache zwischen Kapitän Torsten Laen und Stian Vatne stimmte im Auftaktspiel gegen die Ostwestfalen (26:21) ab Mitte der zweiten Halbzeit nicht mehr, die Abwehr begann zu bröckeln. Der Trainer war gefordert. Und der neue Trainer der Füchse, Dagur Sigurdsson, zeigte, dass er in solchen Situationen auf eine Komponente besonderen Wert legt: auf Ruhe.

Der Isländer wechselte kurzerhand Vatne aus, beorderte ihn aber ganz nah neben sich auf die Bank. Der 36 Jahre alte Trainer kramte in seiner Tasche, zog eine Mini-Taktiktafel heraus und setzte sich neben Vatne. Der hörte artig zu und sah, wie Sigurdsson beinahe zeitlupenartig die Figuren auf dem Feld umherschob und anzeigte, wie das Kreisläuferspiel in den Griff zu bekommen sei. Sekunden später stand Vatne erneut auf dem Platz. Und siehe da: Henriksson erzielte bis zum Spielschluss lediglich noch ein Tor.

„Der Trainer ist sachlich und analytisch. Er hat bisher noch niemanden von uns angeschrieen“, sagt Sebastian Schneider. Der 24-Jährige, der durch die Verletzung von Michal Kubisztal in die Stammformation gerutscht ist, erkennt eine weitere Besonderheit am neuen Coach: „Er redet uns stark und gibt jedem sehr viel Selbstvertrauen.“

Kapitän Laen sagt: „Klar ist unser Trainer auch kritisch, aber er bringt die Dinge auf den Punkt und macht keine unnötigen Aktionen.“ Der Däne Laen steht im ständigen Kontakt zum Isländer Sigurdsson, er ist sein Assistent auf dem Feld. Beide sind charakterlich ähnlich und unterstützen die Entscheidungen des anderen. „Ich hätte es nicht gut gefunden, wenn der Trainer in der Halbzeit laut geworden wäre“, sagt Laen.

Trotz des 12:13-Rückstands behielt Sigurdsson in der Kabine die Ruhe. Er besprach mit seinem Team Lösungsmöglichkeiten, um adäquat gegen die aggressive 5:1-Deckung der Mindener vorzugehen. „Er hat uns an bestimmte Trainingsinhalte erinnert, hat uns gesagt, welche Konzeptionen wir spielen sollen“, sagte Linksaußen Konrad Wilczynski. Zudem nahm Sigurdsson Linkshänder Mark Bult in einem persönlichen Gespräch zu sich. Der Niederländer agierte in der ersten Halbzeit größtenteils wie ein Statist, musste nach seiner Auswechslung sogar zusehen, wie Nachwuchstalent Runar Karason mit tollen Einzelleistungen Tore warf. Sigurdsson baute den ehemaligen Nordhorner Bult auf, sagte ihm, dass er ihn im zweiten Durchgang noch bräuchte. Und Bult bedankte sich für das Vertrauen: Kurz nach seiner Einwechslung erzielte er zwei schnelle Tore und zeigte in der Deckung eine couragierte Leistung.

„Jeder im Team ist wichtig. Wir haben einen großen Kader, ich werde im Laufe der Saison jeden Spieler brauchen“, sagt Sigurdsson. „Wir haben gemeinsame Ziele, für die wir hier kämpfen. Meine Person ist dabei nur ein Teil im Puzzle.“ Ganz im Gegenteil zu Bob Hanning. Der Füchse-Geschäftsführer merkte an: „Der Trainer macht jetzt schon eine hervorragende Arbeit. Seine Handschrift ist absolut zu erkennen, er arbeitet sehr intensiv und ruhig.“ Die Zeiten, in denen ein Jörg-Uwe Lommel seine Spieler regelrecht zusammenstauchte, scheinen bei den Füchsen vorbei.

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