Sport : Geld auf Eis

Sind Herthas Spieler zum Gehaltsverzicht bereit?

Klaus Rocca

Nein, sprach Pal Dardai auf der Autofahrt in seine ungarische Heimat ins Handy, das werde wohl keine fröhliche Weihnacht. Wobei Dardai weniger auf seine Sprunggelenksverletzung anspielte als auf die finanziellen Einbußen, die ihm und seinen Teamkameraden von Hertha BSC demnächst drohen. „Ich bin bereit, auf Geld zu verzichten“, sagte der Mittelfeldspieler.

Nach der total verkorksten Hinrunde waren Dardai und seine Mannschaftskameraden vom erbosten Manager Dieter Hoeneß mit der Forderung auf Lohnverzicht konfrontiert worden. Schon am Abend nach der spielerischen Offenbarung in Köln soll Hoeneß den Spielern nahe gelegt haben, auf 25 Prozent ihres vertraglich vereinbarten Grundgehaltes zu verzichten. Allerdings wäre das Geld nur im Falle des Abstiegs weg. Im Gespräch ist, das Geld einzufrieren und im Falle des Nichtabstiegs wieder auszuzahlen. Die Verantwortlichen sollen die Mannschaft gefragt haben, ob sie fest an den Klassenerhalt glaube, das Team habe das positiv beantwortet: Dann, so die Argumentation der Vereinsführung, sei das Einfrieren ja kein Risiko. Die 25 Prozent seien auch nicht ultimativ zu verstehen, eher als Vorschlag, um zu schauen, zu welchem Verzicht das Team bereit ist.

„Ob wir dem nachkommen werden, müssen wir erst besprechen“, sagt Dardai, der mit Dick van Burik, Fredi Bobic, Marko Rehmer, Niko Kovac und Arne Friedrich den Mannschaftsrat bildet. „Die jüngeren Spieler, die ein geringeres Grundgehalt haben und vielleicht ihr Haus abzahlen müssen, könnten da in Schwierigkeiten kommen.“ Dardai würde eher auf Prämien verzichten.

Die sind, zumindest bei den neuen, stark leistungsbezogenen Verträgen, erheblich. So soll Marko Rehmer bei der Verlängerung seines Kontraktes bis 2005 auf die Hälfte seines auf 2,2 Millionen Euro geschätzten Grundgehaltes verzichtet haben, dafür aber pro Sieg 40 000 Euro erhalten. „Wir haben mit den Spielern so intelligente Verträge abgeschlossen, dass sie sich im Falle der Erfolglosigkeit selbst bestrafen“, sagte Hoeneß kürzlich.

Gehaltskürzungen, wären sie auch nur vorübergehend, können arbeitsrechtlich nur mit Zustimmung der Spieler vorgenommen werden. So wie im Fall Dortmunds. Dort ließen die Spieler nach langer Diskussion 20 Prozent ihrer Gehälter einfrieren.

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