Sport : Generation Umbruch

Der einstige Ausbildungsverein Hoffenheim orientiert sich nach unten.

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Nicht mehr oben. Hoffenheims Jannik Vestergaard (li.) hat zu kämpfen. Foto: dpa Foto: dpa
Nicht mehr oben. Hoffenheims Jannik Vestergaard (li.) hat zu kämpfen. Foto: dpaFoto: dpa

Zuzenhausen - Manchmal muss eben der Chef ran. Nun ist Dietmar Hopp offiziell zwar nicht der Chef in Hoffenheim, sondern Präsident Peter Hofmann. Trotzdem darf man davon ausgehen, dass der Mäzen und Gesellschafter derjenige ist, der entscheidende Anweisungen gibt, wenn es wichtig wird. So auch am gestrigen Mittwoch, am Tag nachdem die Hoffenheimer den kroatischen Stürmer Srdjan Lakic vom VfL Wolfsburg ausgeliehen hatten. Der Transfer war das Werk von Hopp, dem Mann aus dem Hintergrund, der damit bei der TSG vor dem Spiel gegen den FC Augsburg am Samstag hilft, die aufkommende Abstiegsangst etwas zu mildern. Auch die hatte Hopp vergangene Woche in Worte gefasst, als er an schlechte Beispiele wie Eintracht Frankfurt erinnerte, die sich zu wenig Sorgen gemacht haben en und deshalb abgestiegen sind.

Mit Lakic versucht man den Verlust an sportlicher Qualität aufzufangen, nachdem die Herbstmeister von 2008 nach und nach abgewickelt worden sind. Mit Vedad Ibisevic ging der letzte Vertreter der Aufstiegsgeneration vor kurzem für rund fünf Millionen Euro zum VfB Stuttgart. Trotz des Strategiewechsels hin zum maßvollem Wirtschaften, was zur Unabhängigkeit von Hopps Millionen führen soll, vollführt der Klub einen Zickzackkurs. Im Selbstverständnis der Macher stand Hoffenheim für einen Ausbildungsverein, mit jungen deutschen Talenten. Das hat sich inzwischen geändert. Zuletzt gab es sogar daran Kritik, weil man den 13 Jahre alten Nico Franke aus Berlin holte.

Hoffenheim ist nicht mehr der Klub, der kurz nach dem Aufstieg mit Ausnahmekickern in Richtung Champions League strebte. In den Köpfen der Anhänger hat sich der Wechsel ins Mittelmaß nicht ohne Nebenwirkungen vollzogen. Und auch innerhalb des Kaders macht sich Perspektivlosigkeit breit, die nicht einmal der leidenschaftliche Holger Stanislawski bisher zu durchbrechen wusste.

Die Folgen des freiwilligen Entwicklungsrückschritts sind Pfiffe und leer bleibende Plätze in der Rhein-Neckar-Arena. Hinzu kommen Wutausbrüche von Coach Stanislawski, der Spieler und Team öffentlich kritisiert und bisweilen den Eindruck erweckt, er stehe kurz davor aufzugeben. Hopp mahnt, man könne sich mit 23 Punkten nicht zu sicher fühlen. Mit Lakic hat es Hoffenheim geschafft zu sparen. Als Hoffnungsträger für die Zukunft aber kann der großgewachsene Angreifer aus Wolfsburg kaum gelten. Sein Vertrag läuft nur bis Saisonende, dann ist er für jedermann zu bekommen.

„Draußen leiden einige an Realitätsverlust“, klagt Stanislawski. Der Trainer erinnert an seinen Auftrag, dem Verein eine neue Perspektive zu geben, nachdem teure Stars wie Carlos Eduardo, Luiz Gustavo, Demba Ba, Chinedu Obasi und Ibisevic verkauft worden waren. „Was wurde erreicht in den letzten drei Spielzeiten?“, fragt er ketzerisch. „Ein siebter und zwei elfte Plätze. Deshalb müssen wir den Umbruch vollziehen.“ Worauf die Hoffenheimer Fans künftig hoffen sollen, scheint aber auch er nicht wirklich sagen zu können. „Unser jetziger Weg ist natürlich nicht so spektakulär. Hoffenheim nimmt man immer noch als Klub der Himmelsstürmer wahr“, sagt Manager Ernst Tanner. „Aber so ein Umbau dauert zwei bis drei Jahre. Dann ist er aber solide aufgebaut und wirtschaftlich vertretbar.“ Man solle bloß nicht glauben, in Hoffenheim habe man keine Visionen mehr, sagt Tanner. „Wir haben nur keine fremdfinanzierten mehr.“ Oliver Trust

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