Sport : Genussvoll gewinnen

Eishockey-Nationaltorwart Olaf Kölzig ist in Washington ein Star und hat in Turin viel vor

Claus Vetter

Berlin - Mein Gott, die Eisbären. Olaf Kölzig wirkt fast gerührt, als die Frage nach seinem ehemaligen Arbeitgeber kommt. Ob er die Auftritte der Berliner in der Deutschen Eishockey-Liga verfolgt? „Natürlich. Jedes Spiel“, antwortet Kölzig. „Ich habe doch so eine gute Zeit in Berlin gehabt und viele Freunde gewonnen.“ Teil einer Meistermannschaft zu sein, sei eben etwas sehr Besonderes. „Da vergisst du die Jungs, mit denen du das erreicht hast, nicht so schnell.“

13 Spiele hat der deutsche Nationaltorwart während der Spielpause in der National Hockey League (NHL) vergangene Saison für die Eisbären absolviert – nur vier davon in den Play-offs, weil er verletzt war. Trotzdem, sein Anteil am Berliner Titel ist unstrittig, zumal Kölzig seinen damaligen Torwartkollegen Oliver Jonas zu besseren Leistungen motivierte, weil der um seinen Stammplatz kämpfen musste. Ein Kölzig hat eben eine ungeheure Präsenz. Auch in der NHL, wo der in Südafrika geborene Torhüter mit deutschen Eltern inzwischen wieder für die Washington Capitals spielt. Seit 1989 hat Kölzig für sie 630-mal das Tor gehütet. In Washington ist er der Großverdiener im Team – fünf Millionen Dollar beträgt sein Saisongehalt. Eine Summe, von der andere deutsche Sportler in Turin, etwa die Biathleten oder Eiskunstläufer, nur träumen können – auch wenn sie dort mit guten Leistungen ihren Marktwert steigern können. Multimillionär Kölzig hat das nicht mehr nötig. „Ich werde jede Minute in Turin genießen, egal ob wir gewinnen oder verlieren“, sagt er. „Schließlich sind es meine letzten Olympischen Spiele.“

Kölzig ist inzwischen 35. Und obwohl es bei den Capitals in dieser Saison nicht läuft, ist er der überragende Mann des Teams. Bundestrainer Uwe Krupp findet gar: „Wenn der Torwart Mannschaftskapitän sein dürfte, müsste das Olaf bei den Capitals sein. Er ist in jeder Hinsicht ein Vorbild.“ Kölzig sagt: „Das ist ein schönes Kompliment“, spricht aber lieber über sein Team. „Wir sind in Washington in einem Jahr des Umbruchs, haben viele junge Spieler. Tatsächlich spielen wir besser, als viele vorher dachten.“

Erst am 14. Februar reist Kölzig mit sechs anderen in der NHL beschäftigten Deutschen nach Turin – einen Tag vor Beginn des olympischen Turniers. Finanzielle Interessen verbieten eine lange Spielpause in der NHL. „Ich will mit dem Nationalteam das Viertelfinale erreichen“, sagt Kölzig. „Dann wollen wir mal sehen, was passiert.“ Und Kölzig spricht von den Spielen 2002, als er verletzt zuschauen musste. „Weißrussland hat in Salt Lake City mit dem Sieg gegen Schweden im Viertelfinale gezeigt, was in einer K.o.-Runde möglich ist.“

Gelingt den Deutschen in Turin eine solche Überraschung , dann wäre das international ein Höhepunkt einer langen Karriere, in der Kölzig im Jahr 2000 zum besten Torwart der NHL gekürt wurde. Zumal in Turin seine Nationalmannschaftskarriere enden könnte. Kommen die Capitals in der NHL nicht in die Play-offs – danach sieht es aus –, hätte er Ende April zwar Zeit für die B-WM in Frankreich, Kölzig sagt aber: „Ich denke nicht, dass das für mich in Frage kommt.“ Uwe Krupp möchte „mit Olaf noch über Amiens sprechen“. Dass die Deutschen die Verstärkung aus der NHL brauchen, bewiesen sie am Mittwoch, als sie in Salzburg ein Testspiel überraschend 0:1 gegen Österreich verloren. Vielleicht kann der Bundestrainer Olaf Kölzig ja mit dem Hinweis darauf überreden, dass in Amiens einige von Kölzigs Freunden von den Berliner Eisbären dabei sein werden.

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