Sport : Gerhard Mayer-Vorfelder: Der Offizier und die Halbseidenen

Oliver Trust

Axel Kruse, der Boxfan, Thorsten Legat, der gerne selbst boxt, Winfried Schäfer, der "Wilde Winnie", Christoph Daum, der wegen positiver Drogentests nach Miami flüchtete. Irgendwie haben all diese Namen etwas mit Gerhard Mayer-Vorfelder zu tun. Der betagte Funktionär liebt die Extreme. "Kantige Typen und Verrückte", wie er immer sagt. Mit Begeisterung holte der 67-Jährige die Spieler Kruse, Legat und den abgehalfterten Schäfer als Trainer. Daum gegenüber fühlte er sich seit dem erzwungenen Rauswurf im Dezember 1993 beim VfB Stuttgart in der Bringschuld.

Er hat sie immer gehegt und gepflegt, sich gerne geschmückt mit ihrem Hauch des Halbseidenen. Am Rande vieler Polit-Affären tauchte sein Name auf. Wirklich geschadet haben sie ihm nie. Oder er hat es jedesmal geschafft, dass irgendwann das Thema Rücktritt vom Tisch war. Diesmal könnte das anders sein. Immer lauter und immer offener wird sein Verzicht auf den Job als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes gefordert. Die Affäre Daum ist zur Affäre Mayer-Vorfelder geworden. Der Reserveoffizier Mayer-Vorfelder befindet sich - diesmal ohne die schützende Aura des weltmännisch auftretenden Politikers im Rücken - im Rückzugsgefecht.

Wie sehr die Mayer-Vorfelders mit dem ehemaligen Trainer von Bayer Leverkusen befreundet sind, zeigen zwei Geschichten, die aus dem Hause Mayer-Vorfelder erzählt werden. Einmal als unten in der Mercedesstraße wieder einmal ein Trainer gesucht wurde, berichtete Margit Mayer-Vorfelder ihrem Ehemann eines Morgens vom nächtlichen Traum, "dass du den Christoph wieder holst". Als Daum mit Leverkusen in Stuttgart 1:4 verlor, verbrachten die Paare Mayer-Vorfelder und Daum samt Freundin Angelika Camm, die eigentlich Kamm mit K heißt und sich als Künstlerin aus PR-Gründen mit C schreibt, erst im VIP-Raum einen heiteren Abend und feierten offenbar bis in den frühen Morgen hinein. Auf die Frage nach seinem größten Fehler antwortete MV bisher: "Dass ich Christoph Daum nicht zurückgeholt habe."

Siegessicher brachte Mayer-Vorfelder seinen Kandidaten Christoph Daum beim DFB durch. "Der", so stichelten sie daheim in Stuttgart immer wieder, "ist jetzt Präsident vom VfB Deutschland". In Stuttgart geht seine Amtszeit Ende Oktober nach 25 Jahren zu Ende. Nicht freiwillig. Die Stuttgarter sind des diktatorischen Führungsstils mit vielen einsamen Entscheidungen überdrüssig. Sie machen Mayer-Vorfelder für die finanzielle Misere des Klubs verantwortlich. Jüngst musste "MV" zähneknirschend zugeben, dass er "fünf bis sechs Millionen Mark" Schulden hinterlässt.

Der Sprung auf den Chefsessel zusammen mit Bundestrainer Daum sollte für Mayer-Vorfelder die Krönung der Karriere, die Erfüllung eines Traumes sein. Wie das Duo der rettenden Engel traten Daum und Mayer-Vorfelder auf. Der erste ist abgestürzt. Und der zweite?

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