German Masters im Snooker : Carter gewinnt Titel im Tempodrom

Die ganz große Spannung kam am Ende nicht mehr auf. Dennoch sahen die 2500 Zuschauer im Tempodrom ein tolles Finale der German Masters im Snooker. Ali Carter holte sich durch ein 9:6 gegen Marco Fu den Titel.

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Als Allister Carter Anfang vergangener Woche nach Berlin kam, fehlten ihm die wichtigsten Utensilien, die ein professioneller Snooker-Spieler braucht. „British Airways hatte meine Queues“, erzählte er, der selbst im Besitz einer gültigen Pilotenlizenz ist und deswegen den Spitznamen "The Captain" trägt. „Trainieren konnte ich im Tempodrom erst mal nicht, eine komische Situation.“ Pünktlich zur ersten Runde tauchte das Gepäck des Engländers, den alle nur "Ali" nennen, dann doch noch auf und geschadet hat das Malheur der Fluglinie dem Mann aus Colchester nicht. Denn als am Sonntag eine halbe Stunde vor Mitternacht die German Masters vorbei waren, hob Carter vor 2500 tobenden Zuschauern die Kunststofftrophäe in die Höhe – nach einer erstaunlich einseitigen zweiten Finalsession gegen Marco Fu, in der Carter sich letztlich 9:6 durchsetzte. 

Ein Jahr zuvor war Carter ganz weit weg von seinem dritten Triumph bei einem Weltranglistenturnier. Er erkrankte bereits 2003 an Morbus Chron, einer entzündlichen Darmerkrankung und wollte seine Karriere beenden. Aber seine Familie und sein Umfeld hätten ihn umgestimmt. „Ich bin stärker geworden“, sagt er. Das lässt sich auch in seiner Karriere ablesen. Vergangene Saison erreichte der inzwischen 33 Jahre alte Engländer sogar das Finale der Weltmeisterschaft in Sheffield, dort unterlag er allerdings Ronnie O’Sullivan. 

Das der charismatische Vorjahressieger von Berlin diesmal in Tempodrom fehlte, nahm der Veranstaltung sicher ein wenig Glanz. Als sich dann auch noch der Weltranglistenerste Mark Selby im Viertelfinale verabschiedete, war der Weg für Fu und Carter frei. Sie boten dann am Sonntag ein Finale, das in der ersten Session noch ausgeglichen begann. Der Mann aus Hongkong hatte am Nachmittag noch mit 5:3-Frames geführt. Am Abend allerdings gab es dreieinhalb Stunden einseitiges Snooker. Carter gelangen gleich zum Auftakt zwei Century-Breaks, also mehr als 100 Punkte in Folge. Fu sagte später: „Jedes mal, wenn ich an den Tisch kam, stand ich vor unmöglichen Situationen.“ Sie waren zumeist unlösbar für den 24. der Weltrangliste. 

Fu gewann nur noch einen glücklichen Frame zum 6:6, danach war Carter Alleinunterhalter – auch was die Kommunikation mit dem Publikum betraf. Mal reckte er den Daumen nach oben, einmal verharrte er – nach einem seltenen Fehler – sekundenlang in Schlummerposition  auf dem Tisch. Und während Fu, wann immer Carter am Tisch war, wie angeschweißt auf seinem Sitz verharrte, lümmelte sich Carter auf dem Polster, als säße er auf einem Fernsehsessel. „Mein Ziel war es auch, dem tollen Publikum eine gute Show zu liefern“, sagte Carter. „Berlin ist dabei, eines der stimmungsvollsten Turniere überhaupt zu werden.“ 

So sieht es aus, in der Hauptstadt der Snooker-Diaspora. Rund um im Tempodrom ist bei den German Masters inzwischen zünftige Sportveranstaltungsatmosphäre eingekehrt. Vor der Halle gab es labbrige Bratwurst, in der Arena viel Bier und auch mal Schnaps aus dem Flachmann. Der Schiedsrichter musste beim Finale die Zuschauer sehr häufig um Ruhe bitten – der zünftigen, aber auch interessierten Stimmung schadete es nicht. Allister Carter hat den Titel geholt, Snooker hat Berlin wieder ein Stück mehr für sich gewonnen. 

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