Sport : Geschichte kehrt nicht zurück

Boca gewinnt die südamerikanische Champions League, die Copa Libertadores, und macht Argentinien wieder ein bisschen stolz

Martín E. Hiller

Die schlichte Nachricht lautet so: Boca Juniors Buenos Aires bezwingt den Santos Futebol Clube im Morumbistadion von Sao Paulo mit 3:1. Da Boca die Santistas bereits im Hinspiel zu Hause 2:0 geschlagen hat, gewinnen die Argentinier das Finale der Copa Libertadores, der südamerikanischen Champions League. Die Bedeutung des Sieges aber ist in der einfachen Nachricht nicht zu übermitteln: Endlich hat das krisengeschüttelte Argentinien, dessen Nationalelf bei der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft in Asien lange vor Brasilien ausgeschieden war, einen großen Sieg errungen, noch dazu über den Erzrivalen, den Weltmeister Brasilien.

Zudem hat sich, so wollen die pathetischen Betrachter Südamerikas den vielen Fans Glauben machen, die Maradona-Kultur gegen die Pelé-Kultur durchgesetzt: Zum ersten Mal seit 40 Jahren spielten gerade jene beiden Vereine um den höchsten Titel im südamerikanischen Vereinsfußball, die die besten Spieler ihres jeweiligen Landes, ja vielleicht der ganzen Welt herausgebracht haben: Boca war die erste große Station von Diego Armando Maradona, bei der er später auch seine Laufbahn beendete. Edson Arantes do Nascimiento, genannt Pelé, verbrachte dagegen fast seine gesamte Karriere bei Santos. 1963 Jahren stand der FC Santos mit Pelé, Coutinho und Ciá zum vorerst letzten Mal im Finale der Copa und gewann seinen zweiten Titel gegen – Boca Juniors. Genau 40 Jahre später gelang die Revanche für die Mannschaft von Trainer Carlos Bianchi, der anschließend befand, dass „heute alle Argentinier Champions sind“.

Seit die Endspielpaarung 2003 feststand, waren die Zeitungen in Südamerika voll mit Rückblicken. „Die Geschichte kehrt zurück“, titelte die brasilianische Zeitung „O Globo“ und der argentinische „Clarín“ forderte, dass Boca „eine 40 Jahre alte Rechnung begleichen“ müsse. Seit damals gingen die beiden Klubs allerdings unterschiedliche Wege. Boca holte viermal die Copa Libertadores, „Peixe“, wie der FC Santos in Brasilien nur genannt wird, konnte sein Niveau nicht halten. Auch die Glanzzeit ihrer besten Spieler fiel nicht in dieselbe Epoche: Maradona und Pelé sind sich auf dem Platz nie begegnet. Trotz der ewigen Diskussion, wer denn nun wirklich der Allergrößte ist, sind sich die beiden freundschaftlich verbunden. Als der Argentinier vor zwei Jahren sein Abschiedsspiel in der Bombonera nachholte, war der Brasilianer zu Gast auf der Tribüne. Im Morumbi haben sie sich jetzt jedoch nicht wiedergetroffen. Maradona ist zur Drogenkur in Kuba, Pelé auf Geschäftsreise in Europa.

Auf dem Rasen begegneten sich dagegen zwei Spieler, die bereits auffällig oft mit den Ikonen verglichen werden. Der 18-jährige Dribbelkünstler Robinho von Santos gilt in seinem Land als legitimer Nachfolger von Pelé, und der hat höchstpersönlich über ihn gesagt: „Der Junge erinnert mich an mich, als ich jung war.“ Robinho verlor jedoch den direkten Vergleich gegen sein Pendant bei Boca, Carlos Tevez. Der Spielmacher verfügt trotz seiner erst 19 Jahre bereits über viel Charisma und spielerische Klasse. In den beiden Endspielen rechtfertigte Tevez die zwölf Millionen Dollar, die der FC Bayern München schon für ihn geboten hat. Er erzielte zwei Tore und wurde zum besten Spieler gewählt. Noch ein Grund zum Jubeln für Argentinien.

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