Sport : Gesichter zeigen

Claus Vetter

Alexander Weiß schoss am Freitag das Siegtor zum 2:1-Erfolg des Deutschen Eishockeymeisters Eisbären Berlin in Augsburg. Ein 19 Jahre alter deutscher Spieler übernimmt Verantwortung – ein Ergebnis der Aufbauarbeit im Berliner Klub. Doch das erfolgreiche Modell kommt anscheinend nicht überall an in der Deutschen Eishockey- Liga (DEL). Beim Pokalspiel in Köln war es aus Sicht von Gernot Tripcke, DEL-Geschäftsführer, „unverschämt“, dass die Eisbären ohne ausländische Profis antraten. Dass die Berliner nun im Sinne der Nationalmannschaft eine Reduzierung der Ausländerplätze in der Liga fordern, ist für ihn der Höhepunkt aller Dreistigkeit. Weniger Ausländer in der DEL, das wäre laut Tripcke nicht zu verkraften.

Einfacher zu verkraften wäre für die DEL wohl ein Abstieg der Nationalmannschaft im Mai bei der WM in Russland. Das hätte dann ja der Deutsche Eishockey-Bund und nicht die DEL zu verantworten, und irgendwie lebt es sich in der deutschen Liga trotz des ramponierten Bildes des deutschen Eishockeys auf internationalem Eis prima. Die Gesichter der ungezählten, immer wieder wechselnden ausländischen Spieler der DEL kennt zwar so richtig nur der harte Kern der Fans. Trotzdem boomt die Liga in den Großarenen von Hamburg oder Köln vor fünfstelligen Zuschauerkulissen – eine komfortable Nische, aber eben eine Nische: Über eine erfolgreiche Nationalmannschaft bekämen das deutsche Eishockey und damit auch die DEL einen insgesamt höheren Stellenwert – und durch gute deutsche Spieler auch wieder bekanntere Gesichter. Das hat nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun, sondern mit Identifikation, ohne die der große Publikumssport nicht funktioniert.

Vielleicht also sollte die DEL die Eisbären nicht weiter beschimpfen, sondern Nachwuchsarbeit nach dem Berliner Modell auch bei anderen Klubs forcieren. Die Liga würde in jedem Fall in ihre Zukunft investieren.

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