Sport : Gestörter Empfang

Godefroot wehrt sich gegen Jan Ullrichs Vorwürfe

Claus Vetter

Berlin - Jan Ullrich war nicht in Verlegenheit zu bringen. Kein Stocken in der Stimme, kein Kopfschütteln. Der Radprofi war vorbereitet auf das, was ihn Fernsehmoderator Reinhold Beckmann in seiner am späten Montagabend in der ARD ausgestrahlten Sendung fragte. Von wegen unprofessionell und daher nur Vierter bei der Tour de France. Er lasse sich nichts vermiesen, sagte Ullrich. Auch nicht von Walter Godefroot, dem Chef seines Teams T-Mobile. Wenn der sage, dass er nicht genug trainiere, sei das falsch: „Ich bin enttäuscht und ärgere mich maßlos. Ich werde das mit Walter klären und meine Konsequenzen ziehen.“

Walter Godefroot hatte am Fernsehtalk mit Jan Ullrich wenig Freude. „Konsequenzen? Warum?“, fragte der Belgier. Zum Beispiel weil Godefroot der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ gesagt hatte: „Armstrong lebt für das Radfahren, Jan fährt Rad, um zu leben.“ Godefroot ist erschüttert. „Ich bin falsch zitiert worden“, sagte er dem Tagesspiegel. „Das ist einfach unglaublich. Ich habe nie gesagt, dass Ullrich nicht genug trainieren würde.“ Trotzdem, ganz dicke Freunde sind der Teamchef und der Mannschaftskapitän wohl nicht. Ullrich sagt über sein Verhältnis zu Godefroot: „Wir telefonieren nur zweimal im Jahr miteinander.“ Häufiger sei auch nicht nötig, findet Godefroot: „Ich führe hier ein kleines Unternehmen, habe Verantwortung für 25 Fahrer. Die kann ich nicht alle täglich anrufen.“

Schon bei der Tour gab es Reibungspunkte zwischen Godefroot und Ullrich. Dessen persönlicher Berater Rudy Pevenage hatte sich mit seinem früheren Kollegen Godefroot zerstritten. Pevenage war Ullrich 2002 vom Team Telekom zu Coast und zu Bianchi gefolgt. Als Ullrich 2003 zum Team T-Mobile kam, ließ er sich die Betreuung durch Pevenage, seinen Bruder Stefan als Mechaniker und eine Physiotherapeutin garantieren. Dass der Star des Teams trotz dieser Extras nur zweitbester Fahrer bei T-Mobile hinter Andreas Klöden war, mag unangenehm sein für einen wie Ullrich, der vorher vom Tour-Sieg gesprochen hatte.

„Ich habe das Gefühl, dass da gegen mich etwas gesteuert wird“, sagt Godefroot. Fragt sich nur, wer der Steuermann ist und vor allem, wo die Reise hingehen soll. Ullrich ist vertraglich an T-Mobile gebunden, die übrigen Fahrer des Teams sind es an die Godefroot GmbH. Will Ullrich als Konsequenz das Team verlassen? Oder soll sich etwa Godefroot zusammen mit der gesamten Mannschaft zurückziehen? Beide Varianten würden – so unwahrscheinlich sie auch erscheinen – eine Menge Ärger bedeuten.

Beim Team T-Mobile ist man nach Ullrichs Aussagen jedenfalls irritiert. Sprecher Olaf Ludwig sagte, er wisse nicht, ob Ullrichs Forderung nach Konsequenzen „auf das Umfeld oder Personen bezogen sein soll“. Am Sonntag wird es wohl eine Antwort darauf geben: Ullrich, der gestern vor Georg Totschnig und Andreas Klöden das Grazer Altstadt-Kriterium gewann, und Godefroot wollen sich in Hamburg nach dem Weltcup-Rennen über ihr Kommunikations-Problem unterhalten.

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