Sport : Gewinnend verloren

Rob Leask unterliegt mit dem deutschen Eishockeyteam 1:2 gegen sein Geburtsland Kanada, aber Bundestrainer Zach lobt den Eisbär

Claus Vetter

Hannover. Als gestern Nachmittag in der Preussag-Arena die kanadische Nationalhymne ertönte, wurde einer der Hauptdarsteller auf der Eisfläche ein wenig nervös. Rob Leask stand vor dem Spiel der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft am Rande in der Reihe seiner Kollegen – der deutschen Spieler wohlgemerkt, und es ging gegen Kanada. „Trotz der mir so bekannten kanadischen Hymne hatte ich nicht das Gefühl, dass ich auf der falschen Seite stand“, sagte er nach seinem Auftritt beim Deutschland-Cup in Hannover. „Als es losging, habe ich das sofort vergessen.“

Obwohl Leask in Montreal geboren ist, spielt der Sohn schottischer Auswanderer nun für die Deutschen. Seit dem Sommer ist der 32-Jährige deutscher Staatsbürger. Gestern absolvierte der Verteidiger von den Berliner Eisbären sein viertes Länderspiel und verlor beim 1:2 (0:1, 0:1, 1:0) gegen Kanada zum zweiten Mal mit seinem neuen Team.

Gegen die ehemaligen Landsleute hatte Rob Leask anfangs seine Probleme, wie seine gesamte Mannschaft, die über zwei Drittel eine hohe Fehlerquote und auch ein wenig Pech hatte: Ein Tor von Stefan Ustorf wurde nicht anerkannt, weil der Schiedsrichter zuvor einen Regelverstoß gesehen hatte. So gingen dann die Kanadier durch Steve Walker in Führung. Jean-Yves Roy erhöhte im zweiten Drittel auf 2:0 für Kanada als der Kölner Stürmer Eduard Lewandowski auf der Strafbank saß. Erst fünf Minuten vor Schluss gelang Stephan Retzer (Kassel) der verdiente Anschlusstreffer. Fünf Sekunden vor dem Ende traf der Düsseldorfer Daniel Kreutzer nur den Pfosten. Die Deutschen hatten damit die Chance auf den Turniersieg verspielt.

Gewinner des Deutschland-Cups wurden am Abend die USA nach einem 1:0 (0:0, 1:0, 0:0)-Sieg gegen die Schweiz, Deutschland belegte somit Rang zwei.

War der letzte Auftritt der Deutschen mittelprächtig, so schmälerte er nicht das gute Bild, welches das Team in Hannover abgab. „Wir haben nur wegen des verlorenen Penaltyschießens gegen die USA den Turniersieg verspielt“, sagte Hans Zach. Ärgern wollte sich der Bundestrainer aber nicht, vielleicht auch, weil es noch nette Komplimente vom Trainer des gestrigen Gegners gab. „Glückwunsch an die Deutschen, sie haben mit ihrer sehr starken Mannschaft ein sehr gutes Turnier gespielt“, sagte Kanadas Coach Dave King.

Trotz der Niederlage zum Abschluss, einen Gewinner gab es im deutschen Team: Rob Leask. Bundestrainer Zach sprach in höchsten Tönen von seinem reifen Debütanten: „Rob hat sich bestens bei uns integriert. Er passt prima in mein System, hat einen tollen Charakter.“ Und, so Zach, „der Rob wird auf alle Fälle wieder für die Nationalmannschaft eingeladen, weil er ein wichtiger Spieler ist, für jede Mannschaft“.

Rob Leask hatte von der frohen Kunde gestern Nachmittag noch nicht gehört. „Der Bundestrainer hat mit mir noch nicht gesprochen“, sagte er. „Aber mein Ziel ist die WM im nächsten Jahr.“ 1995 hatte er beim Deutschland-Cup noch für Team Kanada gegen Deutschland gespielt – damals übrigens auch verloren, nämlich 3:4. „Das ist lange her und nicht mehr wichtig“, sagte Leask. Wichtiger sei nun seine neue Hymne. Da sei er auch schon ein Stück weiter, sagte Leask. „Die Musik kannte ich schon vorher, den Text lerne ich die nächsten Tage.“

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