Sport : Gewinnende Verlierer

Die deutschen Basketballer unterliegen im EM-Finale Griechenland mit 62:78, sind aber stolz auf Silber

Benedikt Voigt[Belgrad]

Drei Gäste hat der Deutsche Basketball-Bund gestern extra für das Europameisterschafts-Finale nach Belgrad eingeflogen. Die verletzten Nationalspieler Ademola Okulaja, Steffen Hamann und Stefano Garris nahmen in der Belgrad Arena auf den blauen Klappsitzen in der fünften Reihe Platz. Bis dahin hatte Okulaja alle Spiele der deutschen Mannschaft in Berlin vor dem Fernseher verfolgen müssen. „Das war hart“, sagte er. Am liebsten wäre der Forward bei den Erfolgen seiner Mannschaft in Serbien-Montenegro selber auf dem Spielfeld dabeigewesen. Nun musste er auch noch als Zuschauer die zweite Niederlage miterleben. Doch auch die Silbermedaille ist ein riesiger Erfolg für den deutschen Basketball. Das Team von Bundestrainer Dirk Bauermann hat gestern Abend im EM-Finale gegen Griechenland mit 62:78 (32:39) verloren. Dirk Nowitzki war mit 23 Punkten erneut bester Spieler seines Teams, Patrick Femerling erzielte elf Punkte.

Der EM-Titel von 1993 bleibt damit der einzige, den eine deutsche Basketball-Nationalmannschaft gewonnen hat. „Aber diese Silbermedaille ist mindestens genauso hoch einzuschätzen“, sagte Trainer Dirk Bauermann, „damals fand die EM im eigenen Land statt, und Basketball hat sich seitdem enorm entwickelt.“ Die Griechen hingegen holten sich zum zweiten Mal nach 1987 den EM-Titel.

In der Vorbereitung hatte das deutsche Team zweimal gegen Griechenland verloren (57:66, 81:91). Beim zweiten Spiel in Athen ist es von den Griechen zeitweise sogar vorgeführt worden. Gestern stand jedoch eine völlige andere deutsche Mannschaft auf dem Feld. Sie hatte nach der Auftaktniederlage gegen Italien fünf Spiele in Folge gewonnen und dabei so prominente Basketball-Nationen wie den Dritten Frankreich, den Vierten Spanien oder Serbien-Montenegro hinter sich gelassen. „Basketball-Deutschland kann stolz auf dieses Team sein“, sagte Trainer Dirk Bauermann.

Im Finale begegneten sich die beiden Mannschaften, die bis dahin am intensivsten verteidigt hatten. Allerdings startete das deutsche Team nervöser als die Griechen. Im ersten Viertel leistete es sich acht Ballverluste, Patrick Femerling und Dirk Nowitzki gaben jeweils drei Mal den Ball her. Konstantinos Tsartsaris und Dimosthenis Ntikoudis hatten den deutschen Star in der Verteidigung gut im Griff und später trafen sie auch noch ihre Würfe von außen. Nach zehn Minuten lag das deutsche Team 12:19 zurück.

Daran änderte sich auch im zweiten Abschnitt nicht viel. Bauermann ließ seine beiden jeweils 1,80 Meter großen Aufbauspieler Pascal Roller und Mithat Demirel gemeinsam spielen. Damit geriet der Spielaufbau sicherer, dafür konnten die Griechen sich ein ums andere Mal gegen die beiden Aufbauspieler unter dem Korb gut durchsetzten. Dirk Nowitzki warf den Ball mit der Schlusssirene für drei Punkte zum 32:39 in den Korb. Es war seine bis dahin beste Szene.

Doch die Hoffnung auf Besserung währte nur kurz. Mit drei Dreipunktewürfen in Folge, zwei davon durch den starken Guard Theodoros Papaloukas, konnten sich die Griechen wieder auf 14 Punkte absetzen. Als sich Dirk Nowitzki weiterhin in der Offensive nicht wie gewohnt durchsetzen konnte, gönnte ihm Dirk Bauermann in der 27. Minute eine kurze Pause. Die Griechen nutzen diese Phase, um das deutsche Team noch weiter in Rückstand zu bringen: 48:61. Eigentlich hat das deutsche Team bei dieser EM hohe Rückstände immer wieder wettmachen können. Doch diesmal fehlte die Kraft dafür. Immerhin hatte Dirk Nowitzki noch eine spektakuläre Szene, als er frustriert und wütend Konstantinos Tsartsaris beim Dunking-Versuch blockte. Doch näher als 14 Punkte kam sein Team im letzten Viertel nicht mehr an den neuen Europameister heran.

Als Bauermann den besten Spieler des Turniers drei Minuten vor dem Ende aus dem Spiel nahm, klatschten ihm die 19 000 Zuschauer in der Halle tosenden Applaus. Dass er und die elf anderen deutschen Spieler nach der Schlusssirene Silbermedaillen entgegen nehmen durften – das hatte zu EM-Beginn vor zehn Tagen niemand geglaubt.

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