Sport : Gewonnen und doch verloren

Die Wasserfreunde Spandau siegen im Europapokal-Rückspiel in Moskau und scheiden trotzdem aus

Claus Vetter

Berlin - Es hat gestern nicht viel gefehlt, und die Wasserfreunde Spandau 04 hätten an ihre internationalen Erfolge aus den Achtzigerjahren angeknüpft. Insofern war es verständlich, dass der Manager des Deutschen Wasserballmeisters gestern nach dem Europapokal-Viertelfinalspiel seiner Mannschaft in Moskau ein wenig verärgert war. Die Berliner hatten gewonnen und doch verloren: Überraschend hatten sie den russischen Spitzenklub Schturm Tschechow in dessen Halle 9:7 (1:2, 3:1, 3:1, 2:3) bezwungen und waren wegen der 7:10-Niederlage im Hinspiel trotzdem ausgeschieden. „Das ist sehr schade“, sagte Peter Röhle. „Unsere junge Mannschaft hat mit sehr viel Herz gespielt gegen eine alte Mannschaft, die heute eindeutig schlechter war.“

Im Heimspiel am 22. Dezember vergangenen Jahres waren die Berliner noch chancenlos. „Tschechow war cleverer und unseren Jungs körperlich überlegen“, hatte Klubpräsident Hagen Stamm nach der Niederlage in der Schöneberger Schwimmhalle gesagt. „Im Rückspiel wird es für uns ganz schwer.“ So schwer wurde es dann gestern für die Berliner gar nicht in Moskau – schon nach drei Vierteln waren sie der Überraschung sehr nahe, nachdem sie einen Drei-Tore-Vorsprung herausgespielt hatten. „Wir haben sehr gut gespielt“, berichtete Röhle. „Wir haben zwar zögerlich angefangen, aber wenig Fehler gemacht und sind dann schön die Konter geschwommen.“ Im Schlussabschnitt führten die Spandauer sogar noch mit 8:5, dann allerdings gelangen Tschechow zwei Tore innerhalb einer Minute. Röhle hatte dabei „fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen“ gesehen. In der Schlussphase hatten die Wasserfreunde sogar noch einen Angriff, der allerdings abgepfiffen wurde. Den Berlinern fehlte am Ende ein Tor zur Verlängerung. Nach dem Ausscheiden der Spandauer ist kein deutsches Team mehr in den europäischen Vereinswettbewerben vertreten.

Trotz des Ausscheidens konnte der Manager des deutschen Rekordmeisters dem Spiel auch gute Seiten abgewinnen. „Vier der neun Tore wurden von zwei unserer jungen Spieler erzielt“, sagte Röhle, „das zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind.“ Der 19 Jahre alte Tobias Preuß traf sogar viermal für die Berliner, dem 20-jährigen Tobias Gietz gelangen immerhin zwei Tore.

Nach dem Aus im Viertelfinale der LEN-Trophy muss sich der Deutsche Meister nun wieder auf den Bundesliga-Alltag konzentrieren. In der Liga sind die Berliner in dieser Saison noch ungeschlagen und der absolute Titelfavorit – auch wenn ihre Siegesserie zuletzt nach 24 Bundesligasiegen nacheinander im Ligaspiel beim ASC Duisburg (12:12) zu Ende ging. International wäre diesmal auch viel möglich gewesen, findet Manager Röhle: „Die Russen spielen nun im Halbfinale gegen den spanischen Klub Terrassa, dieser Gegner hätte uns auch gelegen.“ Claus Vetter

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