Sport : Gibt es einen Fußballgott?

Bernhard Felmberg erklärt, warum der Glaube im Sport zu Hause ist

Bernhard Felmberg

Gott sei Dank – es gibt ihn nicht. Schließlich gibt es auch keinen Handballgott, keinen Hockeygott und keinen Skilaufgott. Gott lässt sich nicht auf eine Sportart oder das Rund eines Stadions begrenzen. Sein Wesen und Wirken ist nicht auf 90 Minuten beschränkt, es ist ewig. Gott ist in Jesus Christus am Heiligen Abend Mensch geworden. An Jesus kommt keiner vorbei – nicht einmal Miroslav Klose. Durch ihn erlangen wir eine andere Erlösung als durch ein Tor unseres Lieblingsvereins, das vielleicht schon nach fünf Minuten wieder egalisiert ist. Deshalb gibt es keinen Fußballgott. Eigentlich.

Das Reden vom Fußballgott hat eine Geburtsstunde. Es war der 4. Juli 1954, Endspiel der Fußball-WM. Der Geburtsort dieses „Gottes“ heißt nicht Bethlehem, sondern Bern. Der Geburtshelfer war Herbert Zimmermann. Die Zeugen waren nicht die Heiligen Drei Könige, es waren die Fußallbegeisterten in Deutschland. Zimmermann kommentierte den „Fußballgott“ zum Leben. Das arme Opfer dieser moderierenden Attacke war ein Nationalspieler: „Turek, du bist ein Teufelskerl! Turek, du bist ein Fußballgott!“ Na, was nun, möchte man da heute fragen – Teufelskerl oder Fußballgott?

Seit dieser Zeit wird immer wieder mal ein „Fußballgott“ durch einen Moderator in den Fußballolymp geschossen. Der Begriff scheint für diese Zunft etwas Schillerndes zu haben, obwohl doch die auf dem Rasen Spielenden nur ihr „Hand“- werk verrichten. Und kaum so, dass der Begriff göttlich angebracht wäre, oder?

Und so möchte auch kein Fußballer mit diesem Begriff belegt werden. Das liegt daran, dass der Glaube an den dreieinigen Gott im Sport und gerade im Fußball inzwischen sehr verbreitet ist. Das auf der Brust geschlagene Kreuz gehört in den Stadien Deutschlands längst zum Ritus vor einem Spiel oder nach einem erfolgten Torabschluss. Dass der Glaube an den dreieinigen Gott auch im Stadion nicht nur ein Ritual, sondern Realität ist, kann man in Berlin erfahren. Die ökumenische Kapelle im Olympiastadion wird rege besucht: Fans lassen sich oder ihre Kinder in der Kapelle taufen, Paare geben sich hier das Ja-Wort. Das weckt bei so manchem die Neugier an den richtigen Gott. Und lässt die Erkenntnis wachsen, dass der Glaube auch im Sport zu Hause ist. Auch ohne Fußballgott.

Der Autor ist Sportbeauftragter der evangelischen Kirche und Initiator der Kapelle im Berliner Olympiastadion.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben