Gladbachs Krise : Wenn Hans Meyer die Ironie verliert

Borussia Mönchengladbach steckt vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen in einer tiefen Krise, selbst Trainer Hans Meyer scheint seinen Humor verloren zu haben.

Stefan Hermanns[Mönchengladbach]
Borussia Moenchengladbach - FC Energie Cottbus
Zweifel. Hans Meyer wirkt ratlos.Foto: ddp

Bei Borussia Mönchengladbach ist es in diesen Tage ungemütlich, die frostige Stimmung bekommt vor allem Hans Meyer zu spüren. Als der Trainer vor dem Heimspiel an diesem Samstag gegen Leverkusen die übliche Pressekonferenz abhält, zieht er nicht einmal seinen wattierten Anorak aus. Ja, der Winter verspricht kalt, missvergnüglich und vor allem lang zu werden. Die „Bild“-Zeitung, Lieblingsfeind des Gladbacher Trainers, hat bereits die Horrorvision entworfen, dass der Aufsteiger und derzeitige Vorletzte der Fußball-Bundesliga bis Karneval zu seinen bisherigen elf Punkten keinen einzigen mehr hinzu hole. Was ihm Hoffnung auf Besserung mache, wird Meyer gefragt. „Wer sagt, dass ich Hoffnung habe?“, antwortet er. „Ich habe gar keine Hoffnung.“

Die Zeit der Ironie ist auch bei Meyer, dem Großmeister der Ironie, vorbei. Er schafft es, eine halbe Stunde zu reden, ohne einen einzigen Scherz zu machen. Die Lage muss also wirklich ernst sein. Ist sie: Gladbach hat die meisten Gegentore kassiert, zehn von fünfzehn Spielen verloren, davon fünf zu Hause. Und auch der frühe Trainerwechsel hat nicht den erhofften Effekt gebracht. Als Meyer vor knapp zwei Monaten die Nachfolge von Jos Luhukay antrat, hielt er seine neue Mannschaft für gut genug, um die Herausforderung Abstiegskampf zu meistern; inzwischen, nach nur sieben Punkten aus sieben Spielen, scheint er da nicht mehr so sicher zu sein.

Es ist paradox: Drei erfahrene Spieler – Sascha Rösler, Sharbel Touma und Soumaila Coulibaly – hat der Trainer aussortiert und zur zweiten Mannschaft delegiert; heute gegen Leverkusen aber wird das Bubi-Mittelfeld mit Marko Marin, 19, Alexander Baumjohann, 21, und Michael Bradley, 21, vermutlich durch Tony Jantschke komplettiert, der vor einer Woche in der Bundesliga debütierte. Jantschke ist 18. „Sein Einsatz ist kein Risiko“, sagt Meyer.

Wenn man bei Borussias Trainer eine Linie erkennen will, dann die, dass er nach dem Ausschlussprinzip arbeitet: Er hat viel probiert, geholfen hat es wenig. Schon jetzt haben die Gladbacher, auch bedingt durch Verletzungen, in 15 Spielen 28 verschiedene Spieler eingesetzt, so viele wie kein anderer Bundesligist – und es werden noch ein paar hinzukommen. Zwei oder drei sollen in der Winterpause ausgetauscht werden, wie Meyer das nennt. Vier Millionen Euro sollen dafür zur Verfügung stehen.

Viel ist das nicht, aber wenn das Team an neuralgischen Punkten mit mehr Erfahrung bestückt wird, kann das Ergebnis mehr sein als die Summe der Einzelteile. So jedenfalls sieht der Plan aus. Hans Meyer, bei dem die Boulevardmedien die ersten Anzeichen von Resignation entdecken wollen, sagt: „Wir werden in eine Situation kommen, wo wir alle noch mal hoffen können. Da bin ich ganz sicher.“

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