Sport : Glanz im gelben Pullover

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Robert Ide erklärt, warum Leipzig

internationale Botschafter braucht

Was macht man mit einem Politiker, der zwar viele Verdienste hat, aber nicht mehr Bundespräsident werden will? Man schickt ihn nach Leipzig, um der angeschlagenen Olympiabewerbung Glanz zu verleihen. Das sieht auf den ersten Blick ein wenig plump aus. Aber eigentlich ist es ganz geschickt.

Leipzig ist in der Welt nicht überall ein Begriff. Der Chef des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge, hat den sächsischen Messeplatz noch nie besucht. Das ist für eine Stadt, die sich gegen New York, Paris oder Rio durchsetzen will, eher schlecht.

In Deutschland ist der deutsche Kandidat für die Spiele 2012 immerhin bekannt. Als Zentrum der Kultur und der friedlichen Revolution. Und als Zentrum der Skandale. Stasi-Affären, Vetternwirtschaft, Parteiengezänk – auch das hat Leipzig national bekannt gemacht. Auch das ist eher schlecht.

Unter großen Mühen haben die Olympiaplaner einen Neuanfang geschafft. Wirtschaftsmanager Peter Zühlsdorff hat die Rückkehr zur Tagesarbeit vollzogen. Für die internationale Phase der Bewerbung fehlt allerdings etwas: Glanz. Dafür bietet sich ein verdienter Politiker durchaus an. Einer, der weltweite Kontakte hat. Einer, der Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Gesellschaft zur Mitarbeit motivieren kann. Und einer, der die Sensibilität des Ostens kennt, der auch mal im gelben Pullover daherkommt. Einer, der integriert und nicht polarisiert.

Hans-Dietrich Genscher ist seit Mittwoch Leipzigs neuer Olympia-Botschafter. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein plumper Werbegag. Aber eigentlich ist es ganz geschickt.

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